Fr, 23. Februar 2018

Raiffeisen-Wechsel?

14.04.2011 12:58

Pröll bald Manager für Mehl und Automatenkaffee?

Für jemanden, der gerade erst seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen eingereicht hat, ist es wohl noch viel zu früh für einen neuen Job - aber die Gerüchteküche um Josef Prölls zukünftige Tätigkeit hat wenige Stunden nach seinem Rückzug zu brodeln begonnen. Mit 42 Jahren ist der Neo-Politpensionär Pröll für eine echte Rente freilich viel zu jung, wegen der Nähe der Volkspartei zum Raiffeisen-Konzern konzentrierten sich die Spekulationen am Mittwoch daher auf die "Giebelkreuzler". Die Dementis von dort kommen zudem alles andere als heftig.

Die Einschätzung einiger, dass der bisherige Finanzminister und Vizekanzler bald Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad beerben könnte, ist laut den "Gerüchteköchen" derzeit zu hoch gegriffen. Konrad hat diesen Job außerdem noch bis 2014.

Allerdings soll es schon Pläne für ein fixes Engagement Prölls (im Bild mit Raiffeisen-Zentralbank-Direktor Walter Rothensteiner und einem von ihm gespendeten Segway für das Finanzministerium) bei Raiffeisen geben. Demnach soll der studierte Agrarökonom zunächst die Geschicke bei der Giebelkreuz-Tochter LLi lenken.

Pulver-Cappuccino und Finis Feinstes
Die LLi verwaltet unter anderem die Raiffeisen-Beteiligungen an der Agrana (Wiener Zucker, Bioethanol, etc.) und den Casinos Austria und ist mit den Unternehmen EuroMills und Café+Co eine große Nummer im Mühlen- und Automaten-Geschäft.

Mit rund 44.000 Automatenstandorten in zehn Ländern wurde bei Café+Co zuletzt ein Umsatz in Höhe von 123 Millionen erzielt. Die EuroMills GmbH ist in Öster­reich (u.a. mit der Marke "Finis Feinstes"), Deutschland, Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien und Bulgarien aktiv, ist zudem mit seinem Mühlen Marktführer in Europa und zählt zu den Top Fünf der Welt, heißt es auf der LLi-Website, die allerdings seit dem Jahr 2009 nicht mehr aktualisiert wurde.

Oder direkt ins Agrana-Management?
Aus anderen Ecken der Gerüchteküche ist wiederum zu hören, dass Pröll direkt ins Management der börsenotierten Agrana wechseln soll, die zum großen Raiffeisensektor gehört. Die Agrana hat sich aus der Zuckerindustrie zum weltgrößten Fruchtverarbeiter – mit Werken in Moskau, Südafrika, China, etc. – entwickelt, macht rund zwei Milliarden Euro Jahresumsatz und erzielt auch solide Gewinne. Geleitet wird der Konzern derzeit allerdings von zwei erfolgreichen Managern. Ex-Vizekanzler Pröll könnte in diesem Team aber der "Mann für die Zukunft" werden, heißt es.

Die Kennzahlen aller genannten Unternehmen sind aber freilich nicht mit Größe und dem "Umsatz" der Republik Österreich zu vergleichen. Da managte Pröll bis Mittwoch die Finanzen eines "Unternehmens" mit einem Bruttoinlandsprodukt von fast 280 Milliarden Euro.

Konrad kryptisch: "Bis dato keinerlei Vereinbarung"
Raiffeisen-Generalanwalt Konrad hat auf die Spekulationen über einen Wechsel Prölls in sein Unternehmen recht kryptisch reagiert. Wörtlich hieß es Mittwochmittag in einer Aussendung der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien: "Christian Konrad zu Rücktritt von Josef Pröll - Mit Respekt vor der Person von Josef Pröll, seiner persönlichen Entscheidung und seiner heutigen Erklärung halte ich fest: Es hat bis dato keinerlei Vereinbarung über einen Eintritt oder eine Beschäftigung von Josef Pröll bei Raiffeisen gegeben."

Das Verhältnis zwischen Konrad und Josef Pröll dürfte ein gutes sein. Dass der tiefgläubige Banker den Neffen seines Busenfreundes Erwin Pröll schon seit Jahren lieber bei sich im Raiffeisen-Imperium haben will, war ein offenes Geheimnis. In einem Interview Ende März 2007, kurz nachdem Pröll die Obmannschaft der ÖVP übernommen hatte, meinte Konrad auf die Frage, ob er nun das Vorhaben, Pröll junior als seinen Nachfolger zu Raiffeisen zu holen, weiter verfolge oder aufgegeben habe: "Ich war durchaus der Meinung, dass die jetzt getroffene Lösung der Parteigremien im jetzigen Augenblick die beste ist. Erstens war Josef Pröll für Raiffeisen ja nicht der einzige Fels, auf den ich gebaut habe. Und zweitens: Hoffen kann man immer. Aber ich gebe zu, dass es nicht leichter wird."

RZB-Chef zu Pröll: "Jedes Unternehmen würde sich freuen"
Auch RZB-Chef Walter Rothensteiner ließ sich am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz der Raiffeisen Zentralbank keine Schlagzeilen entlocken. "Man kennt einander gut, dass da Schlüsse gezogen werden, ist logisch", meinte Rothensteiner in Bezug auf Pröll. Zu Konrads kryptischem Dementi, dass es lediglich "bis dato" keinerlei Vereinbarung gebe, meinte der RZB-Chef: "Was soll er denn sagen außer bis dato? Es gibt keine Vereinbarung, dass er zu uns kommt, im Moment." Im Raiffeisenverband stehe heuer jedenfalls kein Beschluss für eine neue Spitze an, sagte Rothensteiner.

Generell deutete er aber an: "Es wird alles lösbar sein, ohne dass es Verlierer gibt." Generalanwalt, so Rothensteiner, der selbst als Kandidat für eine Konrad-Nachfolge gilt, sei man ja auch nicht hauptberuflich. Das sei alles gestaltbar. Sein eigener Vertrag in der RZB läuft bis 2015. Für Rothensteiner ist Pröll ein erfahrener Mensch, der Gott und die Welt kenne in Europa. "Jedes Unternehmen würde sich freuen, wenn es wen wie ihn akquirieren kann." Er habe Pröll als wirklich vernünftigen und sachverständigen Politiker kennengelernt. "Aber mit so einer Gesundheitsgeschichte spielt man nicht. Deshalb halte ich seine Entscheidung für grundvernünftig. Hinterfragen würde ich, ob der Stress in der Politik wirklich immer so sein muss."

Schon 2005 gab es Wechselgerüchte
Schon 2005 hatte es geheißen, Pröll könnte Konrad als Raffeisen-Generalanwalt nachfolgen. Dem damals 63-Jährigen wurden Pensionswünsche nachgesagt. Es stand da auch noch eine schwarz-grüne Koalition nach der Nationalratswahl im Raum, wobei angenommen wurde, dass Prölls Umweltagenden zu den Grünen wechseln würden und dieser dann frei wäre. Pröll ließ alles dementieren und ausrichten, sein Job mache ihm "sehr viel Freude". Konrad wurde dann 2006 als Generalanwalt wiedergewählt und trat auch im Juni 2010 erfolgreich zur Funktionsverlängerung an.

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