So, 22. Oktober 2017

2,8 Mio. € einkassiert

14.12.2010 17:53

Haftstrafe für Ex-Anwalt Friedrich L. deutlich erhöht

Ein Berufungssenat des Oberlandesgerichts Linz hat am Dienstag die bisher vierjährige Haftstrafe für den früheren Salzburger Wirtschaftsanwalt Friedrich L. (60) wegen Veruntreuung von 2,8 Millionen Euro an Klienten-Geldern um ein Jahr auf fünf Jahre unbedingte Haft erhöht. Die Strafe für seine Freundin Brigitte H. (41), mit der er acht Jahre lang bis Juli 2009 in der Toskana untergetaucht war, wurde von zwei Jahren teilbedingt - davon acht Monate unbedingt - auf zweieinhalb Jahre unbedingte Haft erhöht.

Entscheidend für die Erhöhung der Strafen sei die massive Schadenshöhe gewesen, argumentierte Senatsvorsitzender Karl Bergmayr bei der Verhandlung am Landesgericht Salzburg. Brigitte H., die wegen Beitragstäterschaft verurteilt worden war, habe einen großen Teil des entstandenen Schadens mitzuverantworten, sagte der Vorsitzende. Mit ihrer Berufung gegen den Schadenersatz-Zuspruch von rund 1,7 Millionen Euro ist die Lebensgefährtin des Ex-Anwaltes nun jedenfalls abgeblitzt. Im Fall des Hauptangeklagten Friedrich L. waren die angemeldeten Forderungen der Privatbeteiligten bereits im Strafprozess auf den Zivilrechtsweg verwiesen worden, da noch ein Konkursverfahren anhängig ist.

Staatsanwaltschaft war Strafe zu mild gewesen
Der Staatsanwaltschaft Salzburg war das Strafmaß der beiden erstinstanzlichen Urteile des Landesgerichts Salzburg vom 28. Juni 2010 zu mild, deshalb hatte sie Berufung angemeldet. Da bei Brigitte H. die Auslieferungs- und die Untersuchungshaft angerechnet wurden, musste sie nach ihrer Verurteilung im Juni nicht mehr hinter Gitter. Nun wird sie bald eine Aufforderung zur Haft erhalten.

Die abgezweigten 2,8 Millionen Euro stammten von 14 Privatpersonen und drei Immobilienfirmen, die Klienten des Wirtschaftsanwaltes waren. Rund 1,2 Millionen Euro an Vermögenswerten wurden sichergestellt. Friedrich L. hatte sich bei dem Prozess im Juni (Bild) geständig gezeigt und seine Freundin entlastet. Er allein habe die Idee zur Flucht gehabt und H. nur etwas vorgegaukelt. Sie bekannte sich auch nur der Hehlerei schuldig. Als Beitragstäterin sah sie sich nicht.

Mit 1,8 Mio. Euro im Koffer in die Toskana geflohen
Vor seiner Flucht im Oktober 2001 hatte der Jurist noch falsche Fährten gelegt und hohe Geldsummen auf verschiedenen Konten in Deutschland, England, Italien und Liechtenstein gebunkert. Mit rund 1,8 Millionen Euro im Koffer ging es schließlich in die Toskana, wo das Paar unter falscher Identität ein neues Leben begann. Die beiden gründeten eine Kapitalgesellschaft und betrieben eine Pension. Sie gaben sich als "Franz Maringer" beziehungsweise "Barbara Marta" aus und konnten sich in das gesellschaftliche Leben der Region integrieren. Laut Staatsanwalt Oliver Schoßwohl lebten sie "von den veruntreuten Geldern, der Vermietung der Appartements und einer Segeljacht sowie vom Verkauf von Olivenöl".

Am 30. Juli 2009 nahm dieses neue Leben ein plötzliches Ende: Bei einer Kontrolle der Pension in Reggello durch die Finanzpolizei wurden sie erkannt. Das Duo wurde inhaftiert und einige Monate später nach Salzburg ausgeliefert. Der Ex-Anwalt teilt sich die Zelle in der Salzburger Justizanstalt anscheinend mit dem kroatischen Ex-Premier Ivo Sanader (siehe Infobox), der am vergangenen Freitag in Salzburg verhaftet wurde und nach Kroatien ausgeliefert werden soll.

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