Fr, 25. Mai 2018

74 Jahre nach Tod

11.04.2011 12:19

Krimi um Asche von Psychologie-Pionier Adler gelöst

Der Krimi um die verschollenen sterblichen Überreste des österreichischen Psychologie-Pioniers Alfred Adler ist gelöst. 74 Jahre nach dessen Tod hat der österreichische Honorarkonsul in Schottland, John Clifford, die Urne mit der Asche Adlers in einem Krematorium in Edinburgh ausforschen können. Ám 12. Juli soll die Beisetzung in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof in Wien stattfinden.

Alfred Adler war der "Erfinder" des Minderwertigkeitskomplexes, er entwickelte auf der Psychoanalyse Sigmund Freunds aufbauend die "Individualpsychologie". Am 28. Mai 1937 ist der Wiener Psychoanalytiker im Alter von 67 Jahren vermutlich an einer Herzattacke in Aberdeen gestorben. Massiver Stress dürfte nach Meinung seiner Familie zum Ableben Adlers beigetragen haben, sagte die in Amerika lebende Enkelin Margot Adler dem "Guardian".

Der Wissenschafter hatte damals von der Inhaftierung seiner ältesten Tochter Valentina, einer überzeugten Kommunistin, in einem sowjetischen Gulag erfahren. Das Aufkommen des Faschismus machte Adler ratlos. Am 28. Mai 1937 ist er schließlich während einer Vortragsreise durch Europa in Aberdeen zusammengebrochen und gestorben. Die Feuerbestattung sei in der Familie üblich gewesen, so Margot Adler im "Guardian". "Edinburgh war der einzige Ort, wo zu dieser Zeit der Leichnam Adlers verbrannt werden konnte", berichtet Honorarkonsul Clifford über seine Nachforschungen.

Asche wurde 74 Jahre lang in Krematorium aufgewahrt
Laut "Guardian" wurde Adlers nicht im Beisein seiner Familie eingeäschert. Die Witwe und Adlers Kinder hätten die sterblichen Überreste nie in Empfang nehmen können. Der von Adler 1912 in Wien gegründete und noch immer bestehende Verein für Individualpsychologie fragte kürzlich bei Clifford an, ob er eine Suchaktion in die Wege leiten konnte.

74 Jahre nach Alders Tod hat Clifford die Überreste nun in einem Krematorium nur einige hundert Meter vom Konsulat entfernt in Edinburgh entdeckt. Die Urne stand in einer kaum besuchten Galerie neben zahlreichen weiteren. In den nächsten Wochen soll sie nun nach Wien überstellt werden. Dazu wird eine Delegation des Österreichischen Vereins für Individualpsychologie nach Edinburgh reisen und die Urne abholen. Wie die Präsidentin des Vereins, Margot Matschiner-Zollner, sagte, wird es einen Empfang durch den Bürgermeister von Edinburgh und einen Gedankenaustausch mit schottischen Kollegen geben. Die sterblichen Überreste Adlers sollen dann am 12. Juli in einem von der Gemeinde Wien gewidmeten Ehrengrab am Zentralfriedhof beigesetzt werden. Dazu wird auch die Enkelin des Psychoanalytikers, Margot Adler, erwartet.

Vom Bewunderer Freuds zum Psychologie-Pionier
Der überzeugte Sozialdemokrat Alfred Adler wurde am 7. Februar 1870 als Sohn eines jüdischen Getreidehändlers in Wien-Rudolfsheim geboren. Als Kind litt Adler, wie er später diagnostiziert hatte, an einer "Organminderwertigkeit", einer seiner Bausteine in seinen späteren Lehren: Er hatte Rachitis und einen Stimmritzenkrampf. Er war ein "mittelmäßiger Schüler" mit Schwierigkeiten im Zeichnen und in Mathematik. Vom Lehrer als "unbegabt" beurteilt, gelang es Adler dann einmal, eine außergewöhnlich schwierige Aufgabe zu lösen, worauf er zum besten Mathematikschüler der Klasse wurde. Dieser selbst erlebte "Begabungswandel" hat Adler Zeit seines Lebens kritisch gegen den Begriff "Begabung" gemacht.

1902 begegnete Adler erstmals Sigmund Freud und nahm von da an an dessen Mittwochabend-Sitzungen teil, wo er in der Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse seine eigenen psychologischen Ansätze entwickelte. 1907 veröffentlichte er seine "Studie über die Minderwertigkeit von Organen" und zeigte so, dass er sich auf seiner eigenen Bahn weiterbewegte. 1911 kam es zum Bruch mit Freud. Adler gründete seinen eigenen Verein und begann sein eigenes System aufzubauen, die Individualpsycholgie. Diese wurde bald als Alternative zur Psychoanalyse anerkannt, ein wachsender Schülerkreis unterstützte ihn in seinen Bemühungen.

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