Do, 23. November 2017

„Krone“-Interview

06.12.2010 16:36

„Wirtschaft überschätzt den Linzer Flughafen“

Der Blue Danube Airport ist in heftige Turbulenzen geraten. Gerade erst wurde die Destination München gestrichen. Im Interview erzählt Flughafen-Chef Gerhard Kunesch, wie der Provinz-Airport künftig als kleines Rädchen im Flugverkehr laufen soll und warum er sich von der Wirtschaft überschätzt fühlt.

"Krone": Nach Brüssel, Berlin, Stuttgart, Köln, Zürich und Barcelona wurde jetzt auch noch München aus dem Flugplan gestrichen. Steht der Linzer Airport gar vor dem 'Absturz'?
Gerhard Kunesch: Nein, der Flughafen Linz wird nicht abstürzen. Der Verlust der Destination schmerzt aber natürlich. Die Verbindung Linz-München stand am Prüfstand, wir haben es drei Jahre lang probiert, aber es gab einfach zu hohe finanzielle Einbußen.

"Krone": Wirtschaft und Politik lassen angesichts des Streichprogrammes aber jetzt kein gutes Haar an Ihnen als Flughafen-Chef.
Kunesch: Man überschätzt meine Möglichkeiten und die eines Flughafens. Wir versuchen den Airlines permanent Linz schmackhaft zu machen. Die Kunden und somit auch die Wirtschaft haben es aber selbst in der Hand mehr zu fliegen.

"Krone": Hat der Provinz-Flughafen angesichts dieser Turbulenzen überhaupt noch eine Berechtigung?
Kunesch: Ja, der Flughafen wird auf jeden Fall gebraucht. Außerdem sind wir ja auch um 12 Prozent gewachsen und damit geht es wieder steil bergauf.

"Krone": Wie wollen Sie die Passagierzahlen ankurbeln?Kunesch: Unser Ziel ist es Zürich als Zielflughafen und damit als bessere Alternative zu München zu gewinnen. Wobei es momentan noch ein Wunsch ist, diese Destination in den Sommerflugplan aufzunehmen.

"Krone": Das heißt, der Blue Danube Airport soll künftig nicht nur als kleines, sondern auch wichtiges Rädchen im Flugverkehr laufen?Kunesch: Genau dort wollen wir hin. Wichtig ist, dass wir uns in Österreich gut positionieren. Unsere Möglichkeiten sind aber limitiert, da das Passagierpotenzial nun mal in Oberösterreich nur bei knapp zwei Millionen liegt. Wir müssen uns damit abfinden, dass wir keine Großstadt wie Wien mit 1,8 Millionen Einwohnern haben – da würde die Situation sicher gleich ganz anders aussehen.

"Krone": Trotzdem lassen sich die Turbulenzen nicht verleugnen. Die unregelmäßigen Öffnungszeiten des Flughafenrestaurants deuten nicht unbedingt auf einen neuen Höhenflug hin.
Kunesch: Wir machen das Geschäft, wenn es möglich ist. Es werden ja nicht nur bei uns Flüge gestrichen. In Zeiten, wo es keine politischen Verpflichtungen mehr gibt, die Bundesländer anzubinden, versuchen wir nichts mehr mit Biegen und Brechen. Es muss sich rechnen.

Kronen Zeitung

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