Sa, 18. November 2017

Furiose Live-Show

19.02.2011 19:23

Die Reunion war kein Fehler: Skunk Anansie in Wien

Irgendwann fiel er, der rote Vorhang im Wiener Gasometer, und Skunk Anansie erschienen, um erneut ein furioses Konzert in Österreich nach ihrem Comeback 2009 hinzulegen. Das britische Quartett mit der stimmlich, wie auch visuell dominierenden Frontfrau Skin ließ dabei erneut von Anfang an keinen Zweifel daran, dass die Reunion kein Fehler war.

Ihr emotionaler Rock, der mit Härte vorgetragen wurde, machte Skunk Anansie ab Mitte der 1990er zu einer der wichtigsten Bands des Genres, ehe man sich 2001 - angeblich nicht im Streit, sondern eher aus Übermüdung - nach nur drei gut verkauften Alben auflöste. "Yes It's Fucking Political" - der erste Song ihres erfolgreichsten Albums "Stoosh", machte am Freitag den Anfang. Was fast wie ein Insiderschmäh wirkte, da Skunk Anansie nicht selten als politische Band angesehen wurden, was sie jedoch stets von sich gewiesen haben. Trotzdem war das eine gute Wahl, die ohne Anlaufphase für ein bedingungslos mitgehendes Publikum sorgen konnte.

Die dunkelhäutige Frontfrau, in eng anliegendes schwarzes Leder gekleidet und wie gewohnt kahl rasiert, spielte ihr stimmliches Können sofort aus. Dieses besteht nicht nur darin, auch einen schwächeren Song durch die Präsenz tragen zu können - das androgyne Energiebündel versteht es vor allem, von einem Moment auf den anderen zwischen Wut und Verletzlichkeit zu changieren und trotzdem jeweils emotionale Glaubwürdigkeit zu vermitteln.

Die technisch äußerst versierten Instrumentalisten in der typischen Rockbesetzung - Gitarre, Bass und Drums - taten das Ihre, um ihre Sängerin auch dementsprechend in Szene zu setzen. Im Verlauf des Abends erinnerte man gerade mit den neuen Songs vom Comebackalbum "Wonderlustre" vom Stil manchmal an New Wave-Bands wie Blondie oder die frühen Pretenders, was aber durchaus kein Schaden war. Der dicht gedrängte Saal tobte und zu "Weak" wurde Skin vom Publikum dann gar auf Händen getragen.

Verdienterweise, denn ihr Auftritt vermittelte den Eindruck, dass hier jemand auf der Bühne stand, der jedes Wort, das er sang, genau so meint. Die temporäre Auflösung schien für Skunk Anansie lohnend gewesen zu sein, denn so ermöglichte man sich eine Distanz zum alten Songmaterial, die eine erneute Annäherung zu ermöglichen schien und so den Auftritt zu alles anderem als einer lieblos dargebrachten Reproduktion einer glorreichen Vergangenheit werden ließ. Der Gig fand dann in seinem Ende den Höhepunkt - mit dem Zugabezuckerl in Form des wunderbaren "Hedonism", bei dem es so schien, als ob der ganze Saal mitsingen würde.

Von Andreas Westphal, APA
Fotos: Andreas Graf, krone.at

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