Mo, 18. Dezember 2017

Nazitorten-Affäre

15.04.2011 08:23

Mauthausen-Vorsitzender traf sich mit Bäcker

Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich, hat vor wenigen Tagen die Affäre um jenen Zuckerbäcker aus Niederösterreich, der in seinem Musterkatalog mit Nazi-Symbolen verzierte Torten zur Schau stellte - krone.at berichtete -, losgetreten. Am Donnerstag gab es eine Nachschau und ein freundliches Treffen. "Ich denke nicht, dass wir es hier mit einem rechtsradikalen Konditor zu tun haben. Deshalb habe ich das persönliche Gespräch gesucht", so Mernyi.

"Ich habe ihn angerufen, weil ich durch die Medienberichte den Eindruck gewonnen habe, dass er zwar etwas getan hat, was falsch war, aber dass es ihm leid tut", erklärt Mernyi (re.) in einer Aussendung die Gründe für das Treffen mit Manfred Klaschka (li.) gut eine Woche, nachdem das MKÖ den niederösterreichischen Konditor landesweit in die Schlagzeilen gehievt hatte.

Frage nach Auftraggeber für Torte
"Ich habe mir nichts dabei gedacht, und es waren nicht mehr als die drei Torten. Es tut mir leid, dass es passiert ist. Es ist auch gut und richtig, dass die Erinnerung an diese Zeit wach gehalten wird", wird der Konditor in der Aussendung zitiert. Die zahlreichen Reaktionen hätten gezeigt, dass die Debatte einerseits viele Menschen sensibilisiert hat, dass sich andererseits aber etliche der Dimension der Verbrechen des NS-Regimes gar nicht bewusst sind, so das MKÖ. Dem Mauthausen Komitee gehe es daher nicht darum, Klaschka an den Pranger zu stellen, sondern darauf hinzuweisen, welche Verbrechen unter dem Symbol des Hakenkreuzes begangen wurden.

"Zudem sollte die Frage gestellt werden, wer so eine Torte in Auftrag gibt", meint Mernyi: "Da es sich in dem einen Fall ganz offensichtlich um eine Tauftorte handelt, stellt sich die Frage, in welcher Familie dieses Kind aufwächst."

Pinze mit religiösen Symbolen gebacken
Nach dem Gespräch übergab das Mauthausen Komitee dem Konditor das Standardwerk über das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen. Mernyi: "Herrn Klaschka war die Dimension seines Handelns offensichtlich nicht klar."

Der Zuckerbäcker seinerseits hatte für das Treffen eine Osterpinze mit Symbolen aus dem christlichen und jüdischen Glauben vorbereitet, so das MKÖ. (Anm. d. Red.: Dass der Davidsstern auf der die christlichen Traditionen symbolisierenden Pinze einem Gelben Stern zu ähneln scheint, ergibt sich aus der Färbung des benützten Teiges, wie Mernyi gegenüber krone.at erklärte. Die Teigreste sind im Hintergrund noch zu erkennen.) "Ich sehe ein, dass es ein Fehler war. Jeder, der mich kennt, weiß, was ich für ein Mensch bin. Ich bin kein Nazi", wird Klaschka zitiert.

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