Fr, 25. Mai 2018

Nach Handyraub

13.04.2011 15:25

Wiener Kriminalist: "Wenn Gewalt, dann exzessiver"

Zwei Unbekannte treten einen Jugendlichen in der U-Bahn nieder und flüchten mit dessen Handy sowie Armbanduhr (siehe Infobox). Laut Oberstleutnant Robert Klug vom Landeskriminalamt (LKA) Wien sind Fälle wie jener am Dienstag bekannt gewordene zum Glück nach wie vor nicht die Regel, aber wenn es zur Gewaltanwendung seitens der Täter kommt, wird es oft richtig brutal. Klug sprach am Mittwoch über Jugendkriminalität, die hohe Dunkelziffer bei Körperverletzungen und die Zusammensetzung der in Wien tätigen Gruppierungen.

"Wir beobachten dann mitunter einen exzessiven Gewaltüberschuss. Das Opfer wird schwer niedergetreten, obwohl es gar nicht mehr notwendig wäre", schilderte der Kriminalist in Zusammenhang mit Handy-Überfällen. Doch in den meisten Fällen reicht den Räubern bereits die Drohung, um zu Beute zu gelangen: "Vielfach genügt die Überzahl der Täter oder die körperliche Überlegenheit, etwa wenn ein 15-Jähriger sich einen Elfjährigen als Opfer ausgesucht hat", sagte Klug.

Jährlich um die 300 geklärte Handy-Überfälle in Wien
Der Raub von Mobiltelefonen sei ein klassisches Delikt der Jugendkriminalität. Rund zwei Drittel der in den vergangenen Jahren in Zusammenhang mit solchen Straftaten ausgeforschten Verdächtigen sind zwischen 14 und 18 Jahren alt. Zählt man jene dazu, die zehn bis 14 Jahre oder zwischen 18 und 21 Jahre alt waren, so werde kaum jeder zehnte Überfall in dieser Sparte von einem älteren Straftäter begangen. "Eine wirklich markante Steigerung bei diesen Deliktszahlen kann ich nicht erkennen", sagte Klug. Die Zahl der Handy-Überfälle mit ausgeforschten Verdächtigen bewegte sich in den Jahren 2007 bis 2010 in Wellenbewegungen immer um die 300.

Konkret gab es 334 Handyraube im Jahr 2007, die geklärt wurden. Ein Jahr später gab es einen massiven Rückgang auf 253, 2009 waren es 261 derartige Delikte. 2010 stieg die Zahl wieder massiv auf 342 geklärte Fälle an. Klug zufolge sei dies in erster Linie ein Ausweis der größeren Ressourcen, welche die Polizei in die Aufklärung in diesem Feld investiere.

Bisher keine Jugendbanden nach Übersee-Vorbild
Schwierig zu sagen sei, ob tatsächlich die Brutalität bei Delikten der Jugendkriminalität gestiegen sei. Die Dunkelziffer bei Körperverletzungen unter Jugendlichen sei hoch, bei der Exekutive gebe es keine Studien. Er habe im Vergleich der vergangenen 20 oder 30 Jahre aber schon das Gefühl: "Wenn Gewalt, dann exzessiver."

Allerdings gebe es in Wien nicht die brutalen Jugend-Straßengangs wie in Übersee. Aus dem latein-, vor allem mittelamerikanischen Raum kommende Phänomene wie die Maras (Jugendbanden), die in anderen Ländern Europas regelrechte Franchise-Unternehmen gebildet haben, sind in Wien laut Klug bisher nicht beobachtet worden.

Multikulturelle Zusammensetzung
Die Zusammensetzung der in Wien tätigen Gruppierungen ist im Übrigen sehr verschieden. So gebe es beispielsweise bei Tschetschenen, wohl auch durch die Erlebnisse von Krieg und Verfolgung in ihrer Heimat, häufig sehr starken ethnischen Zusammenhalt. Auch bei Jugendlichen mit türkischen Wurzeln sei dies oft zu beobachten. Andererseits habe die Polizei erst unlängst eine Gruppe ausgehoben, der 27 bis 29 Taten zugeordnet wurden und die ausgesprochen multikulturell zusammengesetzt war: "Serben, Türken, Filipinos, Österreicher" forschten die Ermittler Klug zufolge aus.

Mit Handy nicht mehr hantieren als notwendig
Prävention ist schwierig: Wer als Opfer auserkoren wird, hat meist keine Chance. Kinder werden zum Beispiel nach der Uhrzeit gefragt, die sie vom Handy ablesen. Wenn sie das Mobiltelefon aus der Tasche nehmen, reißen die Täter es ihnen aus der Hand.

Die Polizei empfiehlt jüngeren Personen, sich nicht allein auf abgelegenen Plätzen aufzuhalten. In Gruppen sind potenzielle Opfer sicherer. Außerdem sollte mit dem Handy in der Öffentlichkeit nicht mehr hantiert werden als unbedingt notwendig. "Sichtbare Mobiltelefone wecken Begehrlichkeiten", sagte Klug.

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