So, 25. Februar 2018

Singender Protest

22.04.2011 21:27

Aktivisten zahlten 75.000 $, um vor Obama zu trällern

Eine Gruppe junger Polit-Aktivisten hat US-Präsident Barack Obama ein Protestlied gewidmet und es ihm in einer aufsehenerregenden wie kostspieligen Aktion vorgetragen. Die Gruppe, die sich "Fresh Juice Party" nennt, zahlte mehr als 75.000 Dollar für Eintrittskarten zu einer Wahlkampf-Spendengala des Präsidenten in San Francisco und unterbrach ihn bei seiner Rede mit "Where's Our Change?".

Lautstark singend forderten die zehn Aktivisten mit ihrem Song unter anderem die Freilassung des mutmaßlichen WikiLeaks-Maulwurfs Bradley Manning und erinnerten Obama dabei u.a. an sein Wahlkampfversprechen "Change" und seinen Friedensnobelpreis.

Die Gala am Donnerstag fand eigentlich unter Ausschluss von Kameras statt. Die Gruppe der Manning-Sympathisanten filmte ihren Auftritt jedoch mit und stellte ihn auf YouTube. Das Video zeigt, wie die "Fresh Juice Party" den Präsidenten mit ihrem Song mitten in seiner Rede störten. "Mister President, wir wollen Ihnen ein Lied vorsingen", ruft die Anführerin der Truppe. Obama will weitersprechen, doch die Gruppe beginnt unbeirrt zu singen.

"We paid our dues, where's our change?"
"Wir werden Sie 2012 wählen, klar. Sehen Sie sich die Republikaner an - was sollen wir da sonst tun? Aber wir haben hier bezahlt, also wo ist unsere Veränderung?", heißt es am Beginn des Liedes. Es folgt ein Vergleich des Anti-Islam-Pastors Terry Jones, der am 9/11-Jahrestag 2010 eine von der Verfassung gedeckte Koranverbrennung abhalten wollte, mit Bradley Manning, der seit Juli 2010 ohne Prozess in Einzelhaft sitzt. "In diesem Land sitzt Bradley 23 Stunden am Tag ganz allein in einer zwei mal drei Meter großen Zelle", singen sie und ergänzen, dass diese Art der Haft gegen die Verfassung verstoße.

Obama hört geduldig zu und bedankt sich am Ende sichtlich irritiert für das "schöne Lied". Die Anführerin der Gruppe wurde nach der Darbietung dennoch von Ordnern des Saales verwiesen.

Aktivisten zahlen fürs Nachsingen
Auf ihrer Website hat die "Fresh Juice Party" am Donnerstag einen Video-Wettbewerb ausgerufen. Die offenbar aus reichem Hause kommenden Aktivisten versprechen bares Geld für die ersten 200 mitgefilmten öffentlichen Darbietungen ihres Songs, die auf dem Videoportal YouTube gepostet bzw. eingesandt werden.

50 Dollar bekommt, wer das Lied vor mindestens 20 Zuhörern in der Öffentlichkeit vorträgt. 75 Dollar gibt es, wenn sich die Sänger dabei verkleiden. 100 Dollar bekommt, wer den Song mit einer Bradley-Manning-Maske vorträgt. Ebenfalls 100 Dollar bezahlt die "Fresh Juice Party", wenn man es auf den Stufen des Capitols oder des Weißen Hauses singt und mitfilmt. Unter den 200 Einsendungen wird das beste Video gekürt, für das es dann 1.000 Dollar gibt.

Von Quantico nach Fort Leavenworth verlegt
Bradley Manning war erst am Mittwoch nach heftiger Kritik an seinen Haftbedingungen von der Armeebasis Quantico in Virgina in ein Militärgefängnis auf dem Stützpunkt Fort Leavenworth in Kansas verlegt worden. Menschenrechtler hatten die Einzelhaftbedingungen des 23-jährigen Gefreiten in Quantico scharf kritisiert. Seine Zelle durfte Manning nur eine Stunde am Tag verlassen, abgeschirmt von den anderen Gefangenen. Außerdem musste er nackt schlafen.

In Fort Leavenworth werde Manning nun Besucher empfangen dürfen und Kontakt zu anderen Häftlingen haben, erklärte das Pentagon. Zugleich betonte das US-Verteidigungsministerium, dass mit den Haftumständen in Quantico "keine rechtlichen Standards" verletzt worden seien. Die neue Haftanstalt sei aber "angemessener" für längere Gefängnisaufenthalte. Manning-Unterstützer zeigten sich dennoch unzufrieden mit der Lösung und warnten vor einer weiteren Isolierung des Soldaten. Die Verlegung schränke die Besuchsmöglichkeiten seiner an der Ostküste lebenden Familie sowie den Kontakt zu seinem Anwalt ein.

Manning droht formal sogar die Todesstrafe
Die US-Armee verdächtigt den Armee-Informatiker Manning, der früher im Irak stationiert war, Tausende geheime Dokumente unter anderem über die Kriege im Irak und in Afghanistan an WikiLeaks weitergegeben zu haben. Anfang März erweiterte das US-Militär die Anklageschrift gegen Manning. Am schwersten wiegt der Vorwurf der "Unterstützung des Feindes", auf den die Todesstrafe steht. Die Militär-Staatsanwaltschaft kündigte jedoch an, dass sie lebenslange Haft für den Soldaten fordern werde.

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