Di, 20. Februar 2018

Unter Kontrolle

22.04.2011 17:04

So sicher sind unsere Lebensmittel

Horrormeldungen aus Fukushima verunsichern die Bevölkerung. Ist unser Essen auch verstrahlt? Wie betrifft die Reaktorkatastrophe Österreich generell? Aufgrund der großen Entfernung von über 9.000 km kann eine direkte Auswirkung nach dem jetzigen Stand aber ausgeschlossen werden. Lebensmittel, die auf den Tellern der Österreicher landen, sind streng kontrolliert.

Seit dem Super-GAU in Tschernobyl überwacht die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) routinemäßig den Gehalt an Radioaktivität in Stichproben von Lebensmitteln:

  • Kontrolle von Wildpilzimporten aus Drittstaaten.
  • Milchsammeltouren alle zwei Monate.
  • Regelmäßige Kontrolle von Menüs (Gesamtnahrung).
  • Ständige Untersuchung von Trinkwasser.
  • Stichprobenartige Kontrolle von sonstigen Produkten (insb. Rind- und Wildfleisch).
  • Untersuchung von speziellen Lebensmitteln im Rahmen von Projekten (z.B. Wildpilze, Wild, Seefische aus Österreich und Lebensmittel aus Drittländern).

Im Video zeigt AGES-Experte Dr. Christian Katzlberger, wie Lebensmittel im Labor innerhalb von Minuten auf Strahlung getestet werden können.

Im Allgemeinen gilt aber, dass die Nahrung seit langer Zeit praktisch nicht mehr mit Cäsium aus dem Tschernobylunfall kontaminiert sind. Nur vereinzelt können mit sehr empfindlichen Messverfahren Spuren von Cäsium nachgewiesen werden. "Der Grund ist die starke Fixierung von Cäsium an den Tonmineralien der Böden und die dadurch nur geringe Aufnahmefähigkeit der Pflanzen", erklärt Manfred Ditto, Experte von der Strahlenschutzabteilung im Bundesministerium für Gesundheit in Wien.

"Anders sieht die Situation in bestimmten Waldprodukten wie Pilzen, Beeren und Wild aus. Aufgrund des wesentlich geringeren Gehaltes der Waldböden an Tonmineralien ist die Verfügbarkeit von Radiocäsium für Pilze und Pflanzen deutlich höher als in anderen Böden. Daher werden in Pilzen und Wild, das sich von Waldprodukten ernährt, noch immer vergleichsweise hohe Radioaktivitätswerte gefunden – gelegentlich auch über den Grenzwerten." Wegen des im Allgemeinen geringen Verzehrs von Waldprodukten sind dadurch, laut AGES, aber praktisch keine gesundheitlichen Auswirkungen gegeben.

Importe aus Japan werden überwacht
Die Überwachung von Lebensmittelimporten aus Japan erfolgt auf Basis der eigens dafür erlassenen EU-Verordnung (297/2011 vom 25. März 2011 zum Erlass von Sondervorschriften für die Einfuhr von Lebens- und Futtermitteln, deren Ursprung oder Herkunft Japan ist, nach dem Unfall von Fukushima). Zuvor erfolgte die Überwachung aufgrund einer entsprechenden EU-Empfehlung. "Gemäß dieser Verordnung dürfen Lebensmittel aus Japan in die EU nur mit einem Zertifikat der japanischen Behörden eingeführt werden, das die Unbedenklichkeit der Produkte hinsichtlich Radioaktivität bestätigt. Daneben müssen auch messtechnische Kontrollen der EU-Behörden durchgeführt werden, und zwar mindestens zehn bzw. 20 Prozent", betont Ditto.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat auf Basis der Japan-Verordnung in Österreich eine lückenlose Kontrolle von allen Lebensmittelimporten aus Japan veranlasst. Österreich hat zwei zugelassene Grenzeintrittstellen für Waren aus Drittstaaten (Flughafen Schwechat, Flughafen Linz).

Auf der Homepage des Gesundheitsministeriums werden alle Ergebnisse dieser Untersuchungen veröffentlicht. Die Liste wird ständig aktualisiert. Die Überprüfung der Lebensmittel aus Japan bleibt so lange wie erforderlich aufrecht. Österreich führt aus Japan nur sehr geringe Mengen an Lebensmitteln ein.

Dabei handelt es sich meist um Nahrungsergänzungsmittel, Tee oder spezielle Gewürzpasten. Produkte mit höheren Konsummengen, wie etwa Fisch, Reis oder Milch, werden aus Japan praktisch nicht importiert.

Das Bundesministerium für Inneres hat für Fragen ein Call-Center eingerichtet, das rund um die Uhr unter der  059133-9500 erreichbar ist. Unter www.ages.at erhält man ebenfalls Informationen.

von Karin Rohrer, Kronen Zeitung

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