Mi, 13. Dezember 2017

Drama bei Schwechat

07.01.2011 11:11

48-Jähriger tötet eigenen Vater mit 13 Messerstichen

Für die Kriminalisten sind die Erhebungen zur Bluttat in einem Einfamilienhaus in Schwechat (Bezirk Wien-Umgebung) vom Donnerstag abgeschlossen. Der 48-jährige Verdächtige ist geständig, seinen Vater mit einem Küchenmesser getötet zu haben. Zwei der Stiche waren tödlich, sie durchtrennten Hauptgefäße und trafen das Herz.

Der 78-Jährige ist innerlich verblutet, erläuterte Leopold Etz vom Landeskriminalamt am Freitag das Obduktionsergebnis. Die Leiche wies letztlich 13 Stichverletzungen auf, acht davon am Oberkörper: Vier Stiche trafen das Opfer von vorn, zwei seitlich und zwei von hinten. Fünf Schnitte an den Händen entstanden durch Abwehrversuche des Angegriffenen. Der 78-Jährige brach unmittelbar nach der Attacke zusammen.

"Öko-Katastrophe" als Auslöser für Wutausbruch
"Der Smog aus den Schornsteinen unserer Nachbarn ist giftig und raubt mir den Schlaf" - so beklagte sich der mutmaßliche Täter am Morgen des Dreikönigstages gegen 7.30 Uhr in der elterlichen Küche wieder einmal bei seiner Mutter über die bedrohliche Umwelt. "Abgase, Rauch, Hausbrand - eine einzige Öko-Katastrophe!"

Und: Es sei ganz klar, dass sich durch die Abgase der Anrainer auch seine Tinnitus-Erkrankung verschlechtere. Doch während die Mutter dann das Frühstück servierte und das einstige Wunderkind mit gutem Zureden zu beruhigen versuchte, steigerte sich der Sohn - von Anrainern als "schrulliger, wirrer Nachbarsbub" beschrieben - immer weiter in seinen Wahn hinein.

Mit 30-Zentimeter-Messer zugestochen
Schon mehrmals soll es in dem schmucken Einfamilienhaus mit paradiesischem, weitläufigem Garten zu solchen Schrei-Anfällen des Juniors gekommen sein. Doch diesmal rastete der Ex-Computer-Experte aus. Denn als der vom Geschrei geweckte Vater den Tobenden zur Vernunft bringen wollte, eskalierte die Situatuion. Der Sohn soll zu einem rund 30 Zentimeter langen Küchenmesser gegriffen und auf den Papa eingestochen haben - insgesamt 13 Mal. Obwohl dieser sich mit den Händen vor der Klinge schützen wollte, brach er schließlich tödlich verletzt zusammen.

Erst jetzt wurde dem Tobenden offenbar klar, was er angerichtet hatte, und er alarmierte selbst die Polizei. "Obgleich Rettung und Polizei zehn Minuten später eintrafen, gab es keine Hilfe mehr für den 78-jährigen Pensionisten", so Chefermittler Leopold Etz.

Verdächtiger vermutlich süchtig nach Medikamenten
Tragischer Hintergrund des Dramas dürfte die Erkrankung und der damit verbundene berufliche Abstieg des Ex-Computergenies sein. 2002 erkrankte er an Tinnitus, verlor seinen Job und ist seit 2006 arbeitsunfähig. Wohlumsorgt, aber offenbar von Medikamenten abhängig - lebte er fortan als Eigenbrötler im "Hotel Mama".

Der 48-Jährige wurde festgenommen, die Staatsanwaltschaft ordnete die Einlieferung in die Justizanstalt Korneuburg an. Da der Verdächtige einen psychischen Ausnahmezustand als Auslöser genannt hatte, wurde er vom Polizeiamtsarzt untersucht. Dieser bestätigte die Haftfähigkeit, stellte aber die Deliktfähigkeit des Mannes infrage. Dazu müssten wohl Gutachten eingeholt werden, angezeigt werde er jedenfalls wegen Mordverdachts, sagte Chefinspektor Etz. In psychiatrischer Behandlung sei der Verdächtige nicht gewesen.

von Christoph Matzl (Kronen Zeitung) und noe.krone.at

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