Mo, 19. Februar 2018

Stichwahl im Juni

11.04.2011 12:29

Peru: Zwei extreme Charaktere rittern um Präsidentenamt

In Peru gehen am 5. Juni der Linksnationalist Ollanta Humala (li.) und die rechtskonservative Keiko Fujimori (re.) in die Stichwahl um die Präsidentschaft. Nach Auszählung von 71,32 Prozent der Stimmen kam Humala in der ersten Runde des Urnengangs am Sonntag auf 28,69 Prozent. Die Tochter des inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori verwies mit 22,68 Prozent den liberalen Ex-Premier Pedro Pablo Kuczynski auf Platz drei. Die Entscheidung zwischen Humala und Fujimori lässt nun den Albtraum der Ober- und Mittelschicht wahr werden.

Peru mit dem sozialdemokratischen Präsidenten Alan García wird nämlich seit zehn Jahren von Kräften der demokratischen Mitte regiert, die dem verarmten Land mit einer liberalen Wirtschaftspolitik starke Wachstumsraten von sechs bis acht Prozent pro Jahr bescherten. Nun aber wurden die Kandidaten dieser politischen Strömung von zwei doch recht extremen Politikern abgehängt.

Wahl "zwischen Aids und Krebs im Endstadium"
Wie konnte es zu diesem Duell der politischen Außenseiter kommen, das der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa schon zuvor als Wahl "zwischen Aids und Krebs im Endstadium" bezeichnete? Das bürgerliche Lager ist vor allem selber schuld. Statt sich auf einen Kandidaten zu einigen, gingen drei gleich starke Kandidaten ins Rennen: der frühere Präsident Alejandro Toledo, der ehemalige Ministerpräsident Pablo Kuczynski und der Ex-Bürgermeister der Hauptstadt Lima, Luis Castañeda. Zusammen wären sie rein rechnerisch auf etwa 45 Prozent gekommen, weit mehr als Humala und Fujimori. Einzeln aber landeten sie im Aus.

Humala und Fujimori werden im Wahlkampf vor der Stichwahl die bürgerlichen Wähler mit moderaten Tönen umgarnen müssen, wenn sie sich im Rennen um das höchste Staatsamt durchsetzen wollen. Und beide Kandidaten, die ihre Wähler bisher in den armen Bevölkerungsschichten fanden, äußerten sich denn auch schon am Wahlabend versöhnlich und kompromissbereit. Humala versprach vor jubelnden Anhängern zwar eine "Umwandlung" des Landes. Doch im Falle seiner Wahl werde er eine Regierung bilden, die dem Volk verpflichtet ist - außerdem sei er auch bereit, "viele Konzessionen zu machen". Auch die erst 35-jährige Fujimori versuchte die Bedenken der bürgerlichen Mitte gegen ihr politisches Lager zu zerstreuen. "Wir werden unseren Aufgaben mit absolutem Respekt für die Demokratie, die Pressefreiheit, die Menschenrechte und den Rechtsstaat nachgehen", sagte sie.

Ex-Militär und Rechtskonservative unter Beschuss
Politische Beobachter in Lima gingen jedoch davon aus, dass es weder Humala noch Fujimori leicht fallen werde, Wähler der politischen Mitte anzulocken. Dem Ex-Militär Humala halten seine Gegner vor, er sei ein Wolf im Schafspelz, der dem in Peru unbeliebten venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez nacheifern werde. Dass er sich im Wahlkampf relativ gemäßigt geäußert habe, sei nur Wahltaktik gewesen. Er werde die Wirtschaft mit sozialistischen Experimenten ruinieren und die Demokratie aushöhlen.

Die rechtskonservative Fujimori wiederum scheint in erster Linie von dem Ziel getrieben, ihren Vater zu rehabilitieren. Sie verspricht die nahtlose Fortsetzung seiner Politik und meint damit die Inflationsbekämpfung, die Ankurbelung der Wirtschaft und den rücksichtslosen Kampf gegen linke Rebellen in den 1990er-Jahren. Dass er Todesschwadronen gegen Widersacher einsetzte und das Land mit einem Spitzel- und Korruptionssystem überzog, ist vielen Peruanern aber noch in schmerzlicher Erinnerung. Alberto Fujimori war wegen Mordes in 25 Fällen und Korruption zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

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