Mo, 28. Mai 2018

Nicht mal sauber!

12.04.2011 10:10

Dreiste Abzocke an Österreichs Tankstellenklos

Eigentlich ist das Benutzen der "Stillen Örtchen" an Österreichs Autobahnen kostenlos – tatsächlich wissen das aber die wenigsten und werden regelrecht abgezockt. Teils illegale "Klofrauen" sammeln so nach Angaben der Finanzpolizei bis zu 9.000 Euro pro Monat ein. Dabei sind die Toiletten nicht einmal durchwegs sauber, wie der ÖAMTC ermittelt hat.

Besonders die Raststätte Schönberg (West) an der Brennerautobahn verließen die Tester mit angewidertem Gesicht, die sanitären Anlagen sind veraltet und dreckig, das Personal ungepflegt. Einen "sehr guten" Eindruck hinterließ keine der sieben getesteten heimischen Anlagen. Drei waren "gut" (z.B. Ansfelden Süd auf der A1), drei "ausreichend", Schönberg war "mangelhaft". Und auch der ÖAMTC kritisierte durchwegs das Verlangen von Gebühren für die Toiletten.

So funktioniert die Abzocke
Die Finanzpolizei ist der Gebührenkassiererei in 107 WC-Anlagen auf den Grund gegangen. Dabei kamen drei Betrugsmodelle ans Licht:

  • Der Pächter bezahlt eine Reinigungsfirma, die zusätzlich versucht, durch freie Spenden Gewinne zu machen.
  • Der Tankstellenbetreiber lagert die WC-Anlagen komplett an eine Firma aus, die für die Benützung Geld verlangt.
  • Die Putzfirma liefert einen Teil ihrer Einnahmen an die Tankstelle ab.

Beim dritten Modell deckten die Betrugsbekämpfer einen Fall auf, in dem die Reinigungsfirma dem Tankstellenpächter 3.500 Euro monatlich bezahlte. An gut frequentierten "Örtchen" verdienen Putzfirmen 300 Euro am Tag, was hochgerechnet auf den Monat 9.000 Euro an Einnahmen bringt.

Illegale "Klofrauen" aus dem Osten
Die meisten dieser Firmen stammen aus osteuropäischen Ländern und sind in Österreich offiziell unbekannt - die Arbeitnehmer nicht angemeldet und illegal im Land, entrichten also auch keine Abgaben. Das Finanzministerium hält sich dazu bedeckt. "Wir sind an die abgabenrechtliche Geheimhaltungspflicht gebunden", sagte Sprecher Harald Waiglein. Die Aufarbeitung der von der Finanzpolizei gemeinsam mit der Steuerfahndung und zum Teil mit Polizei und Staatsanwaltschaft geprüften Fälle ist noch immer im Gang. Weitere Betriebsprüfungen stehen - wenn notwendig - an, hieß es.

Offizieller "Klo-Maut"-Versuch gescheitert
Der Asfinag als Autobahnbetreiber sind die Geschäfte mancher ihrer Tankstellenpächter ein Dorn im Auge. Um dem Betrug Einhalt zu gebieten, hat man im Sommer vergangenen Jahres auf der Shell-Tankstelle auf der Südautobahn (A2) bei Zöbern ein Pilotprojekt gestartet. Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern wollte man dort Schrankensysteme für moderne WC-Anlagen einführen, für die 50 Cent zu bezahlen sind, die in Form von Konsumationsgutscheinen rückerstattet werden können. Damals ist das Projekt an der heftigen Kritik der Autofahrer-Interessenvertreter gescheitert. Die Preise auf Raststätten und in den Tankstellenshops seien ohnehin überteuert, von einer "Klo-Maut" war die Rede.

Fakt ist: In Österreich ist das "Austreten" an der Autobahn kein Luxus, sondern generell kostenlos – auch wenn es vor Ort oft nicht so aussieht und Klofrauen und –männer Geld fordern.

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