Sa, 26. Mai 2018

In Klinik eingeliefert

13.04.2011 07:14

Mubarak erleidet bei erstem Verhör Herzinfarkt

Der ägyptische Ex-Präsident Hosni Mubarak ist am Dienstag festgenommen worden und hat offenbar während einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft einen Herzinfarkt erlitten. Der 82-Jährige wurde umgehend ins Spital gebracht, sein Gesundheitszustand sei "mehr oder weniger" stabil, sagten die Ärzte. Am Mittwoch wurde dann die Untersuchungshaft über Mubarak sowie zwei seiner Söhne verhängt. Die Anordnung gelte zunächst für 15 Tage, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit.

Vertreter der Staatsanwaltschaft hatten Mubarak am Dienstag in der Stadt Al-Tur auf dem Sinai wegen Vorwürfen der Bestechung und des Machtmissbrauchs vernommen. Die Behörde ermittelt wegen des Verdachts auf Veruntreuung staatlicher Gelder und der Tötung von Demonstranten während der Proteste in Kairo. Mubarak soll die Schlägertrupps bezahlt haben, die während der Proteste, die im Februar zu seinem Sturz führten, protestierende Menschen getötet hatten.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, Mubarak sei in einem gepanzerten Fahrzeug von seiner Villa in dem Badeort Sharm el-Sheikh abgeholt worden. Er sollte auf dem Armeegelände so lange warten, bis das Justizgebäude, in dem die Vernehmung stattfand, abgesichert war. Der Ex-Machthaber stand in Sharm el-Sheikh, wo er sich seit 11. Februar aufhält, unter Hausarrest.

"Ungerechte Kampagne" beklagt
Der Ex-Präsident weist bisher alle Vorwürfe gegen ihn zurück. Noch am Sonntag bekräftigte er in einer vom Sender Al-Arabiya ausgestrahlten Tonbandaufzeichnung, mit der er sich erstmals seit seinem Sturz vor zwei Monaten zu Wort meldete, er habe sich nichts vorzuwerfen. Er und seine Familie seien Opfer "ungerechter Kampagnen und falscher Behauptungen, die mein Ansehen zu beschädigen und meine Integrität anzugreifen suchen", sagte Mubarak. Er habe "sehr gelitten" unter der Kampagne. Zudem versicherte er, dass weder er noch seine Frau Suzanne über Güter oder Konten im Ausland verfügten. Er forderte das Außenministerium auf, alle Staaten der Welt zu bitten, das Vermögen der Familie im Ausland offenzulegen.

Nach drei Jahrzehnten an der Macht war Mubarak am 11. Februar nach Massenprotesten zum Rücktritt gezwungen worden. Er war drei Jahrzehnte an der Macht. Seit Längerem kursierten Gerüchte, er sei sehr krank. Im März des Vorjahres wurden ihm bei einer Operation in Deutschland die Gallenblase und ein gutartiges Geschwulst im Dünndarm entfernt.

Mubaraks Söhne und Ex-Parlamentspräsident festgenommen
Auch Mubaraks Söhne Alaa und Gamal, die mit ihm in Sharm el-Skeikh unter Hausarrest standen, wurden am Dienstag festgenommen. Sie seien für 15 Tage inhaftiert worden, um im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen verhört zu werden, meldete das Fernsehen am Mittwoch. Auch ihnen wird Gewalt gegen friedliche Demonstrationen sowie Veruntreuung staatlicher Gelder vorgeworfen. Außerdem sollen sie den Einsatz von scharfer Munition während des Volksaufstands angeordnet haben. Rund 800 Menschen wurden bei den Protesten zwischen dem 25. Jänner und dem 11. Februar getötet.

Ebenfalls für zunächst 15 Tage und ebenfalls wegen des Verdachts der Korruption wird auch der frühere Präsident des Oberhauses festgehalten. Der enge Verbündete des früheren Präsidenten wurde festgenommen, erklärte die Staatsanwaltschaft in Kairo nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Mena. Ihm werde vorgeworfen, seine herausragende öffentliche Stellung dazu ausgenutzt zu haben, sich selbst und seiner Familie Vorteile zu verschaffen und große Vermögen anzuhäufen. Ein nach dem Umsturz eingerichtetes Untersuchungsgremium lud auch den einstmaligen Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Fathi Sorour, vor - ebenfalls ein enger Mubarak-Vertrauter. Gegen beide Politiker hatten Angehörige des Reformer-Lagers Ermittlungen verlangt.

Wachsende Kritik am Militär
Unterdessen wächst offenkundig die Kluft zwischen dem Militär und der Bevölkerung, seit eine Demonstration am Kairoer Tahrir-Platz, wo wochenlang für den Abtritt des nunmehrigen Ex-Präsidenten Mubarak protestiert worden war, am Wochenende gewaltsam aufgelöst worden ist. Zehntausende hatten auf der größten Kundgebung seit dem Sturz des Langzeit-Machthabers im Februar ihren Ärger und ihre Frustration über die politische Stagnation unter dem regierenden Militärrat ausgedrückt. Kritisiert wird auch der derzeitige starke Mann, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, der zwanzig Jahre eng mit Mubarak kooperiert hatte.

"Das Volk und die Armee gehen Hand in Hand", war einer der Slogans der Revolution gewesen, doch inzwischen werfen viele Ägypter dem Militär vor, es distanziere sich nicht genügend von den undemokratischen Praktiken der Mubarak-Ära. Die Ägyptische Organisation für Menschenrechte (EOHR) forderte am Dienstag in Kairo, es dürfe keine Verfahren gegen Zivilisten vor Militärgerichten mehr geben. Zuvor hatte die Organisation bereits die Anwendung von "exzessiver Gewalt" gegen Demonstranten durch die Militärpolizei verurteilt. Angeprangert wurde zudem die Verurteilung eines Bloggers zu drei Jahren Haft durch ein Militärgericht. Der 25 Jahre alte Internet-Aktivist muss wegen "Beleidigung der Streitkräfte" in Haft.

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