Do, 14. Dezember 2017

Streit ums Fortgehen

22.12.2010 15:29

Partnerin erstochen - zu acht Jahren Haft verurteilt

Nicht des Mordes an seiner 13 Jahre älteren Lebensgefährtin, sondern wegen Totschlags ist ein 58-jähriger Niederösterreicher am Mittwoch am Landesgericht Wiener Neustadt schuldig gesprochen worden. Der Mann, bei dem in der U-Haft eine schwere Krebserkrankung festgestellt worden ist, wurde zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab - es ist somit nicht rechtskräftig.

Staatsanwältin Barbara Sengstschmid warf dem Beschuldigten vor, der Frau am 14. Juni in Pottenstein (Bezirk Baden) mit einem Nudelholz ein Dutzend kräftige Schläge auf den Kopf versetzt zu haben. Als sie zusammenbrach, habe er mit einem 35 Zentimeter langen Küchenmesser in ihren Bauch gestochen. Er kümmerte sich nicht um das Opfer - die Frau verblutete qualvoll erst nach einigen Stunden. Sie könnte noch am Leben sein, wenn er die Rettung verständigt hätte, so Sengstschmid. Der Tat war ein Streit vorausgegangen, weil der 58- Jährige noch fortgehen hatte wollen.

Angeklagter und Opfer kannten sich seit acht Jahren
Sichtlich von seiner Krankheit gezeichnet gab der Angeklagte zu Prozessbeginn Auskunft über sein Leben. Der gelernte Maurer ist seit langem geschieden und seit sieben Jahren arbeitslos. Das spätere Opfer kannte er seit rund acht Jahren näher: Er habe ihr immer geholfen, für sie gekocht und Wäsche gewaschen, öfter bei ihr gewohnt. Die - wohl problem- und alkoholbehaftete - Beziehung bestand seit vier Jahren.

Getötete soll schizophren gewesen sein
Der 58-Jährige beschrieb die Frau als eigentlich gutmütig, nur wenn sie ihre Medikamente nicht nahm, "drehte sie durch". Dann habe sie ihm "ein paar runter gehaut", einmal einen Aschenbecher auf seinen Kopf geschlagen und eine Blumenvase geworfen, verwies der Angeklagte darauf, dass die Frau schizophren und auch dreimal "in Gugging" (Landesnervenklinik) gewesen war. Seinen täglichen Alkoholkonsum bezifferte er mit durchschnittlich sieben Bier.

Angeklagter nach Messerattacke regelrecht erleichtert
An jenem Montag im Juni war das Paar einkaufen und im Gasthaus gewesen, zu Mittag daheim und dann noch einmal in einem Cafe. Dass die Frau nach der Rückkehr in die Wohnung seine und ihre Schlüssel versteckte, habe ihn zornig gemacht, räumte er auf Richterfrage ein, dass er weg wollte, weil kein Bier mehr da war. Dann sei die 71-Jährige, die dabei war, in der Küche ein Hendl zu zerlegen, mit dem Messer auf ihn los gegangen, worauf er den Nudelwalker nahm und zuschlug. "Ich hab' geglaubt, sie will mich abstechen", versuchte der Angeklagte, eine Notwehrsituation glaubhaft zu machen. "Die Frau war 71 Jahre, 1,56 Meter groß und bereits niedergeschlagen", meinte der Richter und hielt ihm von dieser Version divergierende frühere Aussagen vor, wonach er auf die reglos am Boden Liegende einstach und danach regelrecht erleichtert gewesen sei.

Frau erst nach Stunden verblutet
Aus psychiatrischer Sicht war und ist der Angeklagte zurechnungsfähig. Sein chronisch schädlicher Alkoholkonsum, an den er gewöhnt war, habe keine körperliche Abhängigkeit erzeugt und seine geistige Leistungsfähigkeit nicht gemindert. Gerichtsmediziner Wolfgang Denk betonte wie die Staatsanwältin zuvor, dass der Tod der Frau zu verhindern gewesen wäre: Sie verblutete erst nach Stunden. Der Stich hatte die Leber zersetzt und die Milz verletzt. Von den Schlägen mit dem Nudelwalker, dessen Griff dabei sogar abbrach, zeugten elf Rissquetschwunden und eine Hautabschürfung am Kopf.

Der Sachwalter hatte damals die Exekutive verständigt, weil die Frau ihrer Pflegerin zwei Tage lang nicht geöffnet hatte. Die Polizei fand die Tote am 16. Juni im Vorzimmer der - verwahrlosten - Wohnung auf dem Bauch liegend. Auf eine Videovorführung der Tatrekonstruktion wurde verzichtet.

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