Mo, 28. Mai 2018

Frauenpower in Graz

21.04.2011 10:06

Christa Neuper wird erste Rektorin der Karl-Franzens-Uni

Die Gehirnforscherin und Leiterin des Instituts für Psychologie an der Universität Graz, Christa Neuper (im Bild), ist neue Rektorin der Grazer Uni. Der Universitätsrat hatte die Wahl aus einem Dreiervorschlag aus Neuper, Vizerektor Martin Polaschek und dem Montanisten und Werkstoffwissenschaftler Ewald Werner getroffen. Neuper ist die erste weibliche Universitäts-Rektorin in der über 400-jährigen Geschichte der Karl-Franzens-Universität und die erste steirische Universitätschefin überhaupt.

Der Universitätsrat der Grazer Karl-Franzens Uni begründete die Wahl von Univ.-Prof. Christa Neuper zur künftigen Rektorin u.a. mit ihrem "kooperativen Arbeitsstil". Neuper selbst erklärte, sie wolle "vor allem im Bereich der Forschung kräftige Impulse setzen".

Eine erste Reaktion bzw. Gratulation kam von der Grünen Frauensprecherin im Parlament, der steirischen Abgeordneten Judith Schwentner: "Schön, dass nach über 400 Jahren auch die Uni Graz unter weiblicher Führung steht." Neuper wird den bisherigen Rektor Alfred Gutschelhofer ablösen, der seit 2003 der 1585 gegründeten Uni Graz vorgestanden war.

ÖH und FLUG gratulierten
Nahezu uneingeschränktes Lob kam von der Hochschülerschaft: "Die ÖH Uni Graz gratuliert Christa Neuper, endlich eine Frau an der Spitze der Universität Graz." Sie werde als neue Rektorin mit vielen Herausforderungen konfrontiert sein, besonders angesichts der budgetären Situation der Universitäten in Österreich, so ÖH-Vorsitzender Cengiz Kulac. "Wir trauen ihr zu, angesichts dieser Lage diese Aufgaben so zu meistern, dass dies nicht zum Nachteil der Studierenden geschieht". Die Unabhängigen Fachschaftslisten Uni Graz (FLUG) gratulierten ebenfalls: "Mit ihrer Wahl ist zu erwarten, dass die konstruktive Zusammenarbeit, wie sie derzeit am Institut für Psychologie gegeben ist, in Zukunft auch auf Rektoratsebene weitergeführt werden kann", so Stefan Thum, Senatsmitglied und Spitzenkandidat der FLUG für die kommenden ÖH-Wahlen.

Neuper wurde 1958 in Graz geboren und absolvierte das Studium der Psychologie an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz, welches sie 1984 mit der Promotion abschloss. Während einer anschließenden Familienpause war sie als Universitätslektorin an der KFU tätig. Sie ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder.

Pendlerin zwischen Unis und Gehirnforschung
Die Gehirn-Computer-Kommunikation und Neurofeedback-Anwendungen bilden seit Jahren einen Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit von Neuper. 1990 begann sie ihre Forschungs- und Lehrtätigkeit an der TU Graz am Institut für Elektro- und Biomedizinische Technik und später am angeschlossenen Ludwig Boltzmann-Institut (LBI) für Medizinische Informatik und Neuroinformatik.

Zusätzlich blieb sie während dieser Zeit Lehrbeauftragte am Institut für Psychologie der Uni Graz. Im Jahr 2002 habilitierte sie sich dort für Psychologie und wurde 2005 Professorin für "Angewandte Neuropsychologie: Mensch-Computer Schnittstelle" an der Uni Graz. Zudem leitete sie seit 2006 das Institut für Semantische Datenanalyse an der Fakultät für Informatik der TU Graz. Im August 2007 wurde sie stellvertretende Leiterin des Instituts für Psychologie, dem sie seit 2009 vorsteht.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit an der TU war Neuper an der Entwicklung eines EEG-basierten Brain-Computer-Interface (BCI) beteiligt, das die unmittelbare Detektion unterschiedlicher kognitiver Prozesse ermöglicht. Damit wurde es möglich, direkt über Gedanken bzw. die Beeinflussung der oszillatorischen Hirnaktivität spezielle Computerfunktionen und damit Rollstühle, Prothesen oder Roboter zu steuern.

Ursprünglich sechs Bewerber
Um die Leitung der größten steirischen Universität hatten sich ursprünglich fünf Männer und eine Frau beworben. Die Wahl war bereits einmal verschoben worden, weil sich einer der Bewerber, der Grazer Verfassungsjurist Joseph Marko, diskriminiert gefühlt und die universitätsinterne Schiedskommission angerufen hatte. Der Verdacht auf Diskriminierung im Rahmen des Rektorwahlverfahrens hatte sich dann nicht bestätigt, die Schiedskommission hat keinen Handlungsbedarf erkannt.

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