Sa, 25. November 2017

14 Überfälle

17.01.2011 11:28

Räuber-Brüder auch wegen versuchten Mordes angeklagt

Zwei Brüder (25 und 27) aus Oberösterreich müssen sich seit Montag gemeinsam mit ihrem Halbbruder aus Deutschland (45 Jahre) als mutmaßliche Serienbankräuber vor Gericht in St. Pölten verantworten. Zehn Beamte bewachten die von der Staatsanwaltschaft als gefährlich eingestuften Beschuldigten im Schwurgerichtssaal. Diese wirkten ruhig und gefasst, als sie in den Saal geführt wurden. Zu Prozessbeginn bekannte sich das Trio hinsichtlich der Überfälle schuldig, bestritt aber den Mordversuch.

Gefasst wurden die beiden jüngeren Angeklagten im Dezember 2009 nach dem Raub in einer Bank in Blindenmarkt, wo der Jüngste einen Schusswechsel mit einem Security-Mann begann, bei dem er selbst schließlich schwer verletzt wurde. Die Staatsanwaltschaft legt dem Trio schweren Raub zur Last. Wegen der Schießerei in Blindenmarkt wird den beiden Oberösterreichern auch versuchter Mord bzw. Beihilfe zum versuchten Mord zur Last gelegt.

1,2 Millionen Euro bei 14 Überfällen erbeutet
Insgesamt soll das Trio seit 2005 in unterschiedlichen Zusammensetzungen 14 Überfälle auf Banken und Postämter in Ober-, Niederösterreich und der Steiermark begangen haben. Dabei wurden rund 1,2 Millionen Euro erbeutet, wovon das Trio seinen Lebensunterhalt finanzierte. Begonnen hat alles im Herbst 2005.

Der 45-jährige Halbbruder, der teils in Deutschland und teils in Österreich lebte, und der 27-jährige Oberösterreicher hätten Geld gebraucht - "und zwar schnell", so die Staatsanwaltschaft. Vor allem der 45-Jährige sei nach dem Konkurs seiner Firma und seiner Scheidung in schweren finanziellen Nöten gewesen. Daraufhin habe der 27-Jährige maskiert und mit einer Softgun bewaffnet das Postamt in der Pluscity in Pasching überfallen. Die Beute hätten die beiden Brüder dann geteilt.

Mehr als 40 Menschen mit Waffen bedroht
Bis 2009 folgten zwölf weitere Überfälle und ein Versuch. Über 40 Bankangestellte und Kunden seien in dieser Zeit mit Waffen bedroht und teilweise auch verletzt worden, so die Anklägerin. "Das Maß an Brutalität hat sich gesteigert." Zur Tarnung seien Kennzeichen für die Fluchtautos gestohlen worden, um Beute und Waffen zu verstecken, hätten die Beschuldigten, "die sich im Laufe der Jahre ganz beängstigend entwickelt haben", einen Safe in Wien angemietet.

Im Herbst 2009 sei nach einer "waffenmäßigen Aufrüstung" - der 27-Jährige, der während des Vortrags immer wieder den Kopf schüttelte, soll u.a. ein Maschinengewehr besorgt haben - die Wahl ganz kurzfristig auf die schon einmal überfallene Raiba-Filiale in Blindenmarkt gefallen. Der 25- und der 27-Jährige sollen mit einem gemieteten Opel mit gestohlenen Kennzeichen unterwegs gewesen sein. Der Wagen sei voller geladener Waffen gewesen, die laut Staatsanwältin für eine Geiselnahme einer ganzen Filiale gereicht hätten.

Während der Ältere im Auto wartete, soll der Jüngere die Bank überfallen haben. Als ihn danach ein privater Sicherheitsbeauftragter stellen wollte, habe er sofort geschossen und der Wachmann das Feuer erwidert. Der 25-Jährige erlitt einen Oberkörper-Durchschuss, sprang aber trotzdem noch ins Auto und sein Bruder brauste davon. Auch aus dem Pkw sollen noch einige Schüsse gefallen sein, was die Angeklagten bestreiten. Auf einem Autobahnparkplatz, wo die Kennzeichen gewechselt werden sollten, kam es dann zur Festnahme durch die Cobra.

Überfälle zugegeben, Mordversuch bestritten

"Es ist mir klar, dass es so aussieht, als wären wir zu allem bereit gewesen", räumte der Jüngste bei seiner Einvernahme ein. Tatsächlich hätten er und sein Bruder, der sich bedingt auch durch seine militärische Ausbildung selbst als "Waffennarr" bezeichnete, die Gewehre und Pistolen aber lediglich von Wien nach Linz transportieren wollen. Geladen seien sie gewesen, weil man bis zuletzt darüber diskutierte, welche Waffe beim Raub zum Einsatz kommen sollte, erklärte der 27-Jährige.

Auch die Schießübungen im Vorfeld habe es nur zur Sicherheit gegeben, um "unabsichtliche Schussabgaben" zu verhindern. Bei den Überfällen selbst habe man die Waffen nur im "äußersten Notfall" zum Einsatz bringen wollen - um mit Schreckschüssen eventuelle Verfolger zu stoppen.

Die Verhandlung vor dem Geschworenensenat ist für sechs Tage anberaumt, ein Urteil wird für den 24. Jänner erwartet. Geladen sind 40 Zeugen - darunter auch jener Wachmann, der in den Schusswechsel in Blindenmarkt involviert war - und auch drei Gutachter. Die drei Brüder bekannten sich zu Prozessbeginn großteils schuldig zu den 14 Überfällen. Den versuchten Mord bestritten die beiden Jüngeren jedoch. Ihnen drohen dafür zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft.

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