Mi, 21. Februar 2018

Tepco-Eingeständnis

18.04.2011 22:01

"Wir haben das AKW-Unglück selbst verursacht"

Der Chef der Betreiberfirma des schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima hat sich am Montag im Parlament der Kritik der Abgeordneten gestellt. Masataka Shimizu sagte vor der Haushaltskommission, der riesige Tsunami am 11. März sei "jenseits unserer Erwartungen" gewesen. Auf die Frage eines Abgeordneten zur mangelnden Vorbereitung des Konzerns gab er jedoch zu, dass Tepco das Unglück in diesem Ausmaß letztlich selbst verursacht habe.

Das Eingeständnis bezieht sich vor allem darauf, dass die Folgen des Tsunamis bei besserer Vorbereitung auf ein solches Unglück und besserer Wartung der Notsysteme nur minimal gewesen wären.

Im Laufe der Befragung hielt ihm der Abgeordnete Shuichi Kato der oppositionellen Neuen Komeito Partei dann noch ein Exemplar der Tepco-Sicherheitsregeln entgegen: "Dies sagt aus, dass der Präsident die nukleare Sicherheit als seine oberste Priorität ansieht. Mit dieser Aussage im Kopf, lassen Sie mich fragen, wie Sie sich fühlen." Shimizu sagte: "Als die Person, die die endgültige Verantwortung für die Sicherheitsstrategie für das Atomkraftwerk trägt", könne er "nicht genug Worte finden", sein Bedauern auszudrücken.

Der 66-Jährige hatte sich am 13. März für das Unglück entschuldigt, war dann jedoch krank geworden. Erst am 11. April trat er wieder an die Öffentlichkeit. Tepco steht ebenso wie die Regierung seit Wochen wegen seiner als zögerlich und unzureichend empfundenen Kommunikation in der Kritik.

Japaner stellen Kan miserables Zeugnis aus
Am Montag musste sich auch Ministerpräsident Naoto Kan der Befragung durch das Parlament stellen. Die Umfragewerte des ohnehin angeschlagenen Regierungschefs stiegen jüngst wieder. 67 Prozent der Befragten sind jedoch weiter unzufrieden mit seiner Arbeit und stellen Kan ein miserables Zeugnis für seinen Umgang mit der Atomkatastrophe aus. Nach der Umfrage der Tageszeitung "Nikkei" sprachen sich die Mehrheit der Befragten für einen Wechsel an der Spitze der Regierung aus.

Greenpeace kritisiert Schutz der Bevölkerung vor Strahlung
Kritik gab es Montag auch einmal mehr von Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation hat der japanischen Regierung vorgeworfen, die Bevölkerung nicht ausreichend vor der Radioaktivität aus den zerstörten Reaktoren von Fukushima zu schützen. Die Informationspolitik der Behörden sei "katastrophal" und setze die Menschen einem "hohen Risiko" aus, sagte Thomas Breuer, Leiter des Atom- und Energiebereichs bei Greenpeace Deutschland, am Montag in Hamburg nach seiner Rückkehr aus dem betroffenen Gebiet. Greenpeace-Teams messen dort die Strahlung.

Japans Regierung erwägt, die Evakuierungszone über 20 Kilometer hinaus partiell auszuweiten. In einer Zone zwischen 20 und 30 Kilometern um das Werk sind Bewohner aufgerufen, sich freiwillig in Sicherheit zu bringen. In den von radioaktivem Fallout betroffenen Regionen, die außerhalb des offiziellen Evakuierungsradius von derzeit 20 Kilometern rund um das zerstörte Kraftwerk lägen, seien nicht einmal einfachste Schutzmaßnahmen wie die Sperrung von Kinderspielplätzen oder Parks getroffen worden, kritisierte Breuer. Die Strahlenbelastung sei aber auch weit außerhalb dieser Zone teils bedenklich. Zumindest die am stärksten verseuchten Orte müssten evakuiert werden, andere so gut wie möglich dekontaminiert und gereinigt.

In dem Atomkraftwerk Fukushima 1 waren nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe am 11. März mehrere Atomreaktoren außer Kontrolle geraten. Es kam zu Explosionen und Bränden, es trat massiv Radioaktivität aus. Inzwischen stufen die Behörden das Atomunglück auf der höchsten Stufe der internationalen INES-Störfallskala ein. Es liegt damit gleichauf mit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986.

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