Mo, 18. Dezember 2017

Festspiele 2011

10.11.2010 14:34

Anna Netrebko soll als "Iolanta" die Besucher erfreuen

Markus Hinterhäuser - seit September Interims-Intendant der Salzburger Festspiele - hat am Mittwochvormittag sein Opernprogramm für den Festspielsommer 2011 (27. Juli bis 30. August) präsentiert. Zentrale Neuproduktion ist Giuseppe Verdis "Macbeth" in der Regie von Peter Stein und dem Dirigat von Riccardo Muti.

"Es war nicht einfach, diese beiden geschmeidig zueinander zu führen", erläuterte Hinterhäuser. "Das hat mich ein paar Monate gekostet. Muti und Stein leiden ja beide nicht an einem unterentwickelten Ego. Aber bei Proben in Mutis Haus in Ravenna sind sie einander nahe gekommen", so Hinterhäuser erleichtert.

Anna Netrebko gibt Tschaikowskys "Iolanta"
Neu produziert wird zudem "Vec Makropulos" ("Die Sache Makropulos") von Leos Janacek. Esa-Pekka Salonen wird am Pult der Wiener Philharmoniker stehen, Christoph Marthaler wird diese in Salzburg noch nie gespielte Oper in Szene setzen. Die dritte von Hinterhäuser initiierte Neuproduktion des Festspielsommers 2011 ist ein konzertanter Opernabend mit zwei Einaktern. "Le Rossignol" von Igor Strawinsky und Tschaikowskys "Iolanta" - zwei ganz selten aufgeführte Märchen mit Musik - werden im Großen Festspielhaus vom Mozarteumorchester Salzburg und Ivor Bolton realisiert. Für die Hauptrolle als Iolanta haben die Festspiele Anna Netrebko engagiert.

"Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken"
Hinterhäuser hat den Festspielen 2011 kein Motto, dafür ein Zitat von Luigi Nono vorangestellt. "Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken", steht auf dem offiziellen Programm, das Stephan Balkenhol künstlerisch gestaltet hat. "Ich habe den Spielraum, der mir geblieben ist, auch in der Oper genutzt", erläuterte der Übergangs-Intendant. "Einiges habe ich auch gerne von Vorgänger Jürgen Flimm übernommen." Das ist vor allem die Da Ponte-Trilogie von Regisseur Claus Guth.

"Don Giovanni", "Figaro" und "Cosi" in einer Saison
"Es war Flimms langgehegter Plan, die Festspielproduktionen von Mozarts 'Don Giovanni', den 'Figaro' und die 'Cosi' in einer einzigen Saison zu zeigen", sagte Hinterhäuser. "Aber es wird nicht einfach Wiederaufnahmen geben. Claus Guth wird alle drei Opern gründlich überarbeiten, bishin zu den Bühnenbildern. Vor allem aber werden zwei der drei Opern von anderen Orchestern gespielt. 'Don Giovanni' bleibt bei den Wienern (unter Yannick Nézet-Séguin), aber 'Figaros Hochzeit' wird vom Orchestra of the Age of Enlightment unter Robin Ticciati gespielt und 'Cosi fan tutte' von Marc Minkowski und seinen Musiciens du Louvre. Damit präsentieren wir drei Spektren des Mozart-Klangs, was Salzburg - wie ich glaube - gut ansteht."

Als große Neuproduktion 2011 ist zudem "Frau ohne Schatten" von Richard Strauss angekündigt. Diese Oper wird von Christian Thielemann, den Wiener Philharmonikern und Regisseur Christof Loy geleitet. Die Pfingstoper am 10. Juni im Haus für Mozart stammt von Saverio Mercadante (1795-1870) und heißt "I due Figaro". Verantwortlich dafür zeichnet Riccardo Muti.

Auch im Schauspiel nicht routiniertes Programm
Doch vom unverrückbaren und alljährlichen "Jedermann" auf dem Domplatz abgesehen, erwartet das Publikum nicht nur in der Oper, sondern auch im Schauspiel ein durchaus nicht routiniertes Programm. Schauspiel-Chef Thomas Oberender setzt 2011 vor allem auf Goethes "Faust" und plant Teil eins und Teil zwei der Tragödie in einem sechsstündigen Marathon auf der Pernerinsel in Hallein. Regie in dieser Koproduktion mit dem Hamburger Thalia Theater wird Nicolas Stemann führen.

"Geister in Princeton" wird am 24. September uraufgeführt
"Auf eigene Faust" und "Jenseits der Grenze" heißen zwei Reihen, die "Dichter zu Gast" ersetzen werden. Dabei wird u.a. Daniel Kehlmann in einer von Christopher Hampton inszenierten Lesung dem Wahnsinn des österreichischen Mathematikers Kurt Gödel nachspüren. Sein Stück "Geister in Princeton", im Auftrag der Festspiele verfasst, wird am 24. September in Graz uraufgeführt. Margarethe Mitscherlich wird über "Die Radikalität des Alters" reden, und Jon Fosse präsentiert seine eigene Faust-Version. Klaus Maria Brandauer leistet seinen Beitrag mit Lars Vogt, und für die Neukomposition der Musik für den Faust-Filmklassiker von Friedrich Wilhelm Murnau hat Oberender an Tobias Schwenke ebenso einen Kompositionsauftrag vergeben wie an Gustav (alias Eva Jantschitsch), die "Unterhaltungsmusik zur Suche nach Erkenntnis" schreiben soll.

Gert Voss kehrt mit "Maß für Maß" nach Salzburg zurück
Peter Handke hat sich für die Uraufführung von "Immer noch Sturm" für Salzburg entschieden, Dimiter Gotscheff wird - ebenfalls auf der Pernerinsel - inszenieren. Auch diese Aufführung wird mit dem Thalia Theater Hamburg koproduziert. "Die vier Himmelsrichtungen" heißt ein neues Stück von Roland Schimmelpfennig, das im Landestheater uraufgeführt werden wird. Der Autor wird die Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin selbst inszenieren. Mit "Maß für Maß" und der studentischen Freiluft-Produktion "Sommernachtstraum" setzt Oberender zudem einen Shakespeare-Schwerpunkt. Thomas Ostermeier wird das von Marius von Mayenburg neu übersetzte "Maß für Maß" inszenieren, außerdem kehrt Gert Voss mit diesem Stück nach Salzburg zurück.

"Young Directors Project" aufgefrischt
Auch das "Young Directors Project" ist formal neu gestaltet. Zum einen wird es 2011 vier Produktionen aus den USA sowie aus Nord- und West-Europa geben, darunter einen Museumsbesuch mit verbundenen Augen ("Symphony of a missing room") oder einen Kurs für Gesellschaftstänze und gute Manieren ("The Dinner Club"). Vor allem aber ist der Regie-Wettbewerb so organisiert, dass in zehn Tagen eine Art Repertoire-Betrieb entsteht, bei dem bis zu vier Vorführungen an einem Tag besucht werden können. Die Vorstellungen finden fast täglich nicht nur im republic, sondern auch in einer Vorstadtvilla, im Museum der Moderne, der Großen Aula oder einem Salzburger Bürgerhaus statt.

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