So, 27. Mai 2018

"Krone"-Interview

22.03.2011 18:31

"Für Kärnten": Neuer EU-Mandatar ist selbst Lobbyist

Der Pörtschacher Hubert Pirker (62) ist der politische Überlebenskünstler der Kärntner ÖVP. Pirker hatte bereits viele Ämter inne und zieht jetzt – nach dem Rücktritt Ernst Strassers – zum dritten Mal in das EU-Parlament ein. Zumindest ist Pirker fest entschlossen dazu, aber es gibt auch Kritik; die er im Interview zurückweist.

"Krone": Herr Dr. Pirker, von wem könnte dieser Satz stammen: "Mit meiner Agentur liefere ich Ihrem Unternehmen rasch und laufend die aktuellsten EU-Informationen und gestalte die Kontakte."
Hubert Pirker: Keine Frage, der stammt von mir. Ich warb damit für meine jetzt stillgelegte Beratungsagentur.

"Krone": Das heißt im Klartext, dass auf den Lobbyisten Ernst Strasser jetzt der Lobbyist Hubert Pirker folgt.
Pirker: Nein, das heißt es nicht! Welchem Beruf ich privat nachging, ist sekundär. Aber im EU-Parlament geht das natürlich nicht und daher habe ich die Agentur abgemeldet. Ein EU-Abgeordneter kann kein Lobbyist sein, das ist total unverträglich.

"Krone": Ein erster Seitenhieb auf Ernst Strasser?
Pirker: Den Fall Strasser werden die Behörden klären. Es schadet dem EU-Parlament enorm, wenn Einzelpersonen kriminell agieren. Wenn sich Lobbying so versteht, dass man einen für die Gesetzgebung verantwortlichen Politiker bezahlt, agieren beide Seiten kriminell.

"Krone": Trotzdem: Lobbyist auf europäischer Ebene ist ja schon fast ein Schimpfwort.
Pirker: Ja, leider. Aber ich war als Privatmann einer und bin jetzt keiner mehr. Außer natürlich für meine Wähler und für Kärnten.

"Krone": Rührt das miese Image der EU vielleicht von der Tatsache, das sich die Konzerne zwar solche Stimmungsmacher leisten können, die Mitzi-Tante kann es nicht?
Pirker: Die hat ja ihren Abgeordneten vor Ort. Daher hatte ich stets mein Europabüro.

"Krone": Welche Schwerpunkte wollen Sie für Kärnten setzen? Sozusagen in ihrem Lobbying für unser Land?
Pirker: Im Rahmen des Forschungsprogrammes möchte ich dafür sorgen, dass die Wirtschaft wächst und die Jugend bessere und interessante Arbeitsplätze findet.

"Krone": Als EU-Abgeordneter sitzen sie ja wieder im Parteivorstand der ÖVP. Wie beurteilen sie die Lage in Kärnten?
Pirker: Die Jugend ist nicht politikverdrossen, sondern der Politiker verdrossen. Und viele in der Landespolitik tun so, als wäre Geld beliebig verfügbar.

"Krone": Sie waren oft als Parteichef im Gespräch und sind erst 62. Ist das noch oder wieder ein Thema?
Pirker: Das ist für mich kein Thema.

"Krone": Ohne "derzeit"?
Pirker: Ohne "derzeit".

von Fritz Kimeswenger, Kärntner Krone

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