Fr, 24. November 2017

Mit 79 Jahren

01.03.2011 10:17

Französische Schauspielerin Girardot gestorben

Vor allem als tyrannische Mutter der von Isabelle Huppert gespielten Klavierlehrerin Erika Kohut in Michael Hanekes Jelinek-Verfilmung "Die Klavierspielerin" wird Annie Girardot in Erinnerung bleiben. Sie war einer der Stars des französischen Kinos und spielte an der Seite von Alain Delon, Yves Montand, Philippe Noiret oder Jean-Paul Belmondo. Der Dichter Jean Cocteau hat sie einmal als das "schönste dramatische Talent der Nachkriegszeit" bezeichnet. Seit 2003 litt Annie Girardot an Alzheimer. Am Montag ist die Schauspielerin im Alter von 79 Jahren in Paris gestorben.

Annie Girardot wurde am 25. Oktober 1931 in Paris geboren. Zunächst spielte die gelernte Krankenschwester am Theater, später an der Comedie Francaise. 1956 gab sie ihr Filmdebüt in "Treize a table". Weit über 100 Film- und Fernsehrollen folgten. Luchino Viscontis Film "Rocco und seine Brüder" (1960) mit Alain Delon wurde ihr erster großer Erfolg, für "Drei Zimmer in Manhattan" von Marcel Carné erhielt sie 1965 einen Darstellerpreis in Venedig. Später folgten drei Cesars: für "Dr. med. Francoise Gailland, wo sie 1976 zum ersten Mal die Film-Mutter von Huppert gab, "Les Miserables" (1996) und "Die Klavierspielerin" (2002).

In rund 40 Jahren sah man Annie Girardot in künstlerisch ambitionierten, aber auch nur unterhaltsamen Filmen in den verschiedensten Berufen, als Richterin, Rechtsanwältin, Taxichauffeurin oder Polizistin. In "Dillinger ist tot" (1968) von Marco Ferreri war sie die Partnerin von Michel Piccoli. Drehbuchautor Michel Audiard schrieb ihr mehrere Filmrollen. In "La Gifle" von Claude Pinoteau tröstete sie ihre Filmtochter Isabelle Adjani, als Lino Ventura sie ohrfeigte. Unvergessen bleibt sie auch als komisches Talent in "Der Querkopf" von Claude Zidi an der Seite von Louis de Funes.

Symbolfigur im Kampf gegen Alzheimer
Auch in ihren besten Jahren war die Französin nicht auffallend schön, sexy oder gar extravagant. Vom Kinopublikum wurde sie wegen ganz anderer Eigenschaften geliebt: natürliches Auftreten und warmherzige Fraulichkeit. Sie war die Frau von nebenan - feminin, aber nicht feministisch, eine Partnerin mit eigenem Kopf, aber auch zum Pferdestehlen.

2005 spielte sie noch einmal in einem Film von Michael Haneke: In "Caché" waren Juliette Binoche und Daniel Auteuil ihre Filmpartner. Erst 2006 hatte die Familie Girardots ihre bereits drei Jahre andauernde Alzheimer-Erkrankung publik gemacht, seither war die Schauspielerin zur Symbolfigur für den schwierigen Kampf gegen diese Krankheit geworden. "Mein Glück finde ich vor der Kamera", hatte die Französin die Tatsache kommentiert, dass sie trotz fortschreitender Erkrankung weiter hochkonzentriert vor der Kamera arbeitete. Mit Nicolas Baulieu drehte sie die Alzheimer-Dokumentation "Ainsi va la vie".

Annie Girardot war seit 1962 mit dem Schauspieler Renato Salvatori, den sie bei den Dreharbeiten zu "Rocco und seine Brüder" kennengelernt hatte, verheiratet. Mit ihm hatte sie ihre Tochter Giulia Salvatori. 1988 starb ihr Mann, von dem sie getrennt lebte. 1989 veröffentlichte Girardot ihre Memoiren mit dem Titel "Vivre d'aimer": "Leben, um zu lieben".

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