Sa, 18. November 2017

Nach seinem Unfall

23.04.2011 15:53

Pfarrer Friedl: „Dieses Ostern ist wie Auferstehung“

Er ist seit seinem Sturz und einer Gehirnblutung im Oktober halbseitig gelähmt und war lange dem Tod näher als dem Leben - doch Pfarrer Josef Friedl (67) aus Ungenach im Bezirk Vöcklabruck, der durch seine Unterstützung für die kosovarische Asylwerber-Familie Zogaj österreichweit bekannt geworden war, ist frohen Mutes. Auch wenn er ständig Pflege braucht: "Dieses Ostern ist für mich wie eine Auferstehung – mir wurde ein neues Leben geschenkt!"

"Krone": Herr Pfarrer, Sie sind nach ihrem Radsturz fünf Wochen lang im Tiefschlaf gelegen, durften erst im Februar aus der Reha heim. Wie geht es Ihnen jetzt gesundheitlich?
Friedl: Ich hab' mein Gedächtnis, kann denken und sprechen. Das ist nicht selbstverständlich, weil das Blut knapp am Sprachzentrum vorbei gelaufen ist. Und ich war lange dem Tod näher als dem Leben. Nach dem Sturz ist meine linke Gesichtshälfte richtig zerschlagen gewesen.

"Krone": Sie sitzen im Rollstuhl, sind halbseitig gelähmt.
Friedl: Ja, ich brauch' rund um die Uhr Pflege, 24 Stunden täglich. Aber man muss das annehmen, es geht nicht anders. Ich kann niemandem die Schuld dafür geben.

"Krone": Aber sind Sie so eingeschränkt nicht auch frustriert?
Friedl: Schauen Sie, ich habe dadurch soviel an Aufmerksamkeit und Zuwendung erlebt, von Privaten und der Pfarre. Als ich das erste Mal wieder bei einer Messe dabei war – das war so berührend. Die Leute haben mir applaudiert und so viele haben Tränen in den Augen gehabt. Und ich auch.

"Krone": Sie halten auch schon wieder Gottesdienste ab?
Friedl: Ja, nur predigen kann ich noch nicht, weil ein Zahn beschädigt ist und das Sprechen schlecht funktioniert.

"Krone": Sie sorgten durch ihren mutigen Einsatz für Arigona und ihre Familie für Schlagzeilen. Würden Sie sich diesen Wirbel nochmals antun?
Friedl: Wenn ich die Kraft hab' schon. Aber mich hat ja damals die ÖVP darum gebeten, dass ich sie aufnehme, weil ich seit 1980 Flüchtlinge beherbergt habe.

"Krone": Dieses Ostern ist für Sie etwas ganz Besonderes.
Friedl: Ich hätte nicht geglaubt, dass ich Ostern noch einmal feiern darf. Es ist für mich wie eine Auferstehung. Und meine Pfarre – ich muss sagen, einfach toll, wie trotzdem alles weitergeht.

von Christoph Gantner, "OÖ Krone"

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