Fr, 23. Februar 2018

Scheuch im Interview

03.04.2011 10:36

"Ich sehe keinen Grund, an einen Rücktritt zu denken"

Er wurde schon einmal mit 0,6 Promille am Steuer seines Autos erwischt, wird von der Korruptionsstaatsanwaltschaft angeklagt und steht derzeit mit der "Connect"-Affäre als FPK-Obmann ziemlich unter Beschuss: Doch Uwe Scheuch denkt nicht einmal über einen Rücktritt nach, wie er der "Krone" erklärt.

"Krone": Herr Scheuch, was muss eigentlich passieren, dass Sie Ihren Hut nehmen?
Uwe Scheuch: Ich sehe keinen Grund, an einen Rücktritt zu denken. Wirklich nicht. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Wieso denn auch?

"Krone": Sie müssen wegen der Russen-Affäre vor Gericht.
Scheuch: Dank einer Anklage, die für mich überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Aber ich werde eben akzeptieren müssen, was das Gericht dazu meint. Fakt ist: Es gab keine Staatsbürgerschaft, es floss kein Geld, gar nichts. Und über eine Parteispende nachzudenken, das wird ja wohl erlaubt sein. Bei einer Verurteilung denke ich über Konsequenzen nach. Fragen Sie mich dann wieder! Aber ich rechne mit einem Freispruch.

"Krone": Ihre Partei legt dem BZÖ-Konkurrenten Petzner den Rücktritt nahe, weil er als Raser erwischt wurde.
Scheuch: Deswegen regt sich keiner auf. Dass er aber bewusst ohne Führerschein weiterfährt, das ist hinterfragenswert. Ich habe meinen Schein noch nie verloren.

"Krone": Ein Glück. Sie wurden mit 0,6 Promille gestoppt.
Scheuch: Und wären es 0,9 gewesen, hätte der Uwe Scheuch zurücktreten müssen, logisch. So ist die Politik.

"Krone": Die Politik scheint aber auch immer unethischer zu werden: Anklagen, Prozesse, Beleidigungen gehören dazu.
Scheuch: Das stimmt. Da muss sich jeder von uns an der Nase nehmen, nicht nur in Kärnten - wir liefern ein Sittenbild voller Skandale und Affären. Die aber zum Teil auch hochstilisiert werden. Die Bevölkerung kann oft besser unterscheiden, was ein wirkliches Problem ist und was einfach von den Medien übertrieben wird.

"Krone": Was sind denn die Probleme?
Scheuch: Also ich habe wegen der Russen-Sache keine drei bösen Meldungen abbekommen. Wenn ich dagegen an das Vorjahr denke, als wir uns mit der Strache-FPÖ zusammengetan haben - puh, das haben viele nicht verstanden und mich beschimpft. Aber ich halte das aus; ein Uwe Scheuch ist eben einer, der anpackt, aber halt auch polarisiert.

"Krone": Klingt als genießen Sie es.
Scheuch: Nicht immer. Gerne, wenn's in Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner oder in Sachfragen ist. Schlimm wird's auf der persönlichen Ebene. Aber generell mach' ich viel, arbeite hart, da geht sicher auch viel daneben, das sollte einem verziehen werden.

"Krone": Aber sollten nicht höhere Maßstäbe das Ziel sein?
Scheuch: Noch höher? Wissen Sie was, ein Bürgermeister steht heute fast täglich mit einem Fuß im Kriminal. Landesräten geht's auch nicht viel besser. Wenn mich eine Mutter bittet, ihr bei der Lehrstellensuche für ihren Buben zu helfen, darf ich das eigentlich gar nicht, weil das ja schon wieder irgendwas Strafrechtliches wäre. In ein paar Jahren werden wir für Polit-Jobs gar keine guten Leute mehr finden.

"Krone": Sind das die Sorgen eines Parteiobmannes?
Scheuch: Schon. Aber die FPK ist derzeit einig wie selten.

"Krone": Haiders Erben, heißt es.
Scheuch: Was heißt Erben? Jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Jörg Haider war ein großartiger Politiker, aber nicht alles, was er getan hat, ist für mich ein Vorbild. Ich habe etwa nicht vor, zu einem Diktator zu fahren.

"Krone": Auch die Connect-Affäre stammt noch aus seiner Ära.
Scheuch: Und sie wird aufgeklärt, das garantiere ich. Aber irgendwann sollte die Haider-Jagdgesellschaft aufhören.

"Krone": Sie bieten ja auch Potenzial - Freunderlwirtschaft mit Jagdfreunden etwa.
Scheuch: Pffff! Freundschaft darf nie ein Geschäft als Ausfluss haben, es aber auch nicht verhindern. Ich traue mich aber schon gar nicht mehr, mit echten Freunden auf die Jagd zu gehen, weil dann wieder blöd geredet wird. An den Vorwürfen ist nichts dran, aber schon gar nichts.

Interview von Kerstin Wassermann, Kärntner Krone

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