Di, 17. Oktober 2017

Arzt zur Atomgefahr

15.03.2011 17:19

Salzburg wäre ob geografischer Lage schwer evakuierbar

Nach dem Horror-Beben in Japan geht jetzt auch in Europa die Atom-Angst um. Rund um Österreich gibt es etliche Meiler, etwa nur 140 Kilometer entfernt im bayerischen Raum. Die "Krone" sprach mit Bundesheer-Oberstarzt Ewald Esterer – medizinischer Experte für atomare, biologische und chemische Bedrohung – über mögliche Ernstfälle nahe Salzburg und die direkten Auswirkungen.

"Krone": Herr Oberstarzt, die Vorfälle in Japan zeigen die Gefahr einer atomaren Katastrophe. Gibt es diese Bedrohung auch für Salzburg?
Ewald Esterer: Es gibt Atomkraftwerke in sehr geringer Entfernung. Würde es dort zum Ernstfall kommen, wäre die Vorwarnzeit für Salzburg extrem kurz.

"Krone": Das bedeutet konkret?
Esterer: Dass die Zeitspanne für eine notwendige Evakuierung sehr kurz wäre, fast schon zu kurz. Salzburg ist für eine Evakuierung wegen seiner geografischen Lage ein sehr kompliziertes Terrain, ein Nadelöhr.

"Krone": Was wäre im Ernstfall zu tun?
Esterer: Die allgemeinen Ratschläge beachten. Also nicht im Freien sondern in geschlossenen Räumen aufhalten, dazu Fenster und Türen abdichten.

"Krone": Wie sehen die Einsatzpläne für den atomaren Ernstfall aus?
Esterer: Militärisch würde der Militärkommandant die Führung übernehmen. In Salzburg fiel der ABC-Zug, der auf derartige Einsätze spezialisiert ist, leider der Heeresreform zum Opfer. Es gibt in der Rainerkaserne eine Spezialtruppe, die sich nicht auf das großräumige bekämpfen der Strahlung sondern auf die ABC-Medizin konzentriert. Unter anderem die Entwicklung der Feldambulanz.

"Krone": Was könnte also das Salzburger Heer beitragen?
Esterer: Unsere selbst entwickelte Dekontaminations-Anlage ist einzigartig, wird mittlerweile weltweit nachgebaut. Sie ist dafür da, Patienten von der Strahlung zu säubern, dass diese gefahrlos in Spitälern behandelt werden können.

"Krone": Sie selbst erlebten Tschernobyl. Hat sich seither die Technik verbessert?
Esterer: Ja, da werden wieder Erinnerungen wach. Der Wissensstand ist heute gegenüber damals deutlich besser. Man weiß, was auf einen zukommt. Grundlegend hat sich an den Bekämpfungs-Techniken nicht viel geändert, lediglich im Detail. Heute gibt es Medikamente gegen die Strahlung. Aber im Ernstfall würden große Mengen benötigt. Es ist zu bezweifeln, ob diese dann auch verfügbar wären.

von Max Grill, Kronen Zeitung

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