So, 27. Mai 2018

Vertrauensverlust

04.04.2011 08:56

Steirische Landeschefs beim Volk "unten durch"

Also die steirischen Menschen sind, wenn man es vernünftig vermittelt, durchaus bereit, die paktierten Grauslichkeiten mitzutragen. Die Frage nach der Notwendigkeit des Sparpaketes beantworten - so das Ergebnis einer "Steirerkrone"-Umfrage - immerhin 55 Prozent mit "Ja". Sogar 58 Prozent glauben, dass sie persönlich betroffen sein werden. Nicht gut weg kommen dagegen die Landesspitzen, die diese Maßnahmen tragen müssen, in Sachen Glaubwürdigkeit. "Massiver Vertrauensverlust für das Duo Voves/Schützenhöfer", konstatieren die Demoskopen des renommierten Linzer Meinungsforschers IMAS.

Um es in Volkes Sprache zu formulieren: Die Leut' sind ang'fressen, die Luft über dem Stammtisch flirrt: "Allesamt Lügner, die vor der Wahl alles versprechen, nix halten und uns jetzt ein Packerl auf den Tisch knallen, an dem wir alle lang zum Kiefeln haben..."

Katastrophen-Ergebnis für Voves/Schützenhöfer
IMAS hat die Politiker in den Glaubwürdigkeitstest geschickt. Und der hat ein verheerendes Resultat gebracht. Den stärksten Prestigeverlust erlitten die Chefs von SPÖ und ÖVP: 47 Prozent der Befragten ließen protokollieren, dass Franz Voves (SPÖ) bei ihnen "unten durch" ist. Nur ein Prozent weniger bescheinigen das auch dem schwarzen Häuptling Hermann Schützenhöfer. Ein Katastrophen-Ergebnis für beide!

Heftig gebeutelt auch Kristina Edlinger, bisher die Sympathie-Kaiserin in allen Umfragen. Ihr Minuswert liegt bei 35 Prozent. Das Skalpell im Spitalswesen wirkt offensichtlich stark nach. Der Dämpfer für den "echten Sozi", Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser, ist dagegen moderat. Obwohl im Fadenkreuz vieler Initiativen, hat er lediglich ein Glaubwürdigkeitsmanko von 29 Prozent. Am besten fährt offensichtlich Landesrat Christian Buchmann. Mit 21 Prozent ist er am wenigsten abgestraft worden. Obwohl sein Kultur-Klientel an sich zu den größten Matschkerern zählt...

Nur vage Detailkenntnis zum Sparpaket
IMAS hat auch gefragt, wie's um Wissensstand und Detailkenntnis zum Sparpaket steht. Auf den Punkt gebracht: Nur 13 Prozent geben an, wirklich eine Ahnung zu haben. Ungeachtet der vagen Detailkenntnis herrscht bei den Menschen aber offenkundig eine weit verbreitete Überzeugung von der Unausweichlichkeit der Sparmaßnahmen vor. 55 Prozent halten es sogar der Höhe nach - immerhin 1,5 Milliarden Euro - "grundsätzlich für gerechtfertigt". 58 Prozent rechnen damit, dass sie selbst darunter leiden werden. Überdurchschnittlich überzeugt von der persönlichen Betroffenheit durch die Sparpläne sind übrigens deklarierte Sozialdemokraten und Frauen.

Stimmung im Land gedrückt
"Was die Zukunft betrifft, so ist die Stimmung in der Steiermark deutlich gedrückter als in der österreichischen Gesamtbevölkerung", hat IMAS-Direktor Paul Eiselsberg abschließend erhoben. Nur 40 Prozent sehen den nächsten Monaten mit Zuversicht entgegen, 56 Prozent sind skeptisch oder gar besorgt. Vermutung: Die Katastrophe in Japan und unliebsame innenpolitische Ereignisse drücken auf das sonst sonnige Gemüt der Steirer.

Grüne Sieger, rotschwarze Verlierer
Verdoppelt haben die Grünen in der "Krone"-Umfrage ihren Wert. Würde jetzt gewählt, lägen sie bei 11 Prozent, 5,5 waren es bei der Landtagswahl im Herbst 2010. Stark zulegen können auch die Kommunisten - von 4,4 auf 7 Prozent und die Freiheitlichen (10,6 auf 14 Prozent). Das Protestpotential ist in den Sparpaket-Zeiten offensichtlich stark ausgeprägt.

Hier eine erste Reaktion der "Umfrage-Sieger": "Wenn man vor der Wahl landauf, landab erzählt, die Reichen müssen zahlen - und dann behinderten Kindern die Therapien streicht, darf man sich über die aktuellen Umfrageergebnisse nicht wundern", kommentiert Klubchefin Ingrid Lechner-Sonnek. Die Grünen hätten vor der Wahl über Probleme reden wollen, allein SP/VP wollten nicht. "Erst nach der Wahl haben sie mit einem brutalen Sparpaket überrascht."

von Gerhard Felbinger und Gerald Schwaiger, "Steirerkrone"

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