Fr, 15. Dezember 2017

"Provokation"

13.01.2011 13:54

Kräftemessen mit Wien wegen Zug nach Graz

Die Diskussion um die eingestellte IC-Direktverbindung zwischen Linz und Graz wird immer schärfer. Nun hat auch Verkehrslandesrat Hermann Kepplinger (SPÖ) Wien in die Pflicht genommen: Die Strecke gehöre zwar nicht zum Grundangebot, könne aber aus dem Topf des Bundes für Gemeinwirtschaftliche Leistungen der ÖBB finanziert werden, betonte er am Donnerstag. Das Ministerium lehnte ab, das BZÖ sprach daraufhin von einer "Provokation".

Das Ministerium konterte: Die Mittel seien für den Nah- und Regionalverkehr und folglich nicht für die Verbindung Linz-Graz, hieß es aus dem Büro von Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ).

Kepplinger hingegen verwies darauf, dass die ÖBB im Vorjahr rund 550 Millionen Euro vom Bund bekommen haben. 60 Millionen davon und damit "nur wenig" floss nach Oberösterreich. Die Argumentation, dass alles, was sich nicht rechne, zugesperrt werde, ist aus der Sicht des Landesrates nicht zulässig.

Die Verbindung Linz-Graz sei mit ihrer Fahrzeit nicht konkurrenzfähig und müsse dringend saniert werden. Oberösterreich bemühe sich gemeinsam mit der Steiermark und dem Bund um eine Vereinbarung mit den ÖBB zur Attraktivierung der gesamten Nord-Süd-Achse, sagte Kepplinger. Das solle in den kommenden drei bis vier Jahren in Angriff genommen werden.

Muss sich jede Strecke rechnen?
"Fernverkehr muss eigenwirtschaftlich funktionieren", zeigt man im Ministerium kein Verständnis. Es machte zudem darauf aufmerksam, dass die Mittel für Oberösterreich heuer ausgeweitet worden seien und nun 63 Millionen Euro betragen würden. Damit finanziere man auch täglich sieben Züge der Strecke Linz-Graz in beide Richtungen mit Umsteigen in Selzthal. Bei zusätzlichen Zahlungen müsse außerdem woanders etwas gestrichen werden, so das Infrastrukturministerium.

BZÖ-Empörung
"Jährlich werden den ÖBB über sieben Milliarden Euro an Steuergeld nachgeschmissen, und dann wird die Bahnverbindung Linz-Graz eingestellt", zeigte sich BZÖ-Landessprecher Rainer Widmann daraufhin empört. Er sprach von einer "Provokation der Sonderklasse" der Fahrgäste und besonders der Pendler. Ziel müsste sein, dass der Zentralraum von allen Bezirksstädten in weniger als einer Stunde zu attraktiven Tarifen erreicht werden könne, betonte Widmann.

Auch die FPÖ sparte nicht mit Kritik: Mit dem Aus für die Direktverbindung seien zwei wirtschaftlich wichtige Regionen Österreichs einfach getrennt worden, so FPÖ-Klubobmann Günther Steinkellner. "Damit wird langfristig ein volkswirtschaftlicher Schaden angerichtet."

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