Mi, 23. Mai 2018

Kulturaustausch

14.04.2011 18:33

Buckelwal-Männer singen Herzdamen "Saisonhits" vor

Auch Buckelwale haben laut Angaben von Biologen der Universität Queensland in Australien eine Schwäche für Ohrwürmer. Wie sie im Fachjournal "Current Biology" berichten, kopieren die Männchen in der Paarungszeit offenbar besonders eingängige Songs von ihren Nebenbuhlern, und so verbreiten sich die Hits über Tausende Kilometer im Ozean - meist von West nach Ost.

Ein "Kulturaustausch" auf so breiter Ebene sei bisher nur von Menschen bekannt, schreibt Ellen Garland von der Universität Queensland. Eine Art Justin Bieber oder überhaupt Starkult gibt es unter den Walen aber wohl nicht: die anderen lernen und kopieren den populärsten Song ganz schnell - "das ist der Konformitätsdruck", meint Garland.

Wale zeigen Gespür für neue Trends
Unklar ist bisher, warum Wale überhaupt singen - entweder, um ihre Herzdame zu umgarnen, oder um Mitbewerber abzuwehren. "Wir glauben, dass die Männchen sich mit dem neuesten Song einfach von den anderen abheben wollen und hoffen, damit bei den Weibchen zu landen", schrieb Garland.

Die Wale zeigen dabei Gespür für neue Trends. Manchmal enthalte der Gesang Elemente aus dem Nummer Eins-Hit der vorherigen Paarungszeit und werde nur mit neuen Tönen aufgepeppt. "Das ist ein bisschen, als wenn man einen alten Beatles-Song mit Material von U2 mixt", berichtete Garland. "Manchmal verschwinden die alten Songs aber völlig und die Wale singen ein ganz neues Lied."

Zehn Jahren Walgesänge ausgewertet
Mitarbeiter der Universität und des Südpazifischen Walforschungskonsortiums hatten Walgesänge von sechs Populationen im Pazifik über zehn Jahre angehört und ausgewertet. Innerhalb von zwei Jahren sangen die Wale vor Französisch-Polynesien die gleichen Hits wie ihre Artgenossen vor der Ostküste Australiens. Dazwischen liegen mehr als 6.000 Kilometer. Wahrscheinlich wechseln einige Wale immer mal wieder ins Nachbargebiet und reichen die Songs dabei weiter.

Der Unterwasser-"Musikmarkt" funktioniert fast wie jener in der Menschenwelt: aus den bevölkerungsreichen USA schwappen die meisten Hits in andere Gefilde. Die Wal-Populationen vor der australischen Küste sind auch größer als die Nachbargruppen. Sie haben entweder mehr Talente oder ignorieren die musikalischen Vorstöße der kleineren Gruppen einfach. Nur einmal kam ein Song mitten aus dem Pazifik Richtung Westen nach Australien - ein bisschen, wie wenn es "Tokio Hotel" in die Top Ten der US-Charts schafft.

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