Fr, 25. Mai 2018

Enquete geplant

23.04.2011 16:46

Mühsamer Weg zu Integration in Tiroler Schulen

Menschen mit Behinderung tun sich in Tirol am Arbeitsmarkt besonders schwer. Eine Ursache des Übels liegt im Schulbereich. Tirol gehört immer noch zu den Bundesländern mit der geringsten Integrationsquote. Bildungs-LR Beate Palfrader hat mehr Schul-Integration versprochen. Doch der Reformprozess geht nur schleppend voran. Im Herbst erhofft sich Palfrader aber Fortschritte.

Es ist eigentlich eine Binsenweisheit: Gut integrierte Kinder tun sich auch im Erwachsenenleben leichter, sich trotz einer Behinderung zurechtzufinden. Laut UN-Konvention besteht ein Recht auf Integration. Doch in Tirol ist das mehr Theorie denn Praxis. Rund 40 Prozent der 2.200 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen eine Integrationsklasse, die Mehrheit eine Sonderschule.

Länder drängen auf mehr Lehrer
In der Steiermark liegt die Integrations-Quote bei 80 Prozent. "Ich bin froh, dass sich nun auf Bundesseite etwas tut, weil diese Frage österreichweit einheitlich geregelt werden muss", verweist die Bildungslandesrätin auf Wien, wo die Planstellen für Sonderschulpädagogen ausgegeben werden. Der Bund kalkuliert sehr knapp, die Länder drängen auf mehr Lehrer.

Das Beispiel Steiermark zeigt aber auch, dass die Länder selbst Handlungsspielraum haben. Der wurde bisher in Tirol kaum ausgeschöpft. Behindertenorganisationen, Grüne und liste fritz haben im Vorjahr mehr Integration eingefordert. Das Land rief eine Arbeitsgruppe ins Leben. Konkrete Maßnahmen gibt es allerdings bisher wenige. "Wir wollen herausfinden, wie man am besten fördert und was wir besser machen können", so Palfrader.

Gemeinsam mit UMIT, Pädagogischer Hochschule und Landesschulrat führt das Land derzeit eine Studie durch. Erforscht wird der heikle Übergang vom Kindergarten in die Volksschule. Aus Sorge ums Kind entscheiden sich viele Tiroler Eltern lieber für eine Sonderschule als für Integration im Regelschulwesen. Die Meinung, dass es für Kinder unter ihresgleichen leichter ist, herrscht immer noch vor. Und sie wird bestätigt, wenn Integrationsklassen personell schlecht ausgestattet sind und mit den Anforderungen von behinderten Kindern überfordert sind.

Integrationsklassen in jedem Bezirk
Mehr als 50 Prozent Integration bis 2013. Das ist das Ziel des Landes. "So viel Integration wie möglich, so viele Sonderschulen wie notwendig", lautet Palfraders Motto. Auf jeden Fall soll es ab Herbst in allen Bezirken Integrationsklassen geben, in denen ständig zwei Lehrer unterrichten. Auch die von der liste fritz im Landtag beantragte Enquete zum Thema ist für Herbst geplant.

von Claudia Thurner, Tiroler Krone

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