Di, 22. Mai 2018

Aktionäre sauer

20.04.2011 21:50

AKW-Ausstieg kein Thema: Revolte bei Schüssels Atom-AG

Neuer Ärger für den deutschen AKW-Betreiber RWE, bei dem Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel noch bis mindestens 2016 im Aufsichtsrat sitzt: Bei der Hauptversammlung machten zahlreiche Aktionäre den Bossen die Hölle heiß, weil das Unternehmen weiter an der Atomkraft festhält. Schon vor Beginn der Veranstaltung hatten Umweltschützer versucht, die Teilnehmer am Zutritt zur Halle zu hindern. Während der Rede des Konzernchefs kam es dann zu tumultartigen Szenen.

25 Prozent der RWE-Aktien halten deutsche Städte und Gemeinden, ein Anteil, mit dem sich viele wichtige Entscheidungen blockieren lassen. Doch das scheint RWE-Boss Jürgen Großmann nicht weiter zu stören. Auf der Hauptversammlung des AKW-Betreibers machte er am Mittwoch erneut deutlich, dass ein freiwilliger Atomausstieg mit ihm nicht zu machen sei. Ein Alternativ-Szenario zur derzeitigen AKW-Strategie sei nicht vorgesehen. Außerdem klagt RWE als einziger Stromkonzern gegen das Atommoratorium der deutschen Bundesregierung.

Diese sture Haltung wiederum verstimmt die Vertreter jener Städte und Gemeinden, die RWE-Anteile besitzen. Sie forderten bereits am Dienstag hinter verschlossenen Türen den Ausstieg aus der Kernkraft und arbeiteten sogar Vorschläge zur Änderung der Konzernstrategie aus. RWE-Vorstandschef Großmann zeigte sich laut Medienberichten von dem Vorstoß erstaunt. Einige Aktionäre hätten sogar Großmanns Rücktritt gefordert.

Rede des Konzernchefs wie eine Ohrfeige
Wie eine Ohrfeige muss den Kommunalvertretern dann Großmanns Rede bei der Hauptversammlung am Mittwoch erschienen sein. "Die deutschen Kernkraftwerke erfüllen geltende Sicherheitsanforderungen. In jedem anderen Fall hätten sie bereits zuvor abgeschaltet werden müssen. Daran ändern die Ereignisse in Japan nichts", sagte der Konzernchef.

Immer wieder wurde seine Rede von Umweltschützern unterbrochen, die sich Zugang zum Versammlungsort verschafft hatten. Mit lautstarken Zwischenrufen, Sprechchören und Transparenten störten sie den Vortrag. Immer wieder mussten Sicherheitsleute eingreifen, es kam zu tumultartigen Szenen.

Den Protest gegen den Atomkurs des Konzerns hatten die RWE-Aktionäre bereits im Vorfeld der Hauptversammlung zu spüren bekommen: Demonstranten hatten versucht, die rund 5.000 Teilnehmer mit Sitzblockaden und gespannten Wollfäden am Betreten der Versammlungshalle zu hindern.

Schüssels 100.000-Euro-Mandat verlängert
Bei der Hauptversammlung wurde auch das umstrittene Aufsichtsratsmandat des ÖVP-Abgeordneten Schüssel bestätigt. Er wird für weitere fünf Jahre im Amt bleiben. Der frühere Bundeskanzler hatte im Vorjahr für seine zehnmonatige Kontrolltätigkeit bei RWE 98.000 Euro kassiert.

Damit verdient er mittlerweile fast mehr als zu Kanzlerzeiten. Der Ex-Kanzler ist zwar normaler Abgeordneter, bekommt aber nicht die übliche Monatsgage von etwas mehr als 8.000 Euro brutto. Schüssel wird kein Gehalt ausbezahlt, weil er 2008 die Kanzlerpension beantragte. Inklusive der von ihm eingeführten Abschläge kommt er dadurch auf 14-mal jährlich rund 11.000 Euro brutto.

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