Mo, 19. Februar 2018

Auf Schutzgebiet?

22.04.2011 16:08

Kraftwerks-Clinch um 190 Meter Uferstreifen am Inn

"Das Kraftwerk Telfs kann genehmigt werden", ist IKB-Vorstand Harald Schneider überzeugt. Der Stausee entsteht nämlich keineswegs im Schutzgebiet, wie oft behauptet werde. "Betroffen vom Stau ist lediglich ein Uferstreifen in einem großteils verbauten Schutzgebiet. Die beiden anderen Teilflächen bleiben völlig unberührt." Der WWF hält die Pläne schlicht für gesetzeswidrig.

Die Geschichte der Mieminger und Rietzer Innauen, um die es in der Auseinandersetzung um das Innkaftwerk bei Telfs vorrangig geht, ist eigentlich wenig erfreulich: Denn beim Autobahnbau 1983 wurde einem der drei Schutzgebiet-Teile am Inn mehr als die Hälfte der Fläche einfach abgegraben. Und genau diese ramponierte Teilfläche 3 ist es nun, die über Sein und Nichtsein des Kraftwerks Telfs entscheiden soll.

Drei Viertel der Uferlänge in diesem Teilstück sind mit einer Steinverbauung befestigt – wohl eher untypisch für Schutzgebiete. "Lediglich auf den letzten 190 Metern ist noch ein natürlicher Ufersaum vorhanden", berichtet Harald Schneider, Chef der Innsbrucker Kommunalbetriebe, die das Projekt betreiben.
In diesem Bereich würde der Wasserspiegel rund einen Meter ansteigen. "Die beiden anderen Schutzgebiet-Teilflächen weiter flussaufwärts blieben davon völlig unberührt." Das Kraftwerk selbst steht zwei Kilometer davon entfernt.

"Schutzgebiet bleibt gewahrt"
"Das Schutzziel des Gebietes bleibt also gewahrt", fasst Schneider zusammen, es wird keine Überflutung des Auwaldes geben. Dieser liegt immer noch zwei Meter darüber. Die geschützten Grauerlen profitieren laut mehreren Gutachten sogar vom Stau." Sein Fazit: "Eine Genehmigung ist rechtlich möglich!"

Genau das Gegenteil behauptet die Naturschutzorganisation WWF. "Sonderschutzgebiete sind durch das Gesetz streng geschützt", sagt Christoph Walder. "Es dürfen dort weder Kraftwerksbauten noch Anlagenteile errichtet werden, zu denen zum Beispiel auch ein Stausee zählt."

Ausgleichsmaßnahmen geplant
Besonders im Auge hat der WWF nun auch die Schotterinseln im Inn, die von der Autobahnbrücke bei Telfs-West gut zu sehen sind. "Hier finden sich europäisch geschützte Pflanzenarten. Diese Inseln gehören geschützt, nicht überstaut", sagt Walder. Als Ersatz für diese Schotterbänke sei ein neues Projekt in Ausarbeitung, erklärte Harald Schneider.

von Philipp Neuner, Tiroler Krone

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden