So, 17. Dezember 2017

Tops und Flops

26.01.2011 08:46

Smartphones auf dem Konsument-Prüfstand

Das Geschäft mit Smartphones boomt. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein neues Modell auf den Markt kommt. Da den Überblick zu bewahren, fällt nicht leicht. Orientierungshilfe bieten jetzt die Verbraucherschützer vom VKI, die für die aktuelle "Konsument"-Ausgabe 21 Smartphones von Nokia, HTC, Samsung, LG und Sony Ericsson unter die Lupe genommen haben.

Die gute Nachricht: Von den 21 im Test untersuchten Geräten bekamen immerhin 18 ein "gut", nur drei Modelle – das "Nokia 1616", das "Nokia 2690" und das "Xperia X10 mini pro" von Sony Ericsson – schnitten mit einem "durchschnittlich" ab. Zwischen den beiden Modellen des finnischen Handyherstellers, die ohne Vertrag für rund 35 bzw. 79 Euro erhältlich sind, und dem letztplazierten Sony Ericsson (369 Euro) liegen allerdings mehrere hundert Euro Preisdifferenz.

Nokia vor HTC und Samsung
Am besten schnitt den Verbraucherschützern zufolge das "Nokia C6" (299 Euro) ab. Das UMTS- und Quadband-Smartphone sei gut und vielseitig ausgestattet, der Touchscreen groß und überdies eine vollständige Tastatur unter dem Schiebecover vorhanden, so das Urteil. Der integrierte Music-Player sei komfortabel bedienbar, eine Navigations-Software bereits vorinstalliert. Kritisiert wurden hingegen die nur durchschnittliche Leistung der 5-Megapixel-Kamera, die uneinheitliche Menüführung und der umständliche Browser.

In der Wertung drei Prozentpunkte hinter dem Nokia landet mit 69 Prozent das "HTC Wildfire" (279 Euro) auf dem zweiten Platz. Das Gerät des taiwanesischen Herstellers sei ein gut verarbeitetes und kompaktes Einsteiger-Smartphone, dessen Touchscreen zwar groß, aber am Rand etwas unpräzise sei. Aufgrund der geringen Displayauflösung sei das Android-Modell überdies fürs Internetsurfen weniger geeignet.

Der Drittplatzierte im Konsument-Test, das "GT-I9000 Galaxy S" (579 Euro) von Samsung, macht in dieser Hinsicht eine etwas bessere Figur: E-Mails seien auf dem großen Touchscreen mit vollständiger virtueller Tastatur gut lesbar und die mit "gut" bewertete 5-Megapixel-Kamera arbeite sehr schnell. Schlechte Bewertungen gab es hingegen fürs E-Mail-Schreiben und den SMS-Empfang, so die Verbraucherschützer.

Topmodelle schließen zu Apples iPhone auf
Auf den Rängen vier bis zehn folgen das "LG GM360", das "Nokia X2", Samsungs "GT-I5800 Galaxy Apollo", das "W20i Zylo" von Sony Ericsson, die beiden LG-Geräte "GT540 Optimus" und "GT 350" sowie das "Nokia 2710 navigation edition". Ganz prinzipiell, so das Fazit des VKI, hätten mittlerweile viele Hersteller mit ihren Topmodellen den Anschluss an Apples iPhone gefunden, welches bei einem Test im vergangenen Oktober ein Ergebnis von 68 Prozent erreichte.

Auch wenn ein Nokia-­Modell den aktuellen Test für sich entscheiden konnte, seien nach Auffassung des VKI derzeit HTC und vor allem Samsung mit dem neuen Galaxy S die schärfsten Konkurrenten des Apple-Handys. Der Erfolg sei unter anderem auf das Android-Betriebs­system zurückzuführen, das Apples iOS 4 durchaus ebenbürtig sei, im Gegensatz zu diesem dem Nutzer aber keinerlei Beschränkungen auferlegt.

Hersteller lassen soziale Verantwortung vermissen
Allem technologischen Fortschritt zum Trotz haben die Smartphone-Hersteller nach wie vor großen Nachholbedarf, wenn es um soziale Verantwortung und die Einhaltung ethischer Standards geht. Wie ein vom VKI und anderen europäischen Verbraucherorganisationen durchgeführter Ethik-Test zeigt, sind praktische Leitlinien zur Umsetzung ethischer Kriterien auf den Umweltbereich konzentriert. Soziale Standards würden weit weniger angesprochen, es gebe auch so gut wie keine Prüfverfahren in der Zulieferkette. Auch in den Nachhaltigkeitsberichten werde mit Ausnahme von Apple auf die Situation in Zulieferbetrieben nicht eingegangen.

Schlecht sei es außerdem um die Rückverfolgbarkeit von legal gewonnenen Rohstoffen bestellt, kritisieren die Verbraucherschützer. Viele Metalle wie Coltan, Tantalum, Palladium und Platin stammten aus Krisenregionen und würden über Mittelsmänner von bewaffneten Gruppen bezogen, die damit ihren Kampf finanzierten, unter dem vor allem die Zivilbevölkerung leide. Kritik gibt es zudem an der Marketingstrategie, noch funktionsfähige Handys durch häufigen Modellwechsel künstlich veralten zu lassen. Die Nutzungsdauer eines Mobiltelefons liege inzwischen bei unter zwei Jahren. Die ökologischen Folgen dieser künstlichen Veralterung seien nicht zu unterschätzen, so der VKI.

"Kein Kommentar"
Für ihren Ethik-Test untersuchten die Verbraucherschützer sieben Smartphone-Hersteller (Nokia, Apple, Samsung, LG, Sony Ericsson, HTC, RIM) hinsichtlich Firmentransparenz und der Einhaltung sozialer und ökologischer Standards. Nur zwei der Unternehmen zeigten sich überhaupt bereit, einen Fragebogen auszufüllen. Und einzig Samsung ermöglichte es laut VKI den beauftragten Experten, Produktionswerke zu besichtigen, Aufzeichnungen vor Ort zu prüfen und Arbeiter zu interviewen.

Es könne nicht überraschen, so der VKI, dass sich mit Apple, Nokia und Sony Ericsson unter den Antwortverweigerern gleich drei Auftraggeber jenes Lieferanten befänden, der im Vorjahr wegen einer Selbstmordserie zu trauriger Berühmtheit gelangt sei: der taiwanesische Foxconn-Konzern, der den Großteil seines Umsatzes im Auftrag renommierter Markenfirmen erwirtschaftet.

Das Schlusslicht im Ethik-Test bildet jedoch das in Taiwan ansässige Unternehmen HTC: "Hier waren nicht einmal ansatzweise Bemühungen einer sozialen und ökologischen unternehmerischen Verantwortung zu entdecken", so VKI-Ethikexperte Peter Blazek.

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