Sa, 16. Dezember 2017

Eintiefung stoppen

13.01.2011 15:44

Umweltvereine warnen vor Projekt auf der Donau

Das "Flussbauliche Gesamtprojekt" (FGP) der via donau GmbH, das im Donauverlauf östlich von Wien geplant ist, stößt bei Umweltorganisationen auf nicht viel Gegenliebe. Die Vereine stellten am Donnerstag fest, dass das Konzept nicht dem Stand der Technik entspreche und juristisch nicht genehmigungsfähig sei. Das FGP sieht die Zugabe von Donaukies vor, um die Donausohle zu stabilisieren und Eintiefungen zu stoppen (siehe Infobox).

"Sinnvolle Verbesserungen für die Schifffahrt akzeptieren wir, eine überzogene Regulierung ist jedoch dezidiert abzulehnen", lautete die Kritik von Reinhold Christian, Präsident des Forums Wissenschaft & Umwelt. Veraltete Planungsmethoden beim FGP konstatierte Wolfgang Rehm vom WUK-Umweltbüro Virus: "Generell wurden weder Ursachen noch Ausmaß und Tendenz der Eintiefung der Donausohle korrekt erfasst. Es ist nicht erforderlich, die Donau so grob zu behandeln, wie es jetzt vorgesehen ist." Die ökologische Funktionsfähigkeit des Hauptstromes gefährdet sah Günter Schobesberger von der Bürgerinitiative Donaufreunde durch Grobschotterzugaben. Auch Irene Lucius vom WWF befürchtete eine "rücksichtslose Vertiefung der Schifffahrtsrinne" und forderte sanftere Lösungen.

Als Hauptargument gegen das flussbauliche Projekt dient den Umweltorganisationen ein wasserbautechnisches Gutachten von Hans Peter Nachtnebel (BOKU Wien). Dieses widerspricht den Prämissen der via donau und kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass "die Vorgaben zur erhöhten Fahrwassertiefe zu hinterfragen" und die angeführten Erfordernisse der Schifffahrt "nicht begründet" seien. Von einer "progressiven Eintiefung" der Donausohle könne "nicht ausgegangen werden", erklärt Nachtnebel in seiner Expertise.

"Absolutes Eingriffsverbot" in Kernzone von Nationalpark
Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes, ortete bei den Vorhaben rechtswidrige Eingriffe im Nationalpark Donau-Auen. Das Nationalparkgesetz sehe ein "absolutes Eingriffsverbot" in der Kernzone des Nationalparks vor. Dies würden auch mehrere Rechtsgutachten bestätigen, ein Gegengutachten liege nicht vor. An die rote Verkehrsministerin Doris Bures wurde appelliert, rasch und klar einen "Startschuss für verbesserte Donau-Planung" zu setzen.

"Die vorliegenden Gutachten implizieren einen juristischen Neustart der Projekte und stellen dem Projekt ein absolut vernichtendes Zeugnis aus", waren sich die Vertreter der Organisationen einig. Ohne Änderung des Nationalparkgesetzes seien weder das FGP insgesamt noch das angekündigte Pilotprojekt in Bad Deutsch-Altenburg realisierbar. Die Teilnahme an Expertengesprächen, zu denen die via donau in knapp zwei Wochen eingeladen hat, sei nur "bei Vorliegen aller bisher zurückgehaltenen Planungsunterlagen des Naturversuchs Bad Deutsch-Altenburg" sinnvoll, so Heilingbrunner: "Via donau wird mit seiner Informationspolitik Schiffbruch erleiden."

Wissenschaftler sind für flussbauliche Lösung
Mehr als 140 Wissenschaftler verschiedener Fach- bzw. Forschungsdisziplinen (vom Wasserbau bis zur Ökologie) der Universität Wien, der TU Wien und der Universität für Bodenkultur befassten sich ebenfalls mit dem Thema. Sie treten – ebenso wie die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates des Nationalparks Donau-Auen - für eine flussbauliche Lösung der Eintiefungsproblematik ein.

Gar nichts zu tun, verschlechtert Situation
"Damit soll einmal mehr die Notwendigkeit dieses bedeutenden wasserbaulichen Pilotvorhabens bekräftigt werden", hieß es von Seiten der Wissenschaftler. Neuerdings lancierte "Vorschläge, in absehbarer Zeit gar nichts zu tun, würden die Situation unhaltbar verschlechtern". Aus Sicht der Wissenschaftler ist es "an der Zeit, zur Bekämpfung der Sohleintiefung die eigens für die frei fließende Strecke östlich von Wien entwickelte Sohlvergröberung (Granulometrische Sohlverbesserung) der Donau im Rahmen des vorgesehenen Pilotprojektes bei Bad Deutsch-Altenburg zu erproben, um dringend notwendige, wissenschaftlich untermauerte Erkenntnisse für weitere Maßnahmen zu gewinnen". Weitere Verzögerungen würden die negativen Folgen der Eintiefung verschärfen - insbesondere die Austrocknungstendenzen im Nationalpark Donau-Auen.

Speziell im Rahmen des Leitungsausschusses des FGP seien sehr viel Know-how und Forschungsleistung in die Rettung der Donau-Auen bzw. der frei fließenden Donaustrecke und nachhaltige Nutzungsperspektiven eingeflossen. Dass der Schutz des Lebensraums und die Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse kein Widerspruch sein müssten, betone auch die Internationale Kommission zum Schutz der Donau (IKSD) in ihrer jüngsten Resolution. "Ohne das Pilotprojekt ist eine flussbauliche Lösung des Problems der Eintiefung nicht realisierbar", so die Wissenschaftler, die für eine "rasche Umsetzung der geplanten Arbeiten am Fluss" eintreten.

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