Mi, 22. November 2017

„Mit großer Freude“

24.12.2010 11:25

Stille Weihnachten im Trappisten-Kloster

Die Trappistenmönche von Engelszell haben im oberen Donautal in ihrem anno 1293 gegründeten Kloster seit jeher ein sehr zurückgezogenes und schweigsames Leben geführt. Nur noch sieben Ordensbrüder hüten heute das Stift. Den Heiligen Abend feierten sie in Stille mit Gebet und in Bescheidenheit. "Aber, wie alle Jahre wieder, alle mit einer großen innerlicher Freude", erzählte Abt Marianus Hauseder (74) der "OÖ Krone".

Die Engelszeller Trappisten leben in Schweigen und Askese. Sechs Mal täglich, erstmals um 4 Uhr früh, versammeln sich die weiß gekleideten "Zisterzienser von der strengeren Observanz", so ihr Ordensname, zum gemeinsamen Gebet. Am Heiligen Abend zogen sie nach der Abendvesper von der Kapelle, "Sankt Josef geht von Tür zu Tür" singend und eine kleine Krippe tragend, in einer Prozession in ihren Speisesaal. Wo Abt Marianus seinen Mitbrüdern "Frohe Weihnachten" wünschte und auf jeden Mönch ein kleines Weihnachtsgeschenk wartete – ein Sackerl mit Keksen und Orangen. Um Mitternacht wurde in der Stiftskirche die Christmette gefeiert.

Abt Marianus, Ordenseintritt 1964, erinnert sich noch sehr gut an seine erste Weihnachten bei den Trappisten, als er in der Stille und Einsamkeit des Klosters Traurigkeit empfand: "'Das soll Weihnachten sein?', habe ich mich beim Herrn beklagt. Doch beim Blick auf eine kleine Krippe spürte ich etwas. Genügt es dir nicht, dass ich da bin, schien Gott mir zu sagen. Und plötzlich fühlte ich mich sehr glücklich."

Der sehnliche Weihnachtswunsch des Abtes? "Die Heilige Familie möge bitte doch unserem Kloster Nachwuchs senden", sagt er andächtig und bittend. Der legendenumrankte Orden, von dem früher behauptet wurde, dass die schweigsamen Mönche in Särgen schliefen, droht in Engelszell auszusterben. 73 Mönche zählte das Stift in seiner letzten Blütezeit vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. "Wenn der Herr will, dann wird unser Kloster weiterleben. Wenn nicht, werden wir die Letzten sein", sagt Abt Marianus hoffend und gottergeben zugleich.

von Max Stöger, "OÖ Krone"

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