So, 27. Mai 2018

Chef im Interview

07.04.2011 17:48

Gibt es in Kärnten bald keine Postämter mehr?

Mehr Service trotz Schließungen. Das versprechen die Post-Chefs schon seit Jahren. Jetzt droht Kärnten überhaupt der komplette Kahlschlag – denn geplant sind 39 kombinierte Bawag-Post-Filialen, was eigene Ämter wohl überflüssig macht. Noch-Vorstand Dr. Herbert Götz – er wird mit Jahresende "eingespart" – über Personalabbau, Kundenorientierung und rote Karten für gelbe Zettel.

"Krone": Sie eröffneten eine Post-Bawag-Filiale in Klagenfurt. Ist das die Zukunft, Bank und Briefe zu verquicken?
Herbert Götz: Ja. Die Bawag ist ein sehr gesundes Unternehmen, und wir haben uns zu diesem Weg entschlossen. Wer zur Post muss, geht auch zur Bank. Und umgekehrt. In Kärnten etwa ist es das Ziel, 39 solche gemeinsame Filialen zu betreiben.

"Krone": Wie viele Postämter gibt es bei uns überhaupt noch?
Götz: Derzeit 55, dazu 113 Postpartner. Im Vergleich zu 2005 ist die Zahl damit sogar um 37 Servicestellen für unsere Kunden gestiegen.

"Krone": Damals gab es allerdings noch 121 Ämter und nur zehn Postpartner. Was ist aus dem ganzen überflüssigen Postpersonal geworden?
Götz: Dass wir abbauen müssen, ist bekannt. Aber wir arbeiten mit natürlichem Abgang, besetzen nicht nach oder lassen Verträge auslaufen. Und für die neuen Aufgaben werden unsere Mitarbeiter bestens ausgebildet.

"Krone": Etwa im berüchtigten "Karrierecenter" der Post?
Götz: Nein. Natürlich nicht. Das gibt es auch nicht mehr.

"Krone": Wenn 39 Post-Bawag-Filialen in Kärnten das Ziel sind, werden die 16 übrigen auch noch geschlossen?
Götz: Das steht noch nicht fest. Fakt ist, dass es Gemeinden gibt, wo Postämter zu wenig Geschäft abwickeln und wir Kosten reduzieren müssen. Das wirkt sich irgendwann auf die Öffnungszeiten aus. Aber wer hat etwas von einer Post, die nur noch 20 Stunden in der Woche offen hat?

"Krone": Postpartner sind aber auch nicht überall die Optimallösung: Manche Postkunden klagen über zu wenig Privatsphäre, einige Händler über zu wenig Umsatz.
Götz: Es ist aber die beste Alternative zu einer Postgeschäftsstelle. Schauen Sie, unserer Statistik nach haben wir täglich 250.000 Kundenkontakte und daher müssen wir Serviceleistungen weiter optimieren. Mit der Bawag-Post-Sache glauben wir, das erreichen zu können.

"Krone": Es soll auch bei der Zustellung Neues geben. Der gelbe Zettel etwa...
Götz: ...ist immer nur die zweitbeste Lösung und frustrierend: Für den Kunden, weil er sein Packerl irgendwo holen muss; für uns, weil es auch Kosten verursacht.

"Krone": Daher...
Götz: ...soll das System überdacht werden: etwa mit Abholpunkten oder flexibleren Zeiten, auch abends.

"Krone": Bei der Post ändert sich vieles – so schrumpft auch der Vorstand; Sie verlieren Ihren Job. Was machen Sie?
Götz: Das weiß ich noch nicht.

Interview von Kerstin Wassermann, Kärntner Krone

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