Mi, 22. November 2017

80 Mio. Euro wert

18.04.2011 16:16

105 Kilo Kokain in Koffern - Polizei fängt Transport ab

Einen Riesen-Erfolg können die Salzburger Drogenfahnder verbuchen: In einer Geheimaktion des Bundeskriminalamtes fingen unsere Ermittler in Kärnten einen Großtransport von Deutschland über Salzburg mit Ziel Slowenien und Italien ab. Im Wagen fanden die Fahnder 105 Kilogramm Kokain im Straßenverkaufswert von rund 80 Millionen Euro – unauffällig verpackt in drei Reisekoffern. Die zwei mutmaßlichen Schmuggler, ein Mann und eine Frau, sitzen jetzt in Haft.

"Der größte Fang, den wir je hatten", freuen sich die Drogenfahnder um Christian Voggenberger und Albert Struber vom Landeskriminalamt sowie Gerhard Stadler vom Bundeskriminalamt (im Bild von links nach rechts). Die kroatische Polizei war seit Längerem einer Bande auf der Spur, die große Mengen Kokain in Learjets von der Karibik nach Europa transportierte. Die Mozartstadt kam dabei erstmals ins Spiel, als vor rund einem Monat vier Kroaten einen Mitarbeiter am Salzburger Flughafen aufsuchten, wo sie sich erkundigten, wie man möglichst unkontrolliert einreisen könne.

Erster Landeversuch in Salzburg abgesagt
Als dann für den vergangenen Dienstag ein Flug von den Bahamas über Nizza am Salzburger Airport angemeldet wurde, teilte der Flughafenmitarbeiter – er ist im Sicherheitsbereich beschäftigt – seinem früheren Besuch aus Kroatien mit, dass sich die Polizei damals über die Gäste erkundigt habe und er deshalb von einer Landung in Salzburg abrate. Kurzfristig wurde der Jet daher nach Stuttgart umdirigiert. Dort entstiegen am Vormittag fünf Personen unkontrolliert der Maschine und fuhren in zwei Limousinen in ein Hotel. Wenig später machten sie sich in zwei anderen Autos auf den Weg nach Salzburg, wurden zu diesem Zeitpunkt aber bereits von der Polizei observiert.

Polizei schlägt in Kärnten zu
Am Walserberg übernahm die heimische Polizei die Überwachung und Verfolgung. Wider Erwarten hielten die beiden Fahrzeuge aber nicht in Salzburg an. Kurz vor Slowenien wurden die österreichischen Behörden schließlich von ihren kroatischen Kollegen ersucht, noch vor der Grenze einzugreifen. Als das sogenannte Aviso-Auto, das rund zehn Kilometer vor dem anderen fuhr und in dem sich keine Drogen befanden, wegen einer Polizei-Streife Alarm schlug, fuhr der hintere Wagen bei St. Niklas an der Drau (Bezirk Villach-Land) von der Autobahn ab. Hier schlugen die Fahnder zu und stoppten das Fahrzeug.

Im Kofferraum hatten der Fahrer, ein 35-jähriger Mann, und seine um ein Jahr jüngere Frau vier Reisekoffer. Den ersten, in dem nur Kleidung war, machte der Lenker noch freiwillig auf. "Die anderen gehören nicht mir", sagte er. Als die Ermittler das Gepäck öffneten, wussten sie auch, warum: Darin waren nämlich nicht weniger als 105 Kilogramm Kokain verpackt.

Kokain mit 85-prozentiger Reinheit
Das Kokain wurde laut Voggenberger noch nicht im Detail analysiert, dürfte aber eine Reinheit von 85 bis 90 Prozent haben, sodass es etwa auf das Achtfache gestreckt werden kann. Das ergäbe eine Verkaufsmenge von rund 800 Kilo, mit der man bei einem Straßenverkaufswert von etwa 100 Euro je Gramm in Summe rund 80 Millionen Euro einnehmen könnte. "Österreich hat nicht den Markt für so große Mengen, denn da braucht man schon Zwischendealer, die zwei, drei Kilo abnehmen", so der Kriminalist. Nach seinen Informationen hätte das Kokain in einem Bunker in Slowenien gelagert und später in Italien verkauft werden sollen. Für Struber, den Leiter des LKA, sei der Aufgriff ein Zeichen, dass die "Polizeieinheiten in Europa bestens vernetzt sind".

Prozesse werden in Kroatien stattfinden
Die Bestätigung dazu kam sinngemäß wenig später auch aus Kroatien. "Bekämpfung von organisierter Kriminalität auf lokaler Ebene kann nur scheitern", sagte Oliver Grbic, Chef der kroatischen Polizei. Daher sei es notwendig gewesen, nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene zusammenzuarbeiten. Das meiste Kokain von Übersee erreiche Kroatien über den Hafen von Rijeka. Mit dem Schmuggel auf dem Luftweg würden die Täter das Risiko von Kontrollen umgehen. Laut Dinko Cvitic, Direktor der kroatischen Korruptionsstaatsanwaltschaft, werden die Prozesse gegen die nun festgenommen Verdächtigen in Kroatien stattfinden.

"Es ist für uns wichtig, dass solche Aktionen stattfinden und wir solche Erfolge feiern können", sagte der Direktor des österreichischen Bundeskriminalamtes, Franz Lang, der ebenfalls in Zagreb war. Als Besonderheit der Aktion hob er hervor, dass die strategische und operative Planung sowie die Durchführung des Einsatzes mit den internationalen Kollegen "Schulter an Schulter" gelaufen sei. Die Aktion, die von Zagreb aus koordiniert wurde, habe von Minute zu Minute abgestimmt werden müssen, so Lang.

von Max Grill (Kronen Zeitung) und krone.at

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