Di, 21. November 2017

Mangelnde Hygiene?

12.01.2011 15:34

Fälle von Noroviren schon in sechs Spitälern in NÖ

Nach mehreren bestätigten Fällen von Noroviren im Landesklinkum Krems zu Beginn der Woche sind am Mittwoch weitere Infektionen in St. Pölten, Melk und Zwettl bekannt geworden. Verdachtsfälle wurden außerdem auch aus Waidhofen an der Thaya und Wiener Neustadt gemeldet. Helga Krismer, Gesundheitssprecherin der Grünen, macht den Gesetzesdschungel und lockeren Umgang der Behörden dafür verantwortlich und stützt sich dabei auf den jüngsten Bericht des Landesrechnungshofs "Sanitäre Aufsicht der NÖ Landeskliniken".

Im Landeskrankenhaus Melk wurde am Mittwoch ein Fall von Nororviren bestätigt, der betroffene Patient befände sich in Isolierung, wie Christa Hehn vom LKH Melk im Gespräch mit noe.krone.at am Vormittag mitteilte. Drei Fälle wurden mittlerweile auch in der Landesklinik St. Pölten bestätigt, "alle hygienischen und medizinischen Maßnahmen wurden eingeleitet", so Irmgard Höllmüller am Mittwochnachmittag. In Zwettl konnte ein Fall bestätigt werden. Drei Verdächtsfälle gibt es außerdem in den Landeskliniken Waidhofen an der Thaya und zwei in Wiener Neustadt.

Die niederösterreichische Landeskliniken-Holding hatte zuvor am Montag mehrere Fälle von Noroviren im Landesklinikum Krems bestätigt. Insgesamt waren in der vergangenen Woche neun Patienten betroffen gewesen, hieß es in Krems. Die Hygienemaßnahmen im Spital seien entsprechend verstärkt, die Betroffenen in einem eigenen Zimmer isoliert worden.

Maßnahmen "insgesamt noch verbesserungswürdig"
Der Landesrechnungshof war in seinem jüngsten Bericht zu diesem Thema im vergangenen Dezember zu dem Schluss gekommen, dass sich die sanitäre Aufsicht in Niederösterreich durch fachliche Qualität und persönlichen Einsatz auszeichne, die Organisation selbiger und die Umsetzung der sanitätsbehördlichen Maßnahmen jedoch "insgesamt noch verbesserungswürdig" seien.

Empfohlen wurden unter anderem eine Standardisierung in Form von Checklisten und ein systematischer Plan für Einschauen und Erhebungen nach Art und Größe der Krankenhäuser. Die Landesregierung sagte in ihrer Stellungnahme zum Rohbericht eine Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen zu.

"Jede Wurst wird besser kontrolliert"
Kritik an den Hygiene-Standards an Niederösterreichs Krankenhäusern kam am Mittwoch von den Grünen. Laut Gesundheitssprecherin Krismer würden die gesetzlichen jährlichen Kontrollen der Spitäler nicht durchgeführt werden, die Beteiligung aller Organe sei nicht gegeben und von Qualitätssicherung sei das Land leider weit entfernt. "Jede Wurst wird von den Behörden besser kontrolliert als die sanitären Zustände in den Spitälern", so die Gesundheitssprecherin. Gesetzeswidriges Vorgehen des Landes Niederösterreichs durch Unterlassung der jährlichen Kontrollen, sei aus Sicht der Patienten nicht zu tolerieren", so Krismer.

VP:  "Unnötige Panikmache" von den Grünen
Die Kritik der Grünen wies der Gesundheitssprecher der VP, Hermann Haller, am Mittwoch als "unnötige Panikmache", die nur die Patientinnen und Patienten verunsichern würde, zurück. "Denn hätte Krismer den Bericht des Landesrechnungshofs wirklich gelesen, dann wüsste sie, dass die Kritik nur auf den organisatorischen Ablauf der behördlichen Kontrollen bezogen ist und nicht auf die sehr guten Hygienestandards, die wir in den NÖ Landeskliniken haben", so Haller. "Der Landesrechnungshof hat nie die hygienischen Zustände in den Landeskliniken bemängelt, sondern lediglich, dass es noch Doppelgleisigkeiten bei den Kontrollen gibt. Hier ist man gerade dabei diese abzustellen und die Überprüfung der Landeskliniken weiter zu optimieren", führte der VP-Gesundheitssprecher aus.

"Noroviren treten gehäuft in den Wintermonaten [...] auf"
Für Christoph Aspöck, den Leiter des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie im Landesklinikum St. Pölten, ist diese Häufung an Noroviren-Infektionen um diese Jahreszeit nichts ungewöhnlich. "Noroviren treten gehäuft in den Wintermonaten und überall dort auf, wo sich viele Menschen auf engstem Raum aufhalten. Eine Übertragung der Virusinfektion kann innerhalb und außerhalb der Spitäler erfolgen", erklärte Aspöck.

Noroviren sind die häufigste Ursache von Brechdurchfall in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Seniorenheimen. Die Erreger sind sehr ansteckend und werden durch Schmierinfektion leicht von Person zu Person übertragen. Selten wird das Virus auch über nicht erhitzte Speisen weitergegeben. Üblicherweise setzen die Beschwerden bis zu 48 Stunden nach der Ansteckung ein und klingen nach ein bis zwei Tagen wieder ab.

Symbolbild

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