Di, 22. Mai 2018

Zehn Monate Haft

07.04.2011 16:21

Ehemann 20 cm langes Messer in die Brust gerammt

Eine 48-jährige Kindergarten-Helferin, die am 17. Juli 2010 in Wien-Simmering ihrem mittlerweile geschiedenen Ehemann ein Küchenmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge in die Brust gestochen und dabei Herzbeutel und Lunge des 50-Jährigen verletzt hatte, ist am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht zu zehn Monaten teilbedingter Haft verurteilt worden. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig.

Die Geschworenen verneinten einstimmig die auf versuchten Mord lautenden Anklage und befanden die Frau der schweren Körperverletzung für schuldig. Von den zehn Monaten wurden sieben auf Bewährung ausgesprochen, sodass die Angeklagte, die weit mehr als den unbedingten Strafteil in der U-Haft abgesessen hat, noch am Donnerstagabend auf freien Fuß gesetzt wurde.

Ehemann war wieder einmal spät nach Hause gekommen
Mildernd waren neben dem Geständnis und der bisherigen Unbescholtenheit "die psychische Ausnahmesituation" sowie "eine gewisse Provokation durch das Tatopfer", wie Richterin Susanne Lehr in der Urteilsbegründung ausführte. Dem Angriff war ein Streit vorausgegangen, weil der Ehemann wieder einmal spät am Abend nach Hause gekommen war und auf die Vorwürfe und Fragen seiner "besseren Hälfte", wo er denn gewesen sei, nicht reagiert hatte.

Sie habe ihn zunächst mit der Waffe bedrohen wollen, "damit er aufhört mit dem Streit, eine Ruhe gibt, sich hinlegt", gab die Angeklagte zu Protokoll. Doch der Mann habe sie nicht ernst genommen ihr "Stich doch zu, du traust dich eh nicht!" beschieden. Da habe sie von der Waffe Gebrauch gemacht, "weil ich so außer mir war und ich geglaubt hab', dass er mich wieder herumstößt. Ich war so unter Stress, weil er nicht nach Hause gekommen ist."

"Sie hat immer g'red't, bla bla bla"
"I hab a Freindin g'hobt und bin net immer ham kemman", gab der Mann im Anschluss unverblümt im Zeugenstand zu Protokoll. Damals sei er allerdings mit einem Arbeitskollegen nach Feierabend ein paar Bier trinken gegangen. Als der Tischler gegen 22 Uhr die Wohnungstür aufsperrte, erwartete ihn die erboste 48-Jährige bereits an der Schwelle. Seit 17 Uhr hatte sie erfolglos versucht, ihn telefonisch zu erreichen. "Sie hat mi zur Rede stell'n wollen, aber i hab ihr nimma zug'heart. Sie hat immer g'red't, bla bla bla, lauter Scheiße. Es hat mi afach net interessiert", erinnerte sich der Zeuge.

Plötzlich habe er "an Stich g'spürt". Die Klinge drang dem 50-Jährigen in die linke Brustseite. Seine Frau rief sofort die Rettung an, versorgte die Wunde mit einem Handtuch. Dank rascher ärztlicher Hilfe überlebte der Ehemann, der im Anschluss die Scheidung einreichte. "Mir geht's gut. I geh wieder arbeiten", meinte er am Ende seiner Einvernahme.

Erste Ehe war in die Brüche gegangen
Das Paar hatte einander vor 30 Jahren kennengelernt. Die erste Ehe war in die Brüche gegangen, als der Mann wegen mehrerer Raubüberfälle zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Im Oktober 2009 heirateten sie neuerlich. "Ich hab' ihn zurückgenommen", so die Diktion der Angeklagten.

Mit der Tatsache, dass er sich für sie nicht mehr interessierte und sie im Unklaren über seine Freizeitgestaltung ließ, sei seine Mandantin einfach nicht klargekommen, betonte Verteidiger Michael Polderer, der - wie sich herausstellen sollte - mit Erfolg auf Körperverletzung plädiert hatte.

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