Mo, 18. Dezember 2017

Kosten explodiert

10.12.2010 09:55

Rechnungshof-Kritik an hoher Gage für Müllchef Steger

47 Seiten hat der brandneue Bericht des Rechnungshofes über das Abfall-Imperium von Siggerwiesen – es ist eine Abrechnung mit der Ära des Ex-Chefs Kurt Steger. Er verdiente mehr als die Landeshauptfrau, kassiert eine Traumpension und gab auch Geld recht locker aus. Die Kunden bezahlen das durch ihre Müllgebühren.

15.912 Euro im Monat – das Bruttogehalt der Landeshauptfrau. Und zugleich die Obergrenze für Bezüge in öffentlichen Betrieben. Aber in der SAB (Salzburger Abfallbeseitigung) von Siggerwiesen gab sich der langjährige Chef Kurt Steger mit so einem Lohn nicht zufrieden.

Vertrag ohne Ausschreibung verlängert
Er kassierte gleich dreimal: Bei der SAB und als Chef im Reinhalteverband und auch im Wasserverband. Mit seinem Dreifachbezug lag Steger ganz "deutlich über den höchsten Bezügen der politischen Funktionäre des Landes", stellte der Rechnungshof entsetzt fest. Auch in der Rente muss der Ex-Müll-Manager nicht darben: Er hat eine Pension als Senatsrat, weil er im Magistrat freigestellt und ans Müll-Reich "verliehen" war, aber alle Vorrückungen erhielt. Und eine Zusatzpension aus Siggerwiesen, die laut Prüfern "wesentlich" über den üblichen Werten liegt. Als Stegers Vertrag Ende 2004 um elf Monate verlängert wurde, passierte auch das "ohne Ausschreibung" – also gesetzwidrig.

Kosten von Informationszentrum explodierten
Dabei führte Steger auch den Aufsichtsrat in Siggerwiesen an der Nase herum. 2004 plante er ein "Umwelt-Informationszentrum". Das sollte 650.000 Euro kosten – 400.000 der Bau, 250.000 die "multimediale Ausstattung". Der Aufsichtsrat sagte Nein: Mehr als 515.000 Euro werden nicht genehmigt, wurde festgelegt. Doch schon bei der Ausschreibung wurden die Kosten um 30 Prozent überschritten – weil eine Teeküche und ein behindertengerechtes WC eingebaut wurden, wiegelte Steger ab. Bis zur Eröffnung im September 2005 schnalzten die Kosten auf unglaubliche 883.000 Euro hinauf – 71 Prozent mehr als genehmigt.

Auch fürs Personal gab es Zuckerln: Die Arbeiter-Löhne liegen im Schnitt um 38 Prozent über dem Kollektivvertrag, die der Angestellten um satte 15,5 Prozent. Das liegt unter anderem an freiwilligen Biennal-Sprüngen um je 5 Prozent, die Steger eingeführt hatte.

Josef Pultar, der neue Siggerwiesen-Chef, erhält deutlich weniger Gehalt als sein Vorgänger – er schreibt jetzt Gewinne im Müll-Konzern, kämpft aber noch immer gegen die hohen Personalkosten, die Steger hinterließ. FP-Klubobmann Andreas ist entsetzt über "diese teuren Privilegien. Da muss unbedingt hart gespart werden. Denn die Kosten müssen alle Salzburger mit ihren Abfallgebühren bezahlen!"

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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