Mo, 11. Dezember 2017

Patientin starb

24.03.2011 13:22

Zwei Freisprüche im Korneuburger Ärzte-Prozess

Mit zwei Freisprüchen ist am Donnerstag der Prozess gegen Chirurgen des Krankenhauses Hollabrunn am Landesgericht Korneuburg fortgesetzt worden. Ihnen wurde die fahrlässige Tötung einer 85-jährigen Patientin unter besonders gefährlichen Verhältnissen vorgeworfen. Von den sieben Angeklagten sei den beiden Ärzten der geringste Vorwurf zu machen, begründete Richter Manfred Hohenecker. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die unter Rheuma leidende 85-Jährige war im Mai 2010 nach einem Sturz wegen Prellungen stationär im Krankenhaus Hollabrunn aufgenommen worden. Dabei ordnete die behandelnde Turnusärztin - laut ihrer Aussage nach Angaben der Frau - statt der höchstzulässig wöchentlichen, die tägliche Einnahme von Ebetrexat an. Während ihres stationären Aufenthaltes hatten auch die beiden Angeklagten mehrere Male Chefdienst. Bei ihren Visiten glaubten sie den Angaben der Patientin zur Höhe der Dosierung und verabreichten deshalb Ebetrexat weiter.

Ab dem Zeitpunkt, wo sich der Gesundheitszustand der Frau immer mehr verschlechterte, hätten sich die beiden Chirurgen aber richtig verhalten, sagte Hohenecker. So stoppte der angeklagte Oberarzt bei seinem Chefdienst am 22. Mai die Verabreichung sämtlicher Medikamente.

Der zweite Angeklagte ordnete am darauffolgenden Tag die Überstellung der Frau ins Krankenhaus Stockerau an. Von dort wurde sie später ins Wiener SMZ Ost eingeliefert, wo sie Anfang Juni starb. Ob der siebente Arzt nach den beiden Freisprüchen ebenfalls vor Gericht muss, stand am Donnerstag noch nicht fest.

Turnusärztin freigesprochen
Am Mittwoch waren zwei Ärzte des Krankenhauses Hollabrunn zu Geldstrafen im Ausmaß von 39.600 bzw. 20.400 Euro - nicht rechtskräftig - verurteilt worden (siehe Infobox): Richter Manfred Hohenecker sprach den Primar und den Oberarzt der chirurgischen Abteilung der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen schuldig.

Freisprüche gab es für die angeklagte Turnusärztin, weil sie das Medikament in ihrer Funktion gar nicht anordnen durfte, sowie für eine Ärztin, die die Anordnung zwar am nächsten Morgen abgezeichnet, dann aber in Urlaub gegangen war.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden