Sa, 24. Februar 2018

Plan für die Unis

21.04.2011 15:09

"Trümmermann" Töchterle fordert Studiengebühren

Als Rektor der Universität Innsbruck hat sich Karlheinz Töchterle klar für Zugangsbeschränkungen zu den Unis und Studiengebühren ausgesprochen, um das "Trümmerfeld" reformieren zu können. Und auch als neuer Wissenschaftsminister hält der 61-Jährige an diesen Forderungen fest. Zumal es wenig Aussicht auf eine deutliche Budgeterhöhung für die Universitäten gibt, wie der Altphilologe am Donnerstag im Interview klarmachte.

Sie haben im Vorjahr die Universitätslandschaft als "Trümmerfeld" bezeichnet. Sind Sie nun der Trümmermann, der an den Wiederaufbau geht?
Karlheinz Töchterle: Man muss diesen Sager in seinem Kontext sehen. Das war im Zuge der "uni brennt"-Bewegung, wo mir klar geworden ist, dass einiger Diskussions- und Reformbedarf herrscht, wie Universität künftig sein soll. Das Bild war vielleicht sehr stark gewählt und ich wusste damals noch nicht, dass ich damit einmal konfrontiert würde.

Hat man Ihnen die von den Rektoren geforderten zusätzlichen 300 Millionen Euro im Jahr für die Unis versprochen, damit Sie diesen Job übernehmen und Ihre Glaubwürdigkeit bewahren können?
Töchterle: Das hat man mir nicht versprechen können, und auf den Finanzrahmen kann ich nicht mehr Einfluss nehmen. Michael Spindelegger hat mir aber zugesagt, dass ich bei den Budgetverhandlungen im Herbst meine Wünsche deponieren kann und man damit im Rahmen des Möglichen umgehen wird.

Aber Sie wissen um die dramatische Situation der Universitäten...
Töchterle: Natürlich, und ich werde mich bemühen, das Beste herauszuholen. Man wird sehen, wie viel es ist. Klar ist, dass es schwierig sein wird, auf die 300 Millionen Euro zu kommen, bei den derzeitigen beengten Mitteln.

Können Sie sich andere Möglichkeiten vorstellen, als zusätzliches Geld in das Uni-System zu pumpen? Ihre Vorgängerin hat etwa überlegt, Universitäten zuzusperren.
Töchterle: Ich bin alles andere als ein Zusperrer. Meines Erachtens wäre es die Kunst - wenn man schon vom Sparen redet -, Synergien zu suchen, wo immer es geht. Ich habe dafür mit der Einrichtung der Tiroler Hochschulkonferenz schon einen Weg gewiesen.

Sie haben sich in den vergangenen Jahren als Rektor sicher immer wieder gedacht, der Wissenschaftsminister bzw. die Ministerin müsste dies oder das machen. Was davon werden Sie nun als Erstes umsetzen, wo liegen Ihre Prioritäten?
Töchterle: Ich habe die Wissenschaftspolitik aus nächster Nähe erlebt, weiß, was am Programm steht, und werde versuchen, diese Dinge, die mir Frau Karl vererbt hat, weiterzutreiben. Das sind der Hochschulplan, also Abstimmung der Standorte, Finanzierung, Studienplatzfinanzierung, usw.

Es heißt immer, der Standort bestimmt den Standpunkt. Sie haben sich in den vergangenen Jahren für Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen ausgesprochen. Sind Sie auch als Minister dafür?
Töchterle: Mein Standpunkt bleibt bestehen. Bei der Ablehnung gibt es ein sehr wichtiges und richtiges Motiv: möglichst vielen Menschen eine möglichst gute Bildung zu geben, und die Sorge, dass man das mit Studiengebühren verhindert. Ich bin nur deshalb für Studiengebühren, weil ich diese Sorge nicht teile. Wenn man mir plausibel machen kann, dass die Sorge zu Recht besteht, verlasse ich meine Position. Ich werde aber meinerseits versuchen, meinen Gesprächspartnern diese Sorge zu nehmen, und habe dafür gute Argumente.

Mit welchen Argumenten wollen Sie hier den Koalitionspartner SPÖ überzeugen?
Töchterle: Ich habe die Hoffnung, dass es geht, und wünsche mir auch, dass das in Form eines gewissen Stilwechsels geht und man sich nicht gegenseitig blockiert. Deshalb bemühe ich mich auch, meine Position als eine offene darzustellen, als eine, die auch veränderbar ist. Das ist das Wesen eines Wissenschaftlers, dass er offen ist für Gegenargumente.

In den vergangenen Monaten wurde schon emsig an einem Modell für eine Studienplatzfinanzierung gearbeitet - ist das aus Ihrer Sicht der richtige Weg?
Töchterle: Den Weg beschreiten ja schon viele, etwa die Fachhochschulen und auch andere Länder. Die Vorarbeiten sind schon weit gediehen und sind sehr einleuchtend. Studienplatzfinanzierung bedeutet aber schon in der ersten Phase, dass wesentlich mehr Geld notwendig ist. Und irgendwann in der zweiten oder dritten Phase erreichen wir dann Schweizer Verhältnisse. Dieses Modell führt aber auch, und das wird ein Knackpunkt sein, in irgendeiner Weise zu Studienplatzbeschränkungen. Weil wenn ich Studienplätze finanziere, dann muss ich sagen, so viele kann ich finanzieren und so viele nicht.

Die Universität Innsbruck war eine der am stärksten vom Ansturm deutscher Numerus-Clausus-Flüchtlinge betroffenen Hochschulen. Wofür werden Sie sich als Minister starkmachen, um dieses Problem zu lösen?
Töchterle: Universitäten sind per se international, sie müssen, wollen und sollen offen sein. Ich bin auch ein begeisterter Europäer, Europa muss sein. Weil aber nicht überall die gleichen Bedingungen herrschen und wir keinen Numerus Clausus haben, entsteht eine schiefe Ebene zu uns her. Eine Maßnahme, die Studierendenströme so zu lenken, dass alle damit leben können, wären z.B. Studienbeiträge. Damit würden ausländische Studierende einen Beitrag zum österreichischen Universitätssystem leisten. Ich denke, das wäre ein fairer Wunsch und dem österreichischen Steuerzahler besser zuzumuten, als zu sagen, wir nehmen alle und zahlen alles.

Als Wissenschaftsminister müssen Sie sich auch mit Bildung auseinandersetzen. Ihre Vorgängerin hat das "Gymnasium für alle" gefordert - das müsste Ihnen als Philologe ja auch sympathisch sein?
Töchterle: Ich habe damals auf den Vorschlag mit den Worten repliziert, ein Gymnasium für alle ist ein Gymnasium für niemanden. Das war natürlich eine heikle Replik. Ich finde auch da das ÖVP-Bildungsprogramm sehr stimmig, das sagt, es muss Leistung, Binnendifferenzierung und Durchlässigkeit möglich sein und es darf keine Sackgassen geben. Ich finde es schon fragwürdig, wenn man die Hauptschule pauschal als Sackgasse bezeichnet, und will nicht, dass man eine Schulform schlechtredet.

Sie erwähnten schon öfter das ÖVP-Bildungsprogramm. Hat es in Ihrer politischen Einstellung einen Wandel gegeben vom Grünen Gemeinderat bzw. Kandidaten zu einem Minister auf einem ÖVP-Ticket - Sie sind ja nach wie vor parteilos?
Töchterle: Ich bin parteilos und habe vor, das zu bleiben. Ich bin ein Stück des Weges mit den Grünen gegangen, vor allem wegen des ökologischen Anliegens, aber weniger wegen anderer gesellschaftspolitischer Anliegen der Grünen. Ich bin ein Familienmensch und auch in der Bildungspolitik schon von meiner Sozialisation her eher ein konservativer Denker. Das passt mir genau, was da steht, das hätte ich selber schreiben können.

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