Do, 22. Februar 2018

Großer Unterschied

06.04.2011 09:37

Südtirol bei Pisa deutlich besser als Bundesland Tirol

Die Tiroler Schüler haben bei der Pisa-Studie deutlich schlechter abgeschnitten als ihre Kollegen im italienischen Südtirol. In Nord- und Osttirol wurden beim Pisa-Test 31 Prozent der getesteten Schüler im Lesen in die Risikokategorie eingeordnet. Unter den Schülern mit deutscher Muttersprache in Südtirol waren es 15,9 Prozent, hieß es am Dienstagabend bei einer Veranstaltung der Arbeiterkammer Tirol in Innsbruck.

Im Bereich Lesen lagen im Bundesland Tirol Schüler mit 463 Punkten unter dem OECD-Schnitt von 493. Dem Satz "Ich lese nicht zum Vergnügen" wurde im Bundesland Tirol von 64 Prozent der Buben und von 44 Prozent der Mädchen zugestimmt. Der OECD-Wert lag bei 37 Prozent. Auch im Bereich Mathematik befanden sich Nord- und Osttiroler mit 493 Punkten knapp unter dem OECD-Schnitt von 496. Im Bereich Naturwissenschaften waren die Ergebnisse ebenfalls wenig erfreulich (T: 492 Punkte, OECD: 501).

Die Südtiroler Schüler mit deutscher Muttersprache schnitten im Lesen überdurchschnittlich ab. Insgesamt lagen die Südtiroler beim Textverständnis leicht unter dem OECD-Schnitt. In Mathematik und Naturwissenschaften waren die Ergebnisse der Südtiroler insgesamt deutlich besser als in den meisten OECD-Ländern.

Gemeinsamer Unterricht bis zu achter Schulstufe
Für das bessere Abschneiden der Südtiroler gegenüber den Nord- und Osttirolern könnten verschiedenen Faktoren verantwortlich sein, erläuterte Rudolf Meraner vom Pädagogischen Institut Bozen. In Südtirol würden die Kinder von der ersten bis zur achten Schulstufe in einer gemeinsamen Schule unterrichtet. Zudem gebe es nur inklusive Schulen (alle Kinder werden in den Regelschulen unterrichtet, es gibt keine Sonderschulen). "Die Lehrer werden von Anfang an mit einer heterogenen Gruppe von Schülern konfrontiert", erklärte Meraner.

Es sei kaum möglich, Schüler abzuschieben. Die Lehrer müssten mit allen Kindern arbeiten. Dies sei ein entscheidender Punkt, da die Lehrer herausfinden müssten, welche Lern-Settings sie anwenden, um weder zu über- noch zu unterfordern. Zudem gebe es ein Unterstützungssystem für Lehrer mit 40 Beratungsstellen. "Ich bin überzeugt, dass die Stärke der Lehrerfortbildung einen großen Unterschied zwischen den deutschen und italienischsprachigen Schulen in der Autonomen Provinz Bozen ausmacht", erklärte Meraner mögliche Ursachen für das bessere Abschneiden der deutschsprachigen Schüler.

"Wenn man bedenkt, dass jenes Drittel, das heute nicht sinnerfassend lesen kann, in einigen Jahren wieder kein Vorbild für die eigenen Kinder sein kann, dann ist das doch ein Argument für die Ganztagsschule", meinte Günter Haider, Direktor des Bifie in Salzburg (Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens).

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden