Sa, 18. November 2017

„Krone“-Reportage

05.04.2011 17:34

Mordopfer ging sieben Jahre durch die Hölle

Vor 30 Jahren wanderte ein rumänisches Paar ein. Familie, Arbeit, schmuckes Haus – das große Lebensglück. Dann die Wende: Ehestreit, die Freundin des Mannes geht im Haus ein und aus – sieben Jahre Hölle, die mit Mord endeten.

"Sie war die gute Seele unserer Filiale: Freundlich, verlässlich, beliebt bei Kunden und Kollegen. Trotz ihres harten Privatlebens hat es Ibolya in 20 Jahren von der Putzfrau zur Feinkostverkäuferin geschafft", so Karin Schrögendorfer, Chefin des Spar-Marktes in Baden. "Als 'Ibi' nun ohne jede Erklärung nicht mehr zum Dienst erschienen ist, war uns allen klar, dass etwas Schlimmes passiert sein muss", sagt die Filialleiterin mit tränenerstickter Stimme. Sie kann kaum weitersprechen, da sie "Ibis" grauenhaftes Ende kennt: Brutal ermordet, in einem Erdloch verscharrt.

Blaue Flecken vom brutalen Prügeln
"Dabei hätte sie nur noch fünf Jahre bis zu ihrer Pension gehabt. Sie träumte davon, zumindest ihren Lebensabend in ihrer rumänischen Heimat verbringen zu können – friedvoll". Denn der Traum vom großen Familienglück, der sie vor 30 Jahren nach Österreich geführt hatte, endete im Unfrieden. Wo doch alles so schön begonnen hatte: Heirat, trautes Heim, drei gesunde Kinder und ein fixer Job.

Die Arbeit war das Einzige, was der mittlerweile stolzen Österreicherin in den letzten sieben Jahren noch geblieben war. Die Beziehung zwischen dem Auswandererpaar war zerbrochen. Zu Hause gab es ständig Streit und Zank. "Ihr Mann ging so gut wie gar nicht arbeiten", so Nachbarn über "den verschlagenen Haustyrannen, der einem nicht einmal die Augen schauen konnte."

"Ibolya wurde immer wieder verprügelt. Mir hat sie die blauen Flecken gezeigt und geweint. Sie war froh, überhaupt mit jemandem sprechen zu können", erinnert sich eine Bekannte an das Martyrium. Tatsächlich gab es Anzeigen, allerdings keine Verurteilungen.

Mittlerweile lebte die geknechtete Hausfrau völlig isoliert im eigenen Haus: Abgeschoben in ein Zimmer im Erdgeschoß. Den Haushalt durfte sie führen, putzen, waschen und stets für die Familie da sein.

Hass und Brutalität statt Lob oder Dank
Doch dafür gab es kein nettes Wort, kein Lob, kein Danke. Selbst der Kontakt zu den drei mittlerweile erwachsenen Töchtern wurde immer kälter. Im einst trauten Familienheim in der Eschengasse regierten nun Betrug und Brutalität. "Vor fünf Jahren ist dann sogar eine Freundin des Mannes quasi mit Sack und Pack eingezogen", so eine entrüstete Anrainerin. Vergangenen Sommer ertrug die mit den Nerven völlig fertige Ibolya diesen Albtraum nicht mehr: Sie reichte die Scheidung ein.

Beweise sollten in Schrottpresse landen
Doch da dämmerte es offenbar dem Ehemann, dass ihm mit der Trennung auch ein finanzieller Absturz drohte. Denn: Er hätte für das Haus eine hohe Ablöse zahlen müssen. So wehrte er sich mit allen Mitteln gegen die Scheidung – und dürfte einen teuflischen Plan ausgeheckt haben.

Auch wenn er bisher dazu eisern schweigt und sarkastisch sagt: "Ich habe die Tote zu Hause gefunden und wollte sie nur in ihre Heimat bringen." Das Polizeiprotokoll liest sich hingegen wie das Drehbuch eines eiskalten Mordes. "Doch dann wurde der geheime Leichentransport in einen Unfall verwickelt. Der Verdächtige wollte den Anhänger, mit dem er das Opfer 1.000 Kilometer nach Rumänien gekarrt hatte, daraufhin verschrotten lassen", so Mordermittler Leopold Etz. Somit hätte Antal S. alle Spuren, die auf ihn gedeutet hätten, für immer und ewig verschwinden lassen…

von Christoph Matzl, Kronen Zeitung

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