So, 17. Dezember 2017

Touristen vs. Natur?

30.11.2010 13:39

Konkrete Pläne für eine Seilbahn auf den Gaisberg

Über 80 Jahre nach dem Aus für die Zahnradbahn auf den knapp 1.300 Meter hohen Gaisberg bei Salzburg liegen nun wieder konkrete Pläne für eine Seilbahn auf dem Tisch. Der Wiener Projektentwickler Hubert Czernin möchte bereits ab dem Sommer 2012 mit einer Gondelbahn jährlich eine halbe Million Menschen auf den Salzburger Hausberg befördern. Den zu erwartenden Widerstand der Stadt ist er dabei umgangen...

Schon beim Auftauchen der ersten Ideen hatte Bürgermeister Heinz Schaden (SP) abgewunken und das Projekt als "nicht bewilligungsfähig" bezeichnet. Doch der hat laut Czernin beim Vorhaben überhaupt nichts mitzuplaudern. Denn die Bergstation soll ausgerechnet auf dem einzigen winzigen Eck des Gipfelplateaus stehen, das auf dem Gebiet der Gemeinde Koppl und nicht jenem der Stadt Salzburg liegt.

Bedarf an Seilbahn scheint gegeben
Grundsätzlich dürfte der Bedarf für eine Seilbahn gegeben sein: Bei Schönwetter oder auch bei Nebel unten in der Stadt wälzt sich permanent eine lange Blechkolonne die Straße zum Gipfel empor, die Parkplatzsuche gestaltet sich oft schwieriger als in der Innenstadt. Czernin sprach sich daher - wenig überraschend - für eine Sperre der Straße aus - eine Forderung, die von den Grünen immer wieder kommt. Außerdem gebe es die Seilbahn-Tickets im Vergleich zu anderen Bahnen zum "Sozialtarif": 9,90 Euro für Bus-Shuttle, Berg- und Talfahrt, wenn man via Internet eine eigene Card bestellt.

Talstation soll in Koppler Ortsteil errichtet werden
Die Talstation soll im Ortsteil Guggenthal bei der denkmalgeschützten Brauerei errichtet werden, wo der Geschäftsmann eine Revitalisierung des alten Guts samt Braugasthof plant. Die gesamte Seilbahntrasse verläuft auf Koppler Boden, Grundeigentümer ist zu einem Drittel der Investor selbst, der Rest gehört den Bundesforsten, mit denen er bereits Vorvereinbarungen getroffen habe. Zehn Millionen Euro soll die Errichtung der Bahn kosten, bis Ende 2011 will der Wiener alle Bewilligungen haben und sie Mitte 2012 in Betrieb nehmen.

Um weitere 2,5 Millionen werden noch sieben Busse angeschafft, mit denen die "Gipfelstürmer" aus der Stadt nach Guggenthal transportiert werden. Die Bergstation wird auch gastronomische Einrichtungen beinhalten. Gerne würde Hubert Czernin dann auch noch das Plateau umgestalten, weil das einer Mehrheit der Salzburger nicht gefalle und er selbst auch noch "gastronomischen Handlungsbedarf" ortet. Allerdings hat das die Stadt Salzburg gepachtet. Und von einem Gespräch mit Bürgermeister Schaden könne der Unternehmer derzeit nur berichten, dass es stattfand.

Bürgermeister Schaden reagiert empört
Schaden reagierte am Dienstag allerdings empört über die Vorgangsweise des Seilbahn-Projektanten: "Zu versuchen, mithilfe des Koppler Bürgermeisters die Stadt Salzburg auszuhebeln, das ist keine Art. Also, mich hat er jetzt zum Gegner, ich sag's ganz offen, da krieg' ich einen Grant", so der Stadt-Chef. Die Stadt werde der drohenden Zerstörung des Naherholungsgebietes Gaisberg nicht tatenlos zuschauen. Die Bergstation müsse jedenfalls "sehr weit den Hang hinunter" errichtet werden, um auch unterirdisch nicht auf Salzburger Stadtgrund zu gelangen. "Und dann stehen die 2.000 Gäste, die stündlich kommen sollen, irgendwo im Wald."

Die Stadt werde von dort sicher keine Zugänge zum Gipfelplateau errichten. "Außerdem fehlt da oben die Infrastruktur für eine halbe Million Menschen im Jahr." Und eine Baugenehmigung werde es in der Grünlanddeklaration nie und nimmer geben, da seien "alle heiligen Eide" drauf geschworen worden. Die Stadt habe sich gegen Massentourismus auf dem Gaisberg ausgesprochen und erst kürzlich mit finanziellem Aufwand den Gipfelbereich renaturiert, so der Bürgermeister, der neben der SP auch den Großteil der Bürgerliste (die Grünen in der Stadt) in dieser Frage hinter sich zu wissen glaubt, also eine Mehrheit im Gemeinderat.

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