Sa, 24. Februar 2018

Kartnig-Prozess

06.04.2011 14:32

"So einen Trottel wie mich wird es nie mehr geben!"

Wesentlich ruhiger als noch am Vortag ist es am neunten Prozesstag rund um den ehemaligen Präsidenten des Fußballklubs Sturm Graz, Hannes Kartnig, zugegangen. Am Mittwoch war der erste Zeuge - ein Ex-Vorstandsmitglied - am Wort. Und Kartnig selbst kam zur Erkenntnis: "So einen Trottel wie mich wird es nie mehr geben."

Bei der Befragung des Zeugen - er war von Ende 2005 bis 2006 im Vorstand gewesen - ging es diesmal nicht so sehr um Schwarzzahlungen, als vielmehr um seine Einschätzung der finanziellen Lage bei Sturm Graz. Er hatte sich selbst bei Gericht gemeldet, um die Angaben des Grazer Geschäftsmanns und Zeugen Klaus Leutgeb zu relativieren. Leutgeb hatte während der Hochzeitsreise Kartnigs im Jahr 2006 angeblich versucht, diesen als Präsident seines Amtes zu entheben und selbst Chef des Klubs zu werden, was allerdings misslang.

Zeuge: "Manchmal eine One-Man-Show"
Als der Zeuge Ende 2005 zu Sturm kam, war die finanzielle Lage zwar nicht rosig, aber konkursreif sei der Klub seiner Meinung nach nicht gewesen: "Man hat versucht, die wichtigsten Löcher zu stopfen", schilderte der Befragte, der selbst Präsident eines Unterliga-Mitte-Fußballklubs ist. Zur Person von Hannes Kartnig sagte er: "Es war manchmal eine One-Man-Show, manchmal so, wie es sich gehört." Das wollte der Angeklagte nicht auf sich sitzen lassen: "Ich war von Anfang an für die Presse zuständig, und durch meine medialen Auftritte habe ich viele Sponsoren lukrieren können." Er habe alles für den Klub getan: "So einen Trottel wie mich wird es nie mehr geben", polterte Kartnig.

Er hätte sogar eingewilligt, im Gegenzug für die von Schwarzl-Zampano Leutgeb angeblich versprochene Million Euro auf das Präsidentenamt zu verzichten und nur mehr als Ehrenpräsident zu fungieren: "Am Anfang war ich einverstanden, als kein Geld kam, nicht mehr."

Kartnig wird schwerer Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie das Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung vorgeworfen. Am Donnerstag steht die Befragung weiterer Zeugen auf dem Programm.

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