Di, 21. November 2017

Sich selbst gefunden

18.03.2011 11:26

Udo Jürgens: „Ich habe mich oft verbiegen müssen“

Mit "Der ganz normale Wahnsinn" hat der legendäre Popchansonnier Udo Jürgens am Freitag seine neue Platte veröffentlicht. Am Donnerstagabend sprach er in München über seinen Drang zur Bühne, seine sensiblen Antennen, das Versagen seiner Generation angesichts der Atomkatastrophe in Japan und sein Mitleid mit Alice Cooper.

Die Freiheit seiner aktuellen Platte habe er sich im Laufe seiner langen Karriere erst erarbeiten müssen, unterstrich Jürgens: "Ich habe mich oft verbiegen müssen, um in der Branche überhaupt Fuß fassen zu können. Aber ich habe festgestellt, dass ich immer dann erfolgreich war, wenn ich keine Konzessionen gemacht habe."

Ungeachtet seines mittlerweile reiferen Alters von 76 Jahren ist es für den Sänger dabei eine Selbstverständlichkeit, sein neues Album im kommenden Jahr mit einer Tournee zu präsentieren, die ihn zwischen dem 8. und 13. März 2012 auch nach Österreich bringen wird: "Ein Musiker gehört auf die Bühne. Da lasse ich mich auch nicht abschrecken davon, dass ich jetzt hoch in den Jahren bin. Solange ich die physische Kraft habe und mein Herz und meine Stimme funktionieren und die Struktur des Fühlens, werde ich von der Bühne nicht runtergehen."

Es helfe ihm heute, dass er zu sich selbst gefunden habe und keine Maskerade benötige. Da gehe es Künstlern wie Alice Cooper schlechter, der sich noch mit 63 Jahren aufwendig für seine Auftritte schminken müsse: "Ich möchte nicht wissen, wie der sich manchmal fühlt, wenn er vor dem Auftritt in Wuppertal oder was weiß ich wo in den Spiegel schaut und sagt: 'Das ist jetzt mein Leben geworden.'" Für ihn hingegen habe stets gegolten: "Ich wollte immer Unterhaltungsmusik machen." Und damit sei er glücklich.

Jürgens "fühlt stark mit Japan"
Was den Entertainer hingegen bedrückt, ist die augenblickliche Katastrophe in Japan: "Da wird einem klar, wie klein wir sind und wie unwichtig meine neue Platte ist." Angesichts des drohenden Atom-GAUs gelte eindeutig: "Jetzt steht meine ganze Generation am Pranger - und zu Recht."

"Ich fühle stark mit Japan - vielleicht etwas stärker als der Durchschnitt, weil ich sensiblere Antennen habe. Das bringt mein Beruf mit sich", zeigte sich Jürgens getroffen. Zugleich informiere er sich stets aus erster Hand: "Solange ich lebe, gibt es keinen großen deutschen Politiker, den ich nicht sehr gut gekannt habe." Bei derlei Gesprächen nehme man unendlich viel auf.

Ob angesichts der Japan-Ereignisse die "Wetten, dass..?"-Sendung am Samstag wie geplant über die Bühne gehen werde, wusste Jürgens nicht: "Ich harre der Dinge. Man kann derzeit nicht sagen, was die nähere Zukunft bringt und ob die Sendung überhaupt stattfindet. Es hätte jeder Verständnis dafür. Es ist für jeden, der singend eine Bühne betritt, mit Sicherheit eine große innere Überwindung." Zugleich votiere er persönlich gegen eine Absage: "Es ist das falsche Zeichen. Wir müssen alle wissen, dass das Leben weitergeht, auch wenn wir betroffen sein dürfen und müssen."

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