So, 22. Oktober 2017

Bub lebt im Kosovo

10.12.2010 10:23

Maishofener Mann organisiert Hilfe für krebskrankes Enkerl

Das Bundesheer hat am Donnerstag in einer humanitären Hilfsaktion einen 13-jährigen an Oberschenkelknochen-Krebs erkrankten Schüler aus dem Kosovo mit einem Transportflugzeug nach Österreich gebracht. Ärzte des Salzburger Landeskrankenhauses bereiten den Patienten für eine Operation im AKH Wien vor, wo ihm am 15. Dezember ein Hüftpfannen-Implantat mit Motor eingesetzt wird. Das Schicksal von Lindrit Ramadani wurde durch seinen Großvater David Dauti bekannt, der in Maishofen im Pinzgau wohnt.

Im August 2007 wandte sich der Pensionist verzweifelt an Vizebürgermeisterin Erika Bichler und schilderte unter Tränen, dass sein Enkel im Kosovo nicht mehr behandelt werden könne. Bichler setzte alle Hebel in Bewegung, um zu helfen - so bat sie die Salzburger Landeskliniken (SALK) und Landeshauptfrau Gabi Burgstaller um Unterstützung. "Lindrit ist damals in kürzester Zeit vom Roten Kreuz in München abgeholt und ins Salzburger Landeskrankenhaus gebracht worden. Er war gelb wie ein Kürbis, vollgepumpt mit viel zu viel Chemo", erzählte die Initiatorin der Hilfe.

Flüge waren nicht mehr finanzierbar
Noch im selben Jahr bekam Lindrit im AKH Wien eine Wachstumsprothese. Der vom Krebs befallene Oberschenkelknochen wurde samt der Hüfte entfernt und durch ein Metallstück ersetzt. Da sich der Bub im Wachstum befindet, muss die Prothese immer wieder mit einer Schraube nachgedreht werden. Für diese operativen Eingriffe reiste Lindrit regelmäßig mit Unterstützung des Sozialfonds der Gemeinde Maishofen nach Österreich. Doch das "Nachschrauben" habe nicht so gut funktioniert wie erwartet. "Er konnte das Bein nicht mehr abbiegen und auch nicht mehr die Schule besuchen", erzählte Bichler. Zudem waren die Flüge nach Österreich nicht mehr finanzierbar. "Seine Mutter ist Witwe aus dem Kosovo-Krieg, das Einkommen des Großvaters liegt unter der Mindestrente."

Die Vizebürgermeisterin bat daher das Bundesheer um Hilfe und stieß beim Streitkräfteführungskommando in Graz auf offene Ohren. Lindrit wurde im Jänner 2010 erneut nach Österreich gebracht und in den SALK therapiert. Professor Martin Dominkus von der Universitätsklinik für Orthopädie in Wien sprach sich aber für ein Hüftpfannen-Implantat aus. Der regelmäßige Eingriff ist dadurch nicht mehr nötig. Nun landete Lindrit am Donnerstag in einer Hercules des Heeres in Linz-Hörsching. Dass er bei einem der regelmäßigen Versorgungsflüge im Rahmen des Auslandseinsatzes im Kosovo an Bord sein durfte, "ist eine humanitäre Geste. Zu helfen ist ein wichtiger Auftrag des Bundesheers", betonte der Salzburger Militärsprecher Gerald Gundl.

Ab Dienstag im AKH Wien
Der Teenager wird am 14. Dezember im AKH Wien stationär aufgenommen und bleibt dort bis zum 23. Dezember. Das Geld für die Operation und den Spitalsaufenthalt stammt aus dem Fonds für humanitäre Hilfe der Stadt Wien. Noch vor dem Heiligen Abend wird Lindrit vom Roten Kreuz nach Salzburg überstellt. "Er wird über Weihnachten bei uns bleiben", so SALK-Sprecherin Mick Weinberger.

Renommierte Unterstützer
Für die medizinische Vor- und Nachbehandlung der Operation kommen die Salzburger Landeskliniken auf. Die 11.000 Euro für das Implantat bringt der Lions Club auf, die 3.500 Euro hohe Kaution für die Funksteuerung zahlt Red Bull. Während der ambulanten Nachbehandlung wohnt Lindrit im Salzburger "Ronald McDonald Haus". Danach kehrt der Bub zu seiner Mutter in den Kosovo zurück. Sie konnte wegen der verschärften Visum-Bestimmungen nicht nach Österreich kommen. "Viele Hände haben geholfen, dass einem Kind ein normales Leben ermöglicht wird", schöpft Bichler Hoffnung.

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