Di, 17. Oktober 2017

Tierschützerprozess

25.01.2011 14:34

Einige „Bonmots“ lockern Stimmung vor Gericht auf

Mit 65 vergangenen und derzeit 20 noch ausgeschriebenen Verhandlungstagen zieht sich der Wiener Neustädter Prozess gegen 13 Tierschützer wegen Beteiligung an einer kriminellen Organisation gewaltig in die Länge - und geht auch inhaltlich nur schleppend voran. Zumindest ist das Verfahren aber regelmäßig mit "Bonmots" gespickt.

Dass die Beschuldigten - nach knapp elf Monaten "Gerichtserfahrung" - im Prozessablauf bereits "firm" sind, bewies ein kurzer "Schlagabtausch" zu Verhandlungsbeginn am Montag: "Herr Dr. Balluch, ich ersuche, mir das Wort zu erteilen", meinte Staatsanwalt Wolfgang Handler, als er bei einer Äußerung zu Anträgen der Verteidigung vom Erstangeklagten unterbrochen wurde. "Aber der Staatsanwalt ist jetzt nicht am Wort", wandte sich Balluch an die Richterin.

Richterin gegen "Emotionalität" vor Gericht
Richterin Sonja Arleth sprach am selben Tag davon, in der "glücklichen" Lage zu sein, beide Seiten zu hören - das Gericht unterliege dem Grundsatz der Objektivität. Als daraufhin Gelächter aufkeimte, stellte sie fest, dass sie diese Reaktion nicht nachvollziehen könne. Und: Sie lasse keine wie immer gearteten Äußerungen des Publikums zu. Emotionen während des Prozesses sind der Richterin - der von Rechtsexperten die Freiheit von selbigen in Abrede gestellt wurde - generell ein Dorn im Auge: "Herr Mag. Bischof, ich orte bei Ihnen eine gewisse Emotionalität. Ich kenn' Sie jetzt schon lange genug, um das zu beurteilen."

Verteidiger Josef Philipp Bischof hinterfragte am Dienstag die Qualifikation der verdeckten Ermittlerin: "Halten Sie sich für ausreichend geschult und kompetent, ihre Aufträge gewissenhaft auszuführen?" "Danielle Durands" wenig überraschende Antwort: "Die Beurteilung obliegt nicht mir." Bischof: "Ich sagte: Halten Sie sich?" Die Zeugin unsicher zur Richterin: "Muss ich das beantworten?", dann an den Anwalt gerichtet: "Können Sie die Frage wiederholen?" Bischof schmunzelte: "Ich kann auch gerne langsamer sprechen" - und erntete schallendes Gelächter.

Aussage im Saal ist für verdeckte Ermittlerin "unangenehm"
Die Agentin erklärte, warum sie nicht im Saal aussagen kann: "... weil das äußert unangenehm für mich ist. Durch das Verhalten der Angeklagten, Anwälte und Zuhörer." Bischof verwirrt: "Was genau hab' ich gemacht? Ist meine Stimme so unangenehm?"

Balluch zur "Spionin": "Hatten Sie damals Angst vor mir?" Die Zeugin verneinte lachend. "Haben Sie jetzt Angst vor mir?" Wieder ein Lächeln und ein Nein. Balluch erleichtert: "Na, da bin ich aber froh. Hatten Sie sonst jemals Angst vor irgendwem im Verein gegen Tierfabriken?" "Durand" schaute verwundert, Arleth fragte, worauf die Frage abziele. Der Erstangeklagte: "Ich stelle mir vor, ich bin verdeckter Ermittler in einer Mafia - also ich hätte da Angst."

Die Agentin wird das Gericht auch noch ein sechstes Mal aufsuchen müssen - wann, ist aber noch unklar.

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