Mo, 21. Mai 2018

Bürgerkrieg beendet?

11.04.2011 18:41

Elfenbeinküste: Ex-Präsident Gbagbo in Residenz verhaftet

Nach einem mehr als viermonatigen blutigen Machtkampf in Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) ist der langjährige Staatschef Laurent Gbagbo in seiner Residenz in Abidjan festgenommen worden. Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara hätten Gbagbo und seine Frau am Montag gefasst und in Ouattaras Hauptquartier gebracht, sagten Ouattaras Sprecherin Anna Ouloto sowie der französische Botschafter Jean-Marc Simon.

"Er ist am Leben und es geht ihm gut", erklärte der UN-Gesandte Youssoufou Bamba zu Gbagbos Zustand. Er solle nun der Justiz übergeben werden. "Er wird sich wegen der Verbrechen, die er begangen hat, vor Gericht verantworten müssen." Die Festnahme, an der nur Ouattaras Truppen beteiligt gewesen seien, sei "rasch und professionell" erfolgt.

"Der Albtraum ist vorbei", sagte Guillaume Soro, Ministerpräsident in Ouattaras Regierung, im Fernsehen. Gbagbo, der sich seit den Wahlen vom November weigerte, die Macht abzugeben, wurde den Angaben zufolge um 13 Uhr Ortszeit festgenommen und kurz darauf in das Golf-Hotel gebracht, Ouattaras Hauptquartier. "Er ist hier mit seiner Frau und seinem Sohn Michel", sagte Ouloto AFP am Telefon. In der von UN-Truppen bewachten Anlage hatte sich Ouattara die meiste Zeit wegen der blutigen Kämpfe verschanzt.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy telefonierte nach der Festnahme mit Ouattara, Details wurden nicht bekannt. Das Ouattara nahestehende ivorische Fernsehen zeigte Bilder des sichtbar erschöpften Gbagbo und seiner Frau nach der Festnahme.

Gbagbo verschanzte sich in Bunker seiner Residenz
Gbagbo hatte sich seit Tagen in einem Bunker in seiner Residenz in Abidjan versteckt gehalten. Französische und UN-Kampfhubschrauber hatten noch am Sonntag und in der Nacht zu Montag den Präsidentenpalast sowie die Residenz und mehrere Militärlager angegriffen.

Am Montagmittag schließlich stürmten Anhänger Ouattaras die Residenz und nahmen Gbagbo fest. Ein Regierungsvertreter in Paris widersprach Gerüchten, wonach französische Spezialkräfte auf das Gelände von Gbagbos Residenz vorgedrungen seien. Aus dem französischen Oberkommando hieß es, "zu keinem Zeitpunkt" seien französische Soldaten auf dem Gelände von Gbagbos Komplex gewesen.

UN-Truppen unterstützten Sturm auf Gbagbo-Versteck
Die Offensive des Ouattara-Lagers wurde indes nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums von französischen und UN-Truppen unterstützt. Zeugen zufolge drangen Ouattara-Truppen in die belagerte Residenz ein, während gepanzerte französische und UN-Fahrzeuge die Zugangsstraße dorthin sicherten.

US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, die Festnahme Gbagbos sei ein "Signal" an alle Machthaber der Welt, dass sie die Stimmen ihres Volkes nicht ignorieren könnten. Der britische Außenminister William Hague forderte, Gbagbo "mit Respekt" zu behandeln. Frankreichs Innenminister Claude Guéant gab sich zuversichtlich, dass Gbagbos Festnahme zum "Frieden im Land" beitragen werde.

Nach der Festnahme trat der UN-Sicherheitsrat am Montag zu einer sofortigen Sondersitzung zusammen. Die Botschafter der 15 Mitgliedsländer ließen sich von Untergeneralsekretär Alain Le Roy informieren. Der Franzose ist Chef aller UN-Soldaten weltweit. Die fast 10.000 UN-Soldaten in Elfenbeinküste hatten in den vergangenen Wochen eine immer aktivere Rolle übernommen. Le Roy hatte dafür Angriffe von Gbagbos Truppen verantwortlich gemacht; die UN-Truppen schössen nur zurück.

USA sichern Ouattara Unterstützung zu
Nach der Festnahme von Gbagbo haben die USA seinem Nachfolger Alassane Ouattara Unterstützung zugesichert. "Wir freuen uns darauf, mit Präsident Ouattara zu arbeiten, während er seine Pläne für Aussöhnung, wirtschaftliche Entwicklung und Erholung umsetzt", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton am Montag in Washington. Sie bezeichnete die Vorhaben des international anerkannten gewählten Präsidenten als "harte Arbeit".

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