Sa, 21. Oktober 2017

"Krone"-Interview

07.02.2011 19:03

Dr. Resch: „Grugger ist vor meinen Füßen gelandet“

Sein Platz als ÖSV-Arzt ist eigentlich am Rand der Piste, doch heuer ist er schon mehrmals im Zentrum dramatischen Geschehens gewesen: Unfall-Chirurgie-Primar Dr. Herbert Resch, vor dessen Füßen Hans Gruggers Flug durch die Kitzbüheler Mausefalle endete. Und der jetzt Hirschers Kahnbeinbruch versorgt. Was sagt er zur Gefahr im Skisport?

Krone: Herr Professor, Sie sind schon etliche Jahre in Diensten des Skiverbands - was geht in Ihnen vor angesichts dieser Verletzungen?
Dr. Herbert Resch: Also bei Grugger war es sehr schlimm, der ist bei dem fatalen Sturz in der Mausefalle ja direkt vor meinen Füßen gelandet. Ich war sozusagen seine erste Erste Hilfe.

Krone: Wird speziell der Abfahrtssport zu gefährlich?
Resch: Das kann man so nicht sagen, die Streckenführungen sind großteils seit 20 Jahren fast gleich. Ich stehe seit neun Jahren bei der Mausefalle, nie ist was passiert.

Krone: Aber es verletzen sich doch gerade heuer extrem viele?
Resch:
Ich erinnere mich an eine ähnliche Serie vor einigen Jahren, als die Carver neu und auch die Athleten damit noch nicht so vertraut waren. Aber eines stimmt sicher: Es wird immer schneller, die Sportler sind auch immer besser trainiert. Nur bei dem Tempo kann eben schon der kleinste Fahrfehler ganz schlimme Folgen haben.

Krone: Heute geht es mit 130 km/h runter, aber mit allen möglichen Sicherheits-Features. War da ein Toni Sailer mit Tempo 90 und Langriemenbindung nicht noch gefährdeter?
Resch: Ich glaube nicht, weil ein Sturz zu dieser Zeit endete halt in einem Haufen Weichschnee. Heute sind das ja pickelharte Eispisten, das spielt schon mit.

Krone: Ihr aktueller Patient ist Marcel Hirscher, wie bricht man sich denn eigentlich das Kahnbein?
Resch: Wie bei ihm, wenn von unten gewaltiger Druck kommt und der Fuß dann auch noch ruckartig seitlich ausgehoben wird.

Krone: Sind Komplikationen oder Spätfolgen möglich?
Resch: Eigentlich nicht, die Verletzung wurde konservativ, also durch Eingipsen versorgt. Zudem ist es ein glatter Bruch. Eine Operation wäre zwar möglich gewesen, bringt aber nichts, weil für die WM wäre es sich nie ausgegangen.

Krone: Sind solche Kahnbeinverletzungen häufig?
Resch: Das gibt es gelegentlich immer wieder, aber nicht sehr häufig. Gefährlich ist aber im alpinen Spitzensport, dass der Muskelapparat hochgezüchtet ist, der Bänderapparat aber nur bedingt mithalten kann. Gerade Kreuzbandverletzungen sind oft Folgen dieses Missverhältnisses, die kommen auch ohne Sturz durch die Belastung zustande. Und grundsätzlich glaube ich, dass man bei den Helmen noch nachbessern kann.

von Roland Ruess, Kronen Zeitung

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