Fr, 20. Oktober 2017

"Krone"-Interview

11.03.2011 08:49

Köppl: „Werde mehr in mein Herz hineinhören“

Nach dem Selbstmord des Gmundener Amtsleiters, der in seinem Abschiedsbrief Bürgermeister Heinz Köppl Mobbing vorgeworfen hat, hat der Gmundener Ortschef (im Bild links) im Gespräch mit "Krone OÖ"-Chefredakteur Klaus Herrmann über seinen Umgang mit den Anschuldigungen gesprochen.

"Krone": Herr Bürgermeister, zwei Wochen nach dem tragischen Selbstmord Ihres Amtsleiters Robert Hametner, der in seinen Abschiedsbriefen Ihnen die Schuld an seinem Freitod gibt – wie würden Sie jemandem, der noch nichts davon gehört hat, erklären, was passiert ist?
Heinz Köppl: Ich würde sagen, dass sich ein wichtiger Mitarbeiter der Stadtgemeinde das Leben genommen hat. Einer, der offenbar krank war, was ich aber nicht erkannt habe. Und er klagt mich für seinen Tod an. Das belastet mich und ist ungerecht. Auch, weil mir Fachleute sagen, dass es für einen Freitod immer mehrere Gründe gibt.

"Krone": Wie gehen Sie mit dieser Situation um?
Köppl: Damit komme ich sehr schwer zurecht. Man kann sich nicht vorstellen, was mir mit dieser Schuldzuweisung angetan wurde – und meiner Frau, meinen Kindern, bis zu meiner kranken, 82-jährigen Mutter, die sich alle große Sorgen um mich machen.

"Krone": Aber Sie haben in dieser Situation Beistand.
Köppl: Ohne meine Frau und meine Kinder hätte ich oft nicht gewusst, wie es weitergeht. Und ich habe auch professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Mein Arzt sagt auch: Du hast halt nicht so eine dicke Haut.

"Krone": Und man fragt sich wohl – so wie wir Außenstehenden, wie es so weit kommen konnte.
Köppl: Ja. Ich kenne Robert Hametner seit den 70er Jahren. Er hat in meiner Zeit als Bürgermeister sein Studium gemacht, ich ihn dann gegen viele andere gute Kandidaten zum Amtsleiter gemacht. Als es nach drei Jahren um seine Verlängerung ging, hat er zu kränkeln begonnen, nach der Wiederbestellung war das aber erledigt.

"Krone": Es ist davon die Rede, dass es damals Vorbehalte gegen Hametner gab.
Köppl: Ja, gewaltige. Aber ich war von seiner Arbeit überzeugt.

"Krone": Aber er hat sich von Ihnen miserabel behandelt gefühlt.
Köppl: Das trifft mich so! Wir hatten jeden Tag Kontakt, aber keiner hat etwas gemerkt. Er hat enge Freunde gehabt, die jeden Tag mit ihm essen waren – sie alle sagen, sie haben es nicht gewusst. Und wenn er sich so schlecht behandelt fühlte: Er war fast 60, hätte jeden Tag in Pension gehen können! Aber er hat sich halt auf mich fixiert.

"Krone": Auch die Tochter von Robert Hametner gibt Ihnen in einem offenen Brief die Schuld am Tod des Vaters.
Köppl: Mir tut die Familie unheimlich leid. Ihr gilt mein tiefes Mitgefühl. Und ich habe signalisiert, dass mir viel daran liegt, ein Gespräch mit der Familie zu führen.

"Krone": Amtsleiter Hametner hat Ihnen Mobbing vorgeworfen. Was verstehen Sie darunter?
Köppl: Dieses Wort gibt's für mich nicht. Eigentlich bin da ich gemobbt worden!

"Krone": Wie würden Sie Ihren Amtsstil beschreiben?
Köppl: Sehr freundschaftlich, es kann jeder immer zu mir kommen.

"Krone": Und dieses Angebot wird auch angenommen?
Köppl: Ja, immer wieder.

"Krone": Auch von Hametner?
Köppl: Nein, von ihm nie.

"Krone": Sie wirken recht gefasst.
Köppl: Es trifft mich noch immer, aber ich bin dabei, es aufzuarbeiten. Das Gespräch in größeren Runden fällt mir noch schwer. Aber ich habe jetzt schon halbstundenweise von zu Hause aus gearbeitet. Und freue mich, nächste Woche wieder im Amt zu sein, ich freue mich auf meine Mitarbeiter.

"Krone": Kann man diesen einschneidenden Vorfall aufarbeiten, verdrängen?
Köppl: Verdrängen sicher nicht. Dieser Flecken wird immer bleiben – dass ich ins Innerste getroffen worden bin für etwas, wofür ich nicht verantwortlich bin.

"Krone": Macht Sie das stärker, weicher, sensibler?
Köppl: Sensibel war ich immer. Ich komme aus einer einfachen Familie heraus. Aber ich werde künftig sicher noch mehr in mein Herz hineinhören. Ich werde mich künftig sicher mehr zurücknehmen. Allerdings werde ich auch wieder meinen Mann stehen!

"Krone": Haben Sie bei dieser Entwicklung und dem, was Sie in den vergangenen zwei Wochen erlebt haben, überhaupt noch Lust weiterzumachen?
Köppl: Es gibt keinen Grund zurückzutreten. Ich bin bis 2015 gewählt und möchte mindestens so lange im Amt bleiben.

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