Sa, 18. November 2017

Gift gegen Gelsen

23.03.2011 11:33

„Luftangriff“ nur Verschwendung von Steuergeld?

Als "Verschwendung von Steuergeldern" hat der Gelsenexperte Bernhard Seidel das Vorhaben bezeichnet, Gelsen in Niederösterreich mittels Hubschraubereinsätzen zu bekämpfen (siehe Infobox). Anstatt Wirkstoffe gegen die Gelsenlarven großflächig und in Riesenmengen zu versprühen, sollten kleinräumige, nachhaltige Konzepte ausgearbeitet werden. Dazu gebe es bereits einzelne, vielversprechende Ansätze, so der Zoologe.

"Wir versuchen seit Jahren in Zusammenarbeit mit einzelnen Gemeinden, etwa im oberen Tullnerfeld, solche Konzepte auszuarbeiten", so Seidel. Öffentliche Forschungsmittel seien dafür bisher kaum bis gar nicht zur Verfügung gestanden. Dass nun auf Druck der betroffenen Bevölkerung etwa an der March sehr teure Hubschraubereinsätze erwogen werden, hält der Experte für "Schnellschüsse mit kaum Aussicht auf Erfolg".

Experte: "Horrende Kosten" für Hubschrauber-Einsatz
Seidel bekämpft seit Jahren die im Wasser lebenden Gelsenlarven mittels eines vom Bakterium Bacillus thuringiensis abgeschauten Eiweißstoffes. Zur richtigen Zeit ausgebracht, tötet dieser Wirkstoff den Gelsennachwuchs, bevor sich dieser zu fertigen Stechmücken entwickeln kann. Das Fenster der Wirksamkeit ist allerdings sehr schmal, es muss etwa nach jedem Hochwasser in Augebieten exakt zur richtigen Reifezeit der Larven bekämpft werden, damit sich der Erfolg einstellt. "Kommt es an der March zu drei Hochwässern, was durchaus möglich ist, müssten die Hubschrauber-Aktionen auch dreimal durchgeführt werden, was horrende Kosten verursacht", so Seidel.

Der Zoologe arbeitet daher an alternativen Konzepten, bei denen die Gelsenweibchen mittels Duftstoffen dazu verleitet werden, ihre Eier nur an bestimmten Stellen abzulegen. Diese Areale befinden sich im Idealfall an Stellen, an denen die Brut keine Chance hat, sich fertig zu entwickeln. Wenn doch, kann der Wirkstoff immer noch eingesetzt werden, aber gezielt an diesen Stellen und mit wesentlich geringerem Aufwand, ist der Experte überzeugt.

Baumaßnahmen können Gelsenplage begünstigen
Darüber hinaus setzt sich der Forscher seit Jahren dafür ein, dass bei fluss- und wasserbaulichen Vorhaben auf die Gelsenentwicklung Rücksicht genommen werden soll. "Unsere Forschungen zeigen, dass sich die meisten Gelsenplagen im Kulturland aufbauen, da sollten wir ansetzen, um nachhaltig zu wirken", so Seidel. So sollten etwa Hochwasserschutzanlagen so gebaut werden, dass kleine, kurzfristige Wasseransammlungen vermieden werden. Wichtig sei es, für jede Region die richtigen Konzepte zu entwickeln. Das Gießkannenprinzip mittels Hubschrauber sei dagegen abzulehnen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Für den Newsletter anmelden